Club-Ultras vergällen Fürth die Pokal-Freude

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Mike Büskens ist trotz Pokal-Erfolgs traurig

Nürnberg - Die Ultras des 1. FC Nürnberg vergällen Greuther Fürth die Freude am Pokal-Erfolg. Ein Fürther erklärt sich danach zur Legende, Trainer Mike Büskens dagegen war erst mal traurig.

Mike Büskens hätte über die bemerkenswerte Woche von Edgar Prib reden können, über jenen jungen Mann, der sich nach seinem Siegtreffer im 254. fränkischen Derby beim 1. FC Nürnberg in aller Bescheidenheit den Status einer Legende zusprach. Mike Büskens hätte erwähnen können, dass es der SpVgg Greuther Fürth, deren Trainer er ist, trotz einer Gelb-Roten Karte gegen Bernd Nehrig (66.) doch erstaunlich problemlos gelungen war, das Viertelfinale im DFB-Pokal zu erreichen.

Doch Mike Büskens, der sich selbst einen „Fußball-Romantiker“ nennt, wurde nach dem bemerkenswerten 1:0 (1:0) des Zweitligisten beim Erstligisten erst mal von Szenen umgetrieben, die sich nach dem Schlusspfiff ereignet hatten. Büskens und seine glückseligen Spieler feierten gerade mit ihren knapp 5000 Anhängern im südöstlichen Eck des Nürnberger Stadions, als von links eine schwarze Wand auf sie zukam - etwa 150 Ultras des Club hatten es in den Innenraum geschafft, nun hetzten sie auf den Block zu, in dem die Treuesten aus Fürth standen.

Die Sache lief noch glimpflich ab, nach einer Minute war der Spuk vorbei. Ein Sprecher der Nürnberger Polizei nannte die Vorfälle einen „Wermutstropfen“. Und Büskens wollte seine Betroffenheit zum Ausdruck, noch ehe er über das Spiel sprach. „Ich finde das beängstigend“, sagte er, „solche Szenen haben wir in den letzten Monaten zuhauf gesehen.“ Das sei „nicht mein Verständnis von Fußball“, es mache ihn „traurig, was sich im deutschen Fußball abspielt.“ Das, betonte der 43-Jährige, müsse er mal loswerden, „bei aller Freude über den Sieg.“ Der Kontrollausschuss des DFB hat mittlerweile ein Ermittlungsverfahren gegen den 1. FC Nürnberg eingeleitet.

Den 72. Derby-Sieg für das „Kleeblatt“ gegen den Club ermöglichte unter anderem ein Mann, der acht Tage zuvor nationale Berühmtheit erlangt hatte - für einen Treffer, den er nicht erzielte. Am Montag der vergangenen Woche stiefelte Edgar Prib im Spitzenspiel der 2. Bundesliga den Ball völlig unbedrängt an den Pfosten des leeren Tores von Eintracht Frankfurt. Mehr als eine Million Mal ist dieser schier unglaubliche Schuss des 22 Jahre alten „Vollpfostens“ (Nürnberger Zeitung) seitdem allein bei YouTube aufgerufen worden.

Diesmal wirkte Prib wie von Glückshormonen geflutet. Das Gefühl, nach dem Missgeschick in Frankfurt ausgerechnet im Derby den Siegtreffer (15.) erzielt zu haben, „das war einfach unglaublich, ein wunderbares Gefühl, so etwas erlebt man nicht jeden Tag“, sagte er. Dieses Tor, selbstverständlich das „wichtigste meiner Karriere“, wird ihn zumindest regional zur Berühmtheit machen. „Sich in so einem traditionsreichen Spiel in die Legendenliste einzutragen, ist schon etwas Besonderes“, sagte Prib: „So entstehen Legenden.“

Prib war dank seines Treffers schließlich der herausragende Spieler einer Fürther Mannschaft, die, wie der Torschütze bestätigte, „einfach geil war aufs Derby“. Der Tabellenzweite der 2. Bundesliga war weitaus engagierter, insgesamt spielerisch besser und hätte nach der ersten Halbzeit noch höher führen können. Auch nach der Pause und nach dem Platzverweis von Nehrig „haben wir keinerlei Schwäche gezeigt“, betonte Büskens, der Vorsprung sei gegen einen anrennenden Club „mit sehr viel Leidenschaft und Herzblut verteidigt“ worden.

In der Tat benötigten die Nürnberger nach einer prima Gelegenheit zum Führungstreffer durch Tomas Pekhart schon in der 2. Minute weitere 48 Minuten, um wenigstens einen Eckball ausführen zu dürfen. Der Club rannte, drückte und schlug Ball um Ball in den Fürther Strafraum, drei-, viermal hätte daraus auch etwas werden können, aber alles in allem, sagte Trainer Dieter Hecking, „waren wir nicht zwingend genug.“ Und den Treffer von Philipp Wollscheid (80.) wollte Schiedsrichter Knut Kircher (Rottenburg) wegen Foulspiels nicht anerkennen.

sid

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