Warum nennen sich die Deutschen nicht Celia und Kerstin?

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Grazielle - ein Name wie aus einem Heidi-Klum-Casting

Frankfurt/Main - Oh' brasilianische Vielfalt! Die Samba-Kickerinnen sind nicht nur am Ball außergewöhnlich, sondern auch mit Namen wie "Formiga". Warum geht so was bei den Deutschen eigentlich nicht?

Schade, dass Sissi ihre internationale Karriere 2000 beenden musste. Sissi, das klang kaiserlich, glamourös. Bot Raum für romantische Träume von Glück und Aufstieg und auch ein bisschen Tragik. Sissi, du fehlst uns bei dieser WM. Da spielen Marta, Erika und Barbara. Das hört sich nun leider mehr nach Kleinstadt-Kaffeekränzchen als nach hohem Adel an. Und wenn sie noch so sehr mit dem Ball zaubern.

Ein Blick auf den Kader der südamerikanischen WM-Favoritinnen ist schon erstaunlich. Neben den “deutschen Omas“ mischen auch Frauen mit, deren Vornamen eher auf ein Heidi-Klum-Casting schließen lassen: Daniele, Grazielle und Elaine. Oh' brasilianische Vielfalt.

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Haardutt und Ameise

In Brasilien sind nur die Vor- und Spitznamen wirklich individuell. So kommt es auch, dass Renata Costa intern nur Koki heißt, nach ihrem kleinen Haardutt. Oder dass Miralides Maciel Mota sogar bei der FIFA offiziell als Formiga geführt wird - die Ameise. Das lässt immerhin gewisse Rückschlüsse auf ihren Spielstil zu.

Die Namen brasilianischer Fußballstars sind auch bei den Männern ein Quell steter Freude. Gern erinnert man sich an Bismarck, Müller und Socrates. Wer hätte sich schon Barreto Faria, Correa da Costa oder Brasileiro Sampaio de Souza Vieira de Oliveira merken wollen? Passt auch gar nicht als Schriftzug auf das Trikot.

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Celia und Kerstin für Deutschland

Mal ehrlich: Okoyino da Mbabi auf dem Rücken liest sich lang und sperrig, es ruft sich auch schlecht bei Fangesängen. Wie Garefrekes. Celia dagegen, oder Kerstin, ginge glatt über die Lippen. Kurz, knapp, einprägsam - man könnte sie dann auch für Brasilianerinnen halten. Und fast spielen sie ja auch so.

Nun läuft die offizielle Identifikation im deutschen Sprachraum über Familiennamen. In Brasilien oder Portugal spricht man sich dagegen überall nur mit Vornamen an.

Die traditionelle Zusammensetzung des Familiennamens durch Ableitung von beiden Eltern führt in Brasilien außerdem regelmäßig zu Ungetümen, die in Deutschland höchst selten zustande kommen. Greiner-Petter-Memm und Leutheusser-Schnarrenberger sind ja glücklicherweise eher die Ausnahmen. Andererseits: Birgit klingt einfach netter als Prinz. Außerdem haben wir den schon im deutschen Fußball: Poldi aus Köln.

dapd

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