Depressionen: Fenin bittet um Auszeit

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Martin Fenin begibt sich in Behandlung

Cottbus - Der mit einer Hirnblutung in ein Cottbuser Krankenhaus eingelieferte Zweitliga-Fußballer Martin Fenin hat Depressionen eingeräumt und seinen Verein um eine Auszeit gebeten.

“Martin wird sich nach dem Ende seines Krankenhaus-Aufenhaltes in eine neurologische Rehabilitation begeben“, sagte Sprecher Lars Töffling vom FC Energie Cottbus gegenüber dapd. Der Verein entsprach Fenins Bitte und kündigte an, seinen erst im Sommer vom Bundesliga-Absteiger Eintracht Frankfurt in die Lausitz gewechselten Stürmer mit ganzer Kraft zu unterstützen.

Flucht in Medikamente und Suchtmittel eingeräumt

“Ich bin endlich zu der Erkenntnis gekommen, dass ich mein Krankheitsbild nicht mehr allein in den Griff bekomme. Das Gefühl der Resignation, der Einsamkeit mit Depressionsschüben begleitet mich schon seit mehreren Monaten“, ließ Martin Fenin in einer offiziellen Vereinsmitteilung erklären. Der 24-Jährige räumte zugleich “die vorübergehende Flucht in Medikamente und Suchtmittel“ ein. “Ich habe dagegen angekämpft und muss mir nun eingestehen, dass ich dieses Problem nicht ohne Hilfe beheben kann. Ich brauche eine Auszeit mit intensiver ärztlicher Betreuung, um gesund zurück zu kehren auf den Fußballplatz und mein Top-Level wieder erreichen zu können“.

Fenin war am Samstag mit Hirnblutung auf die Intensivstation des Cottbuser Carl-Thiem-Klinikums eingeliefert worden. Seitdem habe sich der 89-malige Bundesligaspieler (14 Tore) mit den behandelnden Ärzten, seinen Eltern und den Beratern besprochen und sich auch zu dem Schritt entschieden, seine Probleme über den Verein öffentlich zu machen, sagte Lars Töffling. Der Energie-Sprecher bestätigte, dass Fenin im stabilen Zustand und auf dem Weg der Besserung sei, ließ aber offen, wann der elfmalige tschechische Nationalspieler das Krankenhaus verlassen kann und wo er sich in die weitere Behandlung begeben wird.

Trainer Wollitz verspricht Unterstützung der Mannschaft

Energie-Trainer Claus-Dieter Wollitz hatte seinen Spieler am Montag im Krankenhaus besucht und ihm nach Rücksprache mit dem Vereinspräsidium jegliche Unterstützung bei der Genesung angeboten. “Es spricht für seinen Mut, mit dieser Selbstreflektion so offen umzugehen. Martin hatte Glück im Unglück, das sollte ihm Mut machen für die bevorstehenden Wochen und Monate. Die werden hart für ihn. Doch er hat ein Ziel vor Augen, will es vor allem sich beweisen. Dabei werden wir ihn als Mannschaft und Verein so gut es geht begleiten“, erklärte Wollitz sichtlich betroffen.

Nachdem sich der unter Depressionen leidende Nationaltorwart Robert Enke im November 2009 das Leben genommen hatte, bekannten sich vor Fenin bereits mehrere Fußball-Profis wie Andreas Biermann vom FC St. Pauli offensiv zu dieser Krankheit. Erst vor wenigen Wochen trat Ralf Rangnick wegen eines sogenannten Burnout-Syndroms (vegetatives Erschöpfungssyndrom) als Trainer des Bundesligisten Schalke 04 zurück. Auch Torwart Markus Miller steht seinem Verein Hannover 96 derzeit aus diesem Grund nicht zur Verfügung.

dapd

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