Ronaldo: "Wo stand Messi vor einem Jahr?"

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Ronaldo reagierte auf kritische Fragen nach dem Spiel trotzig und genervt.

Lwiw - Wieder kein Tor, dafür „Messi“-Rufe von den Rängen: Portugals Superstar Cristiano Ronaldo erlebt bislang eine EM-Endrunde zum Vergessen.

Noch lange nach dem Schlusspfiff klangen Cristiano Ronaldo die hämischen „Messi, Messi“-Rufe in den Ohren. Als er nach dem 3:2 (2:1) gegen Dänemark darauf angesprochen wurde, reagierte Portugals Superstar gereizt. „Wisst ihr, wo Messi vor genau einem Jahr stand?“, fragte der Torjäger a.D. und gab selbst die Antwort: „Er war bei der Copa America, zeigte kaum sein Können und schied mit Argentinien zu Hause frühzeitig aus. Und es gibt immer noch Leute, die meinen, er sei der beste der Welt.“ Ronaldo hält Ronaldo für den besten Fußballer der Welt, aber bei der EM ist er bislang ein „Chancentod“.

Weltfußballer Lionel Messi war bei der Südamerikameisterschaft 2011 in der Tat im Viertelfinale gescheitert, der Vergleich mit seinem großen Rivalen hat Ronaldo aber gerade noch gefehlt. An seinen kläglich vergebenen Riesenchancen, die Portugal beinahe um den Sieg gebracht hätten, hatte der 27-Jährige von Real Madrid schon genug zu knabbern: Da stimmten die dänischen Fans auf den Rängen der EM-Arena von Lwiw auch noch „Messi“-Sprechchöre an, an denen sich nach und nach die ukrainischen Zuschauer beteiligten.

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„Jeder hat das Recht, Chancen zu vergeben - auch ich“, sagte Ronaldo trotzig. Genutzt hat er seine Chancen in der Seleccao auf der goßen Bühne aber selten: Fünf Tore in mittlerweile 21 Spielen bei EM- oder WM-Endrunden sind eine miserable Ausbeute für einen, der in der abgelaufenen Saison für Real 60-mal getroffen hat. „Die vergebenen Chancen von Ronaldo nerven einen schon“, schrieb die Zeitung Correio da Manha.

Den verhinderten Torjäger nervten die Fragen danach sichtlich. „Natürlich wollte ich Tore schießen“, sagte er, „ihr kennt mich. Ich habe alles gegeben. Die Tore werden kommen. Die Mannschaft hat gewonnen, das ist das Einzige, was zählt.“ Dafür musste sich der teuerste Fußballer der Welt beim eingewechselten Silvestre Varela bedanken, der nicht nur Portugal, sondern auch ihn erlöste (87.).

Wie nervig wären die Fragen erst gewesen, wenn es beim 2:2 nach dem zweiten Treffer des Dänen Nicklas Bendtner (80.) geblieben wäre? Zwei Minuten, nachdem Ronaldo nach einem genialen Pass von Nani den Ball völlig frei vor dem Tor neben den Pfosten gesetzt hatte. Was hätten dann die Teamkollegen gesagt?

Jetzt nahmen sie ihren Kapitän in Schutz. „Er hat zwar nicht getroffen, aber er hat viel für die Mannschaft gearbeitet“, sagte Nani, der ihm auf dem anderen Flügel mit einer couragierten und leichtfüßigen Vorstellung eindeutig die Schau gestohlen hatte. Und Abwehrchef Pepe, Ronaldos Klubkollege in Madrid, meinte: „Cristiano ist einer der besten Spieler der Welt. Wir sind seine Kollegen, seine Freunde, wir helfen ihm.“

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Kein gutes Haar ließ dagegen Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn an dem 94-Millionen-Mann. „Ich erinnere mich nicht, wann ich Ronaldo jemals in so schlechter Verfassung gesehen habe“, sagte der ZDF-Experte: „Er war schon beim 0:1 gegen Deutschland schwach, aber heute hat er noch einen draufgesetzt.“

Dass der Druck für den Weltfußballer von 2008 zu groß ist, glaubt Trainer Paulo Bento nicht: „Den Eindruck habe ich nicht. Aus meiner Sicht hat er zwei gute Spiele gemacht. Nicht ein einziger Spieler in unserer Mannschaft ist unzufrieden mit ihm, alle sind glücklich, dass wir in vier Tagen ein entscheidendes Spiel haben.“ Am Sonntag (20.45 Uhr/Einsfestival) in Charkow gegen die Niederlande geht es um alles oder nichts.

SID

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