Derby um den Supercup: Mehr als nur ein Test

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Noch können sie lachen, am Samstag sind sie Gegner auf dem Platz: Ralf Rangnick vom Pokalsieger Schalke 04 und Jürgern Klopp vom Meister aus Dortmund.

Gelsenkirchen/Dortmund - Weder Borussia Dortmund noch Schalke 04 können sich einen Ausrutscher im Supercup.leisten. Denn am Samstag geht es sofort um viel Prestige.

Borussia Dortmund und Schalke 04 neiden sich selbst das Schwarze unter den Fingernägeln, doch in einem Punkt herrscht bei den ewigen Erzrivalen ausnahmsweise mal Einigkeit: Der Supercup 2011 ist alles andere als ein Jux-Spiel. „Unabhängig davon, dass wir eine Menge Geld bekommen, spielt da der deutsche Meister gegen den Pokalsieger! Jeder, der das künstlich kleinredet, hat das Geschäft Bundesliga nicht verstanden“, sagte der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke am Freitag dem SID: „Wir werden alles daran setzen, den Wettbewerb zu gewinnen.“

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Die Begegnung ist emotional aufgeladen, besonders für Schalke geht es am Samstagabend (20.30 Uhr/ZDF) in der heimischen Arena „nicht nur um den Pokal, sondern auch um große Gefühle“, wie Trainer Ralf Rangnick betonte. 13 Tabellenplätze Rückstand hatte der DFB-Pokal-Sieger am Ende der Saison auf den Meister BVB - eine historische Demütigung, die es in der Bundesliga nur einmal in grauer Vorzeit gegeben hatte, 1965.

Rangnick weiß ganz genau, was nun von ihm verlangt wird. Die überteuerten Stars aussortieren, den Dortmunder Jugendstil kopieren - und vor allem: Derbys gewinnen, selbst wenn diese nicht ligarelevant sind. „Die letzten beiden Spiele habe ich vor dem Fernseher verfolgt. Da hatte Schalke nicht viel zu bestellen“, sagt Rangnick. Vom „Test unter Wettkampfbedingungen“ zu reden, hat er sich ganz schnell abgewöhnt. Das will kein Schalker hören.

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Es geht nicht um Punkte, aber wie immer ums Prestige, und mittlerweile auch wieder um einen offiziellen Titel. Rangnick und BVB-Trainer Jürgen Klopp können es sich nicht leisten, zu experimentieren. „60.000 Zuschauer schauen uns auf die Füße“, sagt Klopp, schränkt jedoch ein: „Es bringt nichts, wenn wir am Ende der Saison sagen: Das beste Spiel war im Supercup auf Schalke. Auch danach muss noch was kommen.“

Personell fühlt sich der BVB laut Klopp „nochmal besser aufgestellt als vorher“ - trotz des Abschieds von Nuri Sahin. Allerdings plagen Klopp einige Sorgen, fünf Leistungsträger sind angeschlagen. Marcel Schmelzer wird „zu 99 Prozent“ fehlen, fraglich ist zudem der Einsatz der Nationalspieler Sven Bender (Aufbautraining nach Knie-OP), Mario Götze (Zehenprobleme) und Kevin Großkreutz (Adduktorenprobleme). Auch bei Neven Subotic (Gehirnerschütterung) müsse „man schauen, ob es klappt“ (Klopp).

Einen großen Sieg hat der BVB im übertragenen Sinne schon gefeiert - auf Schalke ist er eine Art Vorbild geworden, auch wenn man das dort nie im Leben zugeben würde. „Ich mag den Namen nicht in den Mund nehmen“, sagt Manager Horst Heldt dazu, „aber es ist wichtig, das zu machen, was zu Schalke passt. Schalke hat unglaubliche Möglichkeiten, der Klub solch eine Strahlkraft, das muss man richtig nutzen. Daher wollen wir in allen Bereichen des Klubs einen guten Mix, in der Mannschaft eine Mischung aus Jung und Alt sowie eine vernünftige Ausgabenpolitik.“ Klingt nach Dortmund...

Geld gibt es auch zu verdienen im Supercup, und das haben die Schalker bitter nötig. 50 Prozent des Reinerlöses darf der Sieger einheimsen, immerhin 40 Prozent der Verlierer. Das Spiel wird in 175 Länder live übertragen und soll Werbung für die Bundesliga sein; ein Grund mehr, diesen Supercup nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Aber an Motivation mangelt es sowieso nicht. - Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Schalke: Fährmann - Uchida, Papadopoulos, Höwedes, Fuchs - Matip (Kluge) - Baumjohann, Holtby, Draxler - Huntelaar, Raul. - Trainer: Rangnick

Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Santana, Hummels, Löwe - Kehl, Gündogan - Götze (Leitner), Kagawa, Perisic - Lewandowski. - Trainer: Klopp

Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)

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