Cristiano Ronaldo zeigt sich wieder als Diva

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Cristiano Ronaldo schimpfte beim 0:0 vor allem auf den Rasen

Lissabon - Cristiano Ronaldo fällt in alte Verhaltensmuster zurück. Der Superstar von Real Madrid und der portugiesischen Nationalmannschaft ist wieder mehr Diva als Dirigent.

Als der passionierte Gemüsebauer Cristiano Ronaldo auf dem Kartoffel-Acker von Zenica auf keinen grünen Zweig kam, war sie wieder da: die Diva Ronaldo. Die Gesichtszüge vor Wut verzerrt, gestikulierte der teuerste Fußballer der Welt wild herum und haderte himmelschreiend mit dem Schicksal. Die bosnischen Fans quittierten die Verzweifelung des verhinderten Künstlers beim EM-Play-off-Hinspiel gegen Portugal (0:0) hämisch mit „Messi, Messi“-Rufen. Wieder hatte der begnadete Solist als Dirigent versagt und war zur Zielscheibe der Spott-Chöre geworden.

An Cristiano Ronaldo dos Santos Aveiro scheiden sich die Geister, seit er als 18-Jähriger von Sporting Lissabon zu Manchester United gewechselt war und damit die große Fußball-Bühne betreten hatte. Als Athlet perfekt, technisch brillant, torgefährlich. Aber auch egoistisch, theatralisch und verliebt in das eigene Spiel. Ob in Manchester oder seit 2009 nach seinem Rekordwechsel für über 90 Millionen Euro bei Real Madrid: Oft glänzt Ronaldo nur für sich allein, selten nimmt er die Mannschaft mit. Der 26-Jährige ist ein Ausnahme-, aber kein Führungsspieler. Auch nicht als portugiesischer Kapitän.

Außerhalb seiner Manege, den grünen Rechtecken dieser Erde, ist Cristiano Ronaldo vor allem eins: Glamour. Schöne Frauen, schnelle Autos, hippe Klamotten. Seit David Beckham war kein Fußballer näher bei Paris Hilton als bei Uwe Seeler. Und wenn dann mal eine fast schon menschliche Anekdote wie der Gemüseanbau im heimischen Garten der Luxusvilla über Mitspieler Fabio Coentrao an die Öffentlichkeit kolportiert wird, kontert Ronaldo den Anflug von Sympathie mit Sprüchen wie: „Sie sind neidisch, weil ich schön, reich und ein guter Fußballer bin.“

Die bizarren Rituale der Fußballstars

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Nein, lieben werden sie „CR7“, diese Fleisch gewordene Ironie des „Elf-Freunde-Mythos“ wohl nie. Weder die Fans von Real Madrid, wo er kürzlich innerhalb weniger Tage erst sein 100. Spiel und dann seinen 100. Treffer feierte, noch in seiner Heimat Portugal, wo der Golden Boy ebensowenig die Titelhoffnungen erfüllen kann wie vor ihm die goldene Generation.

Das Schicksal der schwachen Auftritte im Nationaltrikot teilt sich Ronaldo mit der Argentinier Lionel Messi, seinem Nachfolger als Weltfußballer und großem Konkurrenten um die Krone des Spiels. Doch viel mehr haben die beiden Hauptdarsteller des internationalen Fußballs nicht gemeinsam. Messi ist der nette Junge von nebenan, der lieber Turnhose als Designer-Jeans trägt und den jeder einfach nur knuddeln möchte. Messi ist der Teamplayer, dessen Talent immer zuerst der Mannschaft zugute kommt. Messi ist everybody's darling, Ronaldo der laute Nachbar mit dem aufgemotzten Prollschlitten.

Sicher, Ronaldo spendet einen kleinen Teil seines Traumgehalts von zwölf Millionen Euro für soziale Projekte. Nach dem schrecklichen Tsunami 2004 im Indischen Ozean schenkte der im Armenviertel von Madeira aufgewachsene Ronaldo den Opfern viel Geld und lud zwei Jahre später einen elfjährigen Thailänder und dessen Vater zur WM nach Deutschland ein.

Doch an seinem Image werden auch solche guten Taten nicht viel ändern. Entscheidend ist auf dem Platz, heißt eine wohl bekannte Fußballer-Weisheit. Und auf dem Platz ist Cristiano Ronaldo immer noch viel zu oft Diva und viel zu selten Dirigent.

sid

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