Barca und Messi: Gefangen im "blauen Bunker"

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Es war nicht sein Abend: Lionel Messi an der Stamford Bridge.

Spätestens jetzt weiß auch der FC Barcelona, was eine „schwarze Bestie“ ist. Nach der Niederlage in Chelsea steht die Finalteilnahme des Titelverteidigers in der Champions League infrage.

Lionel Messi stand völlig bedient im Londoner Regen und quittierte den Schlusspfiff mit einem süffisanten Lächeln. Vielleicht dachte er an seine unglückliche Rolle beim Siegtor des FC Chelsea, bestimmt an die vielen vergebenen Chancen des FC Barcelona. 0:1 (0:1) im Halbfinal-Hinspiel in London, der Titelverteidiger steht vor dem Aus. Und vor dem Rückspiel am Dienstag kommt am Samstag auch noch Real Madrid ins Camp Nou.

„Diese Niederlage hat gar keinen Einfluss auf den Clasico“, beeilte sich Barca-Ass Andres Iniesta zu versichern. Messis Gesicht sprach da aber eine völlig andere Sprache, eine Mischung aus Ratlosigkeit und Ungläubigkeit. Wer neben das offizielle Statistik-Blatt der UEFA den Zettel mit dem Ergebnis legte, musste ähnlich empfinden. Ballbesitz: 73:27 Prozent für Barcelona, in der zweiten Spielhälfte gar 79:21 (Saisonspitze in der Champions League). Ecken 8:1, Schüsse 24:5, Torschüsse 6:1, Latte und Pfosten, 902:313 Pässe - 782 von Messi und Co. kamen an, nur 194 von Chelsea.

Deren Coach Roberto Di Matteo kam es vor „als hätten sie 20 Spieler gehabt“. Doch das einzige Tor erzielte Didier Drogba (45.+2), mit 34 der älteste Mann auf dem Platz. „Wir haben noch das Rückspiel, und da werden wir alles klarmachen“, sagte Iniesta. Auch Coach Pep Guardiola blieb optimistisch. „Ich weiß nicht, was am Samstag oder am Dienstag passiert. Aber ich bin überzeugt, dass wir gewinnen“, sagte er.

Jedoch: Wenn es einer Mannschaft zuzutrauen ist, Barcelona erneut zu ärgern, dann den Blues. „Chelsea ist für Pep zur “schwarzen Bestie' geworden„, schrieb das katalanische Sportblatt El Mundo Deportivo über den einzigen von 55 Kontrahenten in Guardiolas Trainerlaufbahn, gegen den er noch nie gewonnen hat. Chelsea hat jetzt sechs Spiele hintereinander gegen Barca ohne Niederlage überstanden. Wie das möglich ist, demonstrierte die Mannschaft um die Haudegen John Terry und Frank Lampard am Mittwochabend zum wiederholten Male. Elf Mann hinter dem Ball, die Räume verdichten, das Spielfeld `klein machen“, wie es in der Fußballersprache heißt. Nach vorne hilft dann der liebe Gott - oder Drogba.

Oder Messi, dessen Ballverlust gegen Lampard das 0:1 einleitete. „Das 0:1 war kein Problem von Messi, es standen genügend Leute hinter ihm“, sagte Guardiola. Zumal der Weltfußballer zuvor hart von Raul Meireles angegangen worden war. Die Führung erlaubte es Chelsea, sich gemütlich in seinem „Bunker“ (Gazzetta dello Sport) einzurichten. Barcelona rannte an, Messi wirbelte, war mit Ausnahme des Lattentreffers von Alexis Sanchez an jeder gefährlichen Szene beteiligt, so auch an Pedros Pfostenschuss in der Nachspielzeit. Doch die „blaue Mauer“, wie die Zeitung Sport schrieb, hielt stand - auch, weil Messi, mit 14 Saisontoren Rekordschütze der Königsklasse, auch im siebten Spiel gegen Chelsea nicht traf.

Guardiola wollte sich darüber nicht beschweren. „Sie sind physisch stärker als wir, sie rennen und rennen. Wer gewinnt, hat recht“, sagte er. Die heimischen Medien regten sich derweil ein bisschen über Terry auf, der Barca-Spielführer Carles Puyol den Handschlag verweigerte. „Un tipo Terryble“ (schrecklicher Typ), fand Ole. Auch Schiedsrichter Felix Brych (München) bekam Schelte, hätte er doch nicht nur nach Meinung des Real-Hausblatts Marca einen Elfmeter geben müssen, als Iniesta von Gary Cahill zu Fall gebracht wurde.

Während sich die Katalanen an das Comeback im Jahr 2000 erinnerten, als sie im Viertelfinale (mit Coach Louis van Gaal) nach einem 1:3 bei Chelsea 5:1 n.V. zu Hause siegten, genossen die Blues den Augenblick. „Viele Leute meinten, dass diese Jungs über ihrem Zenit seien, zu alt für dieses Niveau, die alte Garde. Sie haben die Antwort auf dem Platz gegeben“, sagte Teammanager Di Matteo. Torwart Peter Cech mahnte jedoch: „Wir sind immer noch weit weg von München“, sagte er mit Blick auf das Endspiel am 19. Mai. Messi, das zeigte der Blick des Stars nach dem Spiel eben auch, sinnt auf Revanche.

sid

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