"Das hat mit Fußball nichts zu tun"

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Polizisten gehen nach dem Spiel gegen Anhaenger des BFC Dynamo vor, die nach dem Spiel in den Gästeblock eingedrungen sind

Berlin - Nach dem DFB-Pokalspiel des BFC Dynamo gegen den 1. FC Kaiserslautern (0:3) am Samstag ist es im Berliner Jahnsportpark zu Ausschreitungen gekommen.

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Am Ende musste sich der BFC Dynamo entschuldigen. Allerdings nicht für das, was der Fünftligist auf dem Rasen gegen den Bundesligisten aus Kaiserslautern abgeliefert hatte. Denn sportlich hatte sich der Außenseiter bei der 0:3 (0:2)-Niederlage nicht schlecht aus der Affäre gezogen. Doch was nach dem Abpfiff passierte, als einige Dutzend BFC-Fans ihren Aggressionen freien Lauf ließen und Lauterer Anhänger attackierten, warf den Klub, der durch das Pokalspiel eigentlich sein schlechtes Image in der Öffentlichkeit korrigieren wollte, wieder weit zurück.

“Ich möchte mich beim FCK und seinen Fans entschuldigen, das hat mit Fußball nichts zu tun“, sagte BFC-Pressesprecher Martin Richter nach der Partie, und seine Stimme zitterte. Trainer Heiko Bonan war ebenfalls sichtlich deprimiert: “Seit einem Jahr predige ich, dass der BFC ein anderer Verein ist. Und dann gibt es ein paar Idioten, die heute wieder alles bestätigt haben, was die Leute an Klischees über den Klub haben.“

“Auf die Fresse“-Rufe hallen durchs Stadion

Schon während die Lauterer Fans in den letzten Spielminuten die Berliner mit wedelnden Taschentüchern und einem gesungenen “Auf Wiedersehen“ hämisch verabschiedeten, hallten laute “Auf die Fresse“-Rufe durchs Stadion. Laut Augenzeugenberichten bauten sich nach dem Abpfiff dann zunächst zwei Dynamo-Fans, die durch ein offenes Tor auf die Tartanbahn gelangt waren, vor dem Gästeblock auf. In diesem befanden sich auch Frauen und Kinder. Einige Lauterer Fans wurden dann durch und über den Trennzaun mit Fahnenstangen attackiert.

“Warum die Ordner nicht eingeschritten sind, keine Ahnung“, sagte Thomas Hilmes, der für die Lauterer Fanseite “Der Betze brennt“ vor Ort war. Dann kamen mehrere Dutzend Dynamo-Fans über ein weiteres offenes Tor über die Zuschauerränge in Richtung Gästeblock gestürmt. Warum die Tore geöffnet werden konnten, war zunächst unklar.

“Der ganze Block hat Panik bekommen“, beschrieb Christian Hirsch vom Lauterer Fanklub “Berliner Bagaasch“, der sich inmitten der Pfälzer Fans befand, die Szenerie. “Die kamen voll über die Zäune und die Sitzplätze rüber, bis in den Gästeblock rein“, sagte Hirsch. Erst als den Lauterer Fans am oberen Rand des Blocks der Weg abgeschnitten gewesen sei, habe die Polizei einen Gürtel zwischen den Lagern gebildet, berichteten Beobachter. Es sei aber bei leichten Verletzungen wie Schürfwunden und Prellungen geblieben.

Abel: “So ein Saftladen!“

“Die Polizei steht daneben und schaut nur zu“, erregte sich auch Lauterns Abwehrchef Mathias Abel, der im Kabinengang seiner Wut freien Lauf ließ. “So ein Saftladen. Dass die überhaupt noch spielen dürfen“, rief Abel unter dem Eindruck der Gewaltszenen.

Der BFC-Trainer und ehemalige Bundesligaprofi Bonan sah seinen guten Eindruck zerstört: “Wenn seit geraumer Zeit nichts passiert ist, auch bei größerem Polizeiaufgebot, wenn uns die Polizei sogar ausdrücklich lobt, gehe ich erst einmal davon aus, dass sich wirklich etwas geändert hat“, sagte Bonan kopfschüttelnd.

Die Minuten nach dem Schlusspfiff am Samstag belehrten ihn eines Besseren. Einmal mehr wird der BFC Dynamo nun als Verein mit chronisch gewalttätigem Anhang abgestempelt werden.

dapd

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