Cruyff: So war das mit dem Rassismus-Vorwurf

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Johan Cruyff.

Amsterdam - Die Führungskrise bei Ajax Amsterdam hält an. Erste Aufsichtsratsmitglieder sind vor dem Hintergrund des Streits in der Chefetage massiv bedroht worden.

Die Schlammschlacht bei Ajax Amsterdam ist um ein Kapitel reicher, ein Ende der schmutzigen Affäre um den niederländischen Fußball-Rekordmeister noch längst nicht in Sicht. Klub-Ikone Johan Cruyff holt nach den Rassismusvorwürfen gegen seine Person zum Gegenschlag aus und setzt sich vehement zur Wehr. „Eine in die Enge getriebene Katze macht seltsame Sprünge. Jetzt bekomme ich auch noch solche Vorwürfe auf den Teller gelegt“, sagte Cruyff und schoss Richtung Edgar Davids.

Auslöser der aktuellen Rassismus-Diskussion ist eine Aussage von Cruyff während einer Sitzung am 12. August. „Du sitzt hier nur, weil du schwarz bist“, hatte der 64-Jährige damals zu Davids gesagt. „Das Zitat ist aus dem Zusammenhang gerissen worden“, rechtfertigte sich Cruyff am Montagabend in einem Telefongespräch mit der RTL-Fernsehsendung „Voetbal International“. Er habe damit verdeutlichen wollen, dass Davids im Aufsichtsrat sitze, um bei Ajax den Verlust dunkelhäutiger Talente zu verhindern.

Die Debatte macht Cruyff fassungslos. „Schielend, rot, eine andere Hautfarbe oder eine Brille, was macht es aus?“, sagte Cruyff und spielte damit auch auf Davids an. „Ich habe mit meiner Stiftung fast 120 Cruyff-Courts angelegt, auf denen Kinder verschiedenster Herkunft Fußball spielen können. Eigentlich sollte ich hier nicht drauf reagieren. Es ist unter der Gürtellinie.“

Davids ließ es sich nicht nehmen, zu antworten. „Ich habe nie gesagt, dass Cruyff ein Rassist sei, trotz seiner unglücklichen Worte“, schrieb der frühere Nationalspieler auf seiner Homepage: „Ich will noch einmal deutlich machen, dass ich großen Respekt vor dem Fußballer Cruyff habe, trotz der persönlichen Angriffe gegen mich in den vergangenen Tagen“, schrieb Davids.

Als er nach dem Sprachgebrauch im Aufsichtsrat gefragt wurde, hatte Davids einem Reporter am Sonntag von groben, ans rassistische grenzenden Worten berichtet. Anschließend veröffentlichte ein Journalist Cruyffs Zitat, das von Cruyff-Gegner und Ajax-Aufsichtsratschef Steven ten Have weitergegeben worden war. Die Lawine kam ins Rollen.

Davids wiederum wurde von den Folgen seines Interwiews überrollt. „Ich bin überrascht und erschrocken von der Wirkung meiner Antwort, besonders wie dann anschließend damit umgegangen worden ist“, stellte der 38-Jährige fest. Ajax-Trainer Frank de Boer entlastete Cruyff. „Ich kenne Johan seit vielen Jahren. Er ist kein Rassist. Das ist klar“, sagte de Boer der Tageszeitung „Algemeen Dagblad“.

Davids selbst ruderte inzwischen auch zurück. “Ich habe nie gesagt, und das will ich ausdrücklich betonen, dass Johan Cruyff ein Rassist ist, trotz dieser unglücklichen Aussagen von ihm“, schrieb Davids in seinem Blog. Doch die Stimmung bei Ajax ist vergiftet. Ten Have und das Aufsichtsratsmitglied Marjan Olfers erhielten Morddrohungen, der Club ist komplett in Cruyff-Anhänger und -Gegner gespalten. Und was sagt van Gaal? Der macht Urlaub in Asien und äußerte sich bislang nicht.

sid/dpa

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