DFB-Aufsteiger

Kramer hat beste Chancen auf WM-Ticket

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Christoph Kramer im DFB-Trainingslager in Südtirol.

Berlin - DFB-Aufsteiger Christoph Kramer von Borussia Mönchengladbach hat plötzlich beste Chancen auf ein Brasilien-Ticket.

Er läuft und läuft und läuft. Und wenn die Schmerzen kommen, läuft er einfach weiter. „Über den Punkt, an dem es weh tut, kann ich einfach drüberlaufen“, sagt der 23-Jährige, der sich auf diese Weise in seiner ersten Bundesliga-Saison einige Rekorde und Spitznamen sicherte.

„Eine Maschine“ nannte ihn sein Mönchengladbacher Vereinstrainer Lucien Favre, als „Marathonmann“ wurde er beim DFB vorgestellt und der frühere Bundestrainer Berti Vogts sagte: „Er ist ein Typ wie Hacki Wimmer.“ Jene Pferdelunge, der die Gladbacher zu einem nicht unbeträchtlichen Teil die Erfolge der 70er Jahre zu verdanken haben.

Kramer ist auch so eine Pferdelunge. 13,1 Kilometer lief er durchschnittlich pro Spiel, keiner rannte mehr. Und auch die Rekordmarke in einem Spiel hält er auch, mit 13,8 Kilometern beim 1: 0 der Borussia auf Schalke.

Kramer von Nominierung überrascht

Betrachtet man dann noch die guten Zweikampfwerte und die verletzungsbedingte Not der Nationalmannschaft auf der „Sechser“-Position, dann war Kramers Nominierung für das Trainingslager in Südtirol eigentlich folgerichtig. Dennoch war der gebürtige Solinger überrascht. Man kann sogar behaupten, dass es vielleicht noch nie einen Nationalspieler gab, der von seiner Berufung überraschter war. Deshalb nämlich, weil Kramer zunächst nicht in den vorläufigen 30er-Kader für die WM in Brasilien (12. Juni bis 13. Juli) nominiert worden war - und damit dann fest davon ausging, dass sich die Reise nach Brasilien allein schon aus regeltechnischen Gründen endgültig erledigt habe.

„Ich hatte es gar nicht auf dem Schirm, dass man den 30er-Kader noch ändern kann oder darf“, gab er zu. Das hatte Bundestrainer Joachim Löw eigentlich auch gar nicht vor, doch dann verfestigten sich seine Sorgen im defensiven Mittelfeld und Kramer feierte beim Debütanten-Ball gegen Polen (0:0) in Abwesenheit von 20 Stammkräften eine starke Premiere. Präsent, zweikampfstark, leidenschaftlich. Eine Stunde vor der Nominierung seiner 30 Auserwählten beim Weltverband FIFA strich der Bundestrainer Andre Hahn und nahm Kramer auf.

In Südtirol präsentierte sich der „Marathonmann“ dann sehr überzeugend, in Lars Bender musste ein weiterer „Sechser“ verletzt abreisen und so erteilte Löw Kramer fast schon einen Freifahrtschein. Seine Chancen auf die WM seien gut, weil er „laufstark, unheimlich belastbar, immer anspielbar, präsent und körperlich sehr, sehr fit“ sei.

Vor allem letzteres unterscheidet ihn auch von den jüngst verletzten Führungsspielern Sami Khedira und Bastian Schweinsteiger, denen der Bundestrainer angesichts ihrer Wichtigkeit aber zumindest bestimmte Sonderrechte einräumt.

Vor einem halben Jahr war Kramer von der Bild-Zeitung erstmals gefragt worden, ob er von der WM träume. Natürlich träume er, antwortete er damals. Aber er bezweifele, „ob ich das schaffen werde“. Dabei würde er „sogar zu Fuß nach Brasilien laufen“. Fit genug wäre Kramer vielleicht sogar. Wahrscheinlicher ist, dass er am 7. Juni in den bequemen DFB-Charter in Frankfurt/Main steigen darf.

DFB-Elf beim Fest der Weltmeister - Bilder

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sid

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