Trainer hat die Nase voll

Benitez: Abrechnung mit Chelsea

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Rafael Benitez hatte bei den Fans des FC Chelsea von Beginn an einen schweren Stand

Middlesbrough - Rafael Benitez hat die Nase voll. Der Teammanager von Champions-League-Sieger FC Chelsea rechnet nach endlosen Demütigungen mit den Blues ab.

Bei seinem Amtsantritt nannten sie ihn „fetter Clown“, in jedem Heimspiel pfiffen sie ihn gnadenlos aus und beleidigten ihn - jetzt hat Rafa Benitez die Nase voll. Der spanische Teammanager vom Champions-League-Sieger FC Chelsea erklärte seinen Rücktritt zum Saisonende. Dies tat er allerdings derart deutlich, dass sein baldiger Rauswurf wahrscheinlich ist.

Der Mirror zitierte schon einen namentlich nicht genannten Chelsea-Offiziellen mit den Worten, Benitez müsse „verrückt geworden sein“. Als Nachfolger bis zum Saisonende wird der Israeli Avram Grant gehandelt, der schon von September 2007 bis Mai 2008 bei den Blues tätig gewesen war.

Der gekränkte Spanier Benitez macht aus seinem Herzen jedenfalls keine Mördergrube mehr. Nach dem 2:0 im Pokal-Achtelfinale beim Zweitligisten FC Middlesbrough war für den 52-Jährigen der Moment gekommen, um zurückzuschlagen.

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„Die Fans verschwenden ihre Zeit. Am Ende dieser Saison gehe ich sowieso. Ich bin ja schließlich nur Interimsmanager“, sagte Benitez, der seinen Posten beim Klub von Nationalspieler Marko Marin erst Ende November angetreten hatte. Eine Rücktritts-Ankündigung wäre demnach nicht nötig gewesen. Benitez gab sie trotzdem ab und bezeichnete sie auch noch trotzig als „meine Entscheidung“.

Schuld an den ständigen Anfeindungen gegen seine Person sei die Klubführung: „Mich als Interimsmanager zu bezeichnen, war ein Fehler.“ Die Gründe dafür, dass Benitez für die Fans der Blues ein rotes Tuch war, waren aber andere: Er hat den verhassten FC Liverpool trainiert, eine Privatfehde mit dem verehrten damaligen Chelsea-Coach Jose Mourinho geführt. Und er war der Nachfolger von Roberto Di Matteo. Auch der wird im Westen Londons geliebt. Schließlich hatte er den Klub im Mai in und gegen München zum heiß ersehnten Champions-League-Titel geführt - obwohl auch er stets den Stempel „Interim“ trug.

Dies alles reichte, damit Benitez vom ersten Tag an eines klargemacht wurde: Er würde hier nie akzeptiert werden. In seinem ersten Spiel hing auf der Tribüne ein riesiges Plakat: „Willkommen im Zirkus - in der Hauptrolle: der fette Rafa als der neue Clown.“ Da war das Kind schon in den Brunnen gefallen.

Die folgenden Spiele wurden für Benitez zum Spießrutenlauf. Die Anhänger sangen „Fuck off, Benitez, du bist hier nicht erwünscht“ und feierten demonstrativ Mourinho und Di Matteo. Auf Spruchbänder schrieben sie: „Wir werden dir nie vertrauen“, „Rafa raus“ oder auch „Roberto ist eine Legende, Rafa ist Ausschussware.“

Dies alles sei Schuld an den schlechten Ergebnissen, sagte Benitez nun. In der Liga fiel das Team vom dritten auf den vierten Platz zurück, in der Champions League verhinderte er das erste Vorrunden-Aus eines Titelverteidigers nicht mehr, in der Europa League sicherte erst ein Last-Minute-Tor das Weiterkommen gegen Sparta Prag.

„Die Fans sollten das tun, was ihre Pflicht ist: ihre Mannschaft unterstützen. So beschädigen sie das Image des Klubs und setzen die Spieler unter Druck“, sagte Benitez. Spätestens nach seinem verbalen Rundumschlag scheint eine weitere Zukunft bei Chelsea unmöglich.

„Rafa will den Verein am Saisonende verlassen. Also haben die Chelsea-Fans noch Zeit, seine Meinung zu ändern“, spottete Englands Ikone Gary Lineker via Twitter und stellte klar: „Nach diesem Wutausbruch wird das Ende früher kommen.“

Der deutsche Ex-Nationalspieler Dietmar Hamann, der unter Benitez 2005 die Champions League mit dem FC Liverpool gewann, hat dagegen Mitleid mit seinem Ex-Coach. Sechs Tweets widmete er Benitez innerhalb einer Stunde. „Er hat mehr Respekt verdient“, hieß es dort: „Er hat den Leuten auch Respekt und Würde entgegengebracht, obwohl sehr wenig zurückkam.“

sid

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