Dänemark raus, aber keinen stört's

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Die Dänen gehen mit dem EM-Aus ziemlich gelassen um

Kopenhagen - Mit aller Gelassenheit nehmen Dänemarks Trainer-Oldie Morten Olsen und seine Mannen das EM-Aus zur Kenntnis. Seinem Team gehöre die Zukunft, urteilt der 62-Jährige.

Die dänischen Außenseiter reisten nach dem unglücklichen EM-Aus mit ganzem Stolz ab. Es hatte fast etwas von heiler Welt, wie Morten Olsen und seine Mannen nach dem 1:2 gegen Deutschland die schnelle Rückkehr in die Heimat analysierten. Der 62 Jahre alte Trainer-Routinier sprach Nicklas Bendtner & Co. trotz seiner ersten Pleite gegen eine deutsche Fußball-Nationalmannschaft ein „Kompliment für ein hervorragendes Turnier“ aus. Auch die dänische Presse war milde. „Dänemark fiel mit Anstand um“, titelte „B.T.“, die Zeitung „Politiken“ verteilte sogar „zum Tschüss ein Dankeschön an die Elf von Morten Olsen. Sie hat uns bei der EM Licht- und Höhepunkte beschert.“ Auch Stuttgarts William Kvist war „total zufrieden“ mit der dänischen EM-Darbietung.

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Und das trotz zwei Pleiten in drei Gruppenspielen. Die dänische Eigenanalyse des Großereignisses fällt somit wesentlich positiver aus, als es die nüchternen Fakten hergeben. Der 1:0-Auftaktsieg gegen die Niederlande kam äußerst glücklich zustande, das knappe 2:3 gegen Portugal war vor allem der Tatsache geschuldet, dass die Dänen nur durch Cristiano Ronaldos vergebene Großchancen überhaupt im Spiel blieben. Und gegen die Löw-Truppe im entscheidenden Vorrundenspiel ergriffen die Nordeuropäer in den ganzen 90 Minuten kaum einmal die Initiative, obwohl ihnen selbst das zwischenzeitliche Remis kaum zum Weiterkommen gereicht hätte.

Olsen schien das herzlich egal zu sein. Der Oldie war überhaupt nicht auf Konfrontationskurs und strahlte stattdessen skandinavische Gelassenheit aus. „Details“ hätten das Spiel gegen die Deutschen entschieden, meinte er - und fügte an: „Dieses dänische Team hat ohne Frage Zukunft.“

Natürlich waren die Dänen in der von den Spitzennationen Portugal, Deutschland und Niederlande dominierten Gruppe B von Anfang an nur der vermeintliche Punktelieferant. Aber selbst trotz des vielversprechenden EM-Beginns erweckten sie nie den Eindruck, sich wirklich emanzipieren zu wollen. Und so verkaufte es Mittelfeldprofi Kvist schon als ernsthaften Erfolg, dass „wir gegen Portugal und Deutschland nicht hoch verloren haben“ - sondern jeweils nur mit einem Tor Differenz.

Fast genau 20 Jahre nach ihrem EM-Finalsieg von Göteborg hatten die Dänen auch von der Hoffnung auf eine neuerliche Überraschung gegen Europas Big Player gelebt - sich aber selbst immer als Underdogs eingeschätzt und öffentlich so bezeichnet. Wer vorher tiefstapelt, kann hinterher nicht enttäuscht werden. Auch wenn das Viertelfinale sportlich mit ein wenig mehr Mumm beim 2:3 gegen die Portugiesen oder beim 1:2 gegen Deutschland wohl drin gewesen wäre.

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„Wir müssen das Positive sehen. Wir haben drei tolle Spiele gegen drei richtig gute Mannschaften gemacht“, urteilte Verteidiger Daniel Agger. Drei „fantastische Kontrahenten“ erkannte auch Simon Poulsen, „wir können mit unseren Auftritten sehr zufrieden sein“. Torschütze Michael Krohn-Dehli gab zumindest zu, „etwas niedergeschlagen“ zu sein, der Stolz über „unsere Leistung“ überwog aber auch bei ihm. Es hörte sich ein bisschen nach kollektivem Schönreden an.

Was sich jetzt nach der EM ändern wird? Nicht viel. Morten Olsen ist seit rekordverdächtigen zwölf Jahren im Amt und soll es noch bis mindestens 2014 bleiben. Seine Auswahl hat Steigerungspotenzial, bis auf den zurzeit verletzten Stammtorwart Thomas Sörensen und Flügelspieler Dennis Rommedahl sind alle Stammspieler jünger als 30. Und: In der Qualifikation für die WM in Brasilien treffen die Dänen in ihrer Gruppe mit Italien zumindest nur auf eine ganz große Mannschaft.

dpa

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