Deutsche EU-Parlamentarier treffen Timoschenko

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Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Gruenen im Europaparlament, Rebecca Harms (l.) und der Europaabgeordnete Werner Schulz (Gruene) haben Julia Timoschenko besucht.

Charkow - Der Fall Timoschenko sorgt auch während der Fußball-EM in der Ukraine für Wirbel. Nun haben deutsche Politiker erstmals die inhaftierte Oppositionsführerin besucht - und zeigen sich beeindruckt.

Als erste deutsche Politiker haben die Grünen-Europaparlamentarier Rebecca Harms und Werner Schulz die inhaftierte ukrainische Ex-Regierungschefin Timoschenko getroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse in die Ex-Sowjetrepublik reisen, um Präsident Viktor Janukowitsch „die Meinung zu sagen“, forderte Schulz nach dem Besuch in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag in der Stadt Charkow. Die in Haft erkrankte Timoschenko war 2011 in einem international kritisierten Prozess wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Auch UEFA-Präsident Michel Platini dürfe während der Fußball-Europameisterschaft nicht wegschauen, sagte Schulz. Es sei eine „Ironie“, dass Timoschenko während des Turniers, das sie ins Land geholt habe, in Haft sitze. Sport und Politik seien deshalb nicht zu trennen.

Harms berichtete, Timoschenko habe vor allem über die ukrainische Politik sprechen wollen und darüber, welchen Einfluss die Europäische Union nehmen könne. Die EU müsse mit darauf achten, dass die für Ende Oktober geplanten Parlamentswahlen frei und fair verliefen.

Die Bedingungen für Timoschenko in der Klinik seien hart, erzählten die Abgeordneten. „Sie lebt hinter Milchglasscheiben“, sagte Harms. Die 51-Jährige sei sehr blass, aber wirke nicht schwach. Schulz ergänzte: „Sie ist eine sehr tapfere Frau mit dem Herzen von Stürmer Andrej Schewtschenko und der Kraft der Klitschko-Brüder.“ Während des Gesprächs habe Timoschenko auf einem Krankenhausbett gelegen. Die Politikerin hat einen Bandscheibenvorfall. Sie wird regelmäßig von Ärzten der Berliner Charité untersucht und betreut.

Die Parlamentarier hatten am Vorabend während des EM-Spiels Deutschland gegen die Niederlande (2:1) in Charkow auf der VIP-Tribüne auf Plakaten Freiheit für politische Gefangene gefordert. Am Donnerstag reisten sie zu Gesprächen mit der demokratischen Opposition nach Kiew weiter. Dabei waren Treffen mit Boxweltmeister Vitali Klitschko und Regierungschef Nikolai Asarow geplant.

dpa

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