Schwulenfeindliche Aussagen

Cassano sorgt für Eklat auf Pressekonferenz

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Antonio Cassano sorgt mit seinen Aussagen für Wirbel.

Posen - Kaum ging es mit Italien bergauf, schießt Stürmer Antonio Cassano ein Eigentor. Mit schwulenfeindlichen Äußerungen sorgt der Milan-Star vor dem Spiel gegen Angstgegner Kroatien für Unruhe im Team.

Das schwulenfeindliche Geplapper von Antonio Cassano gefährdet Italiens Einzug ins Viertelfinale der Fußball-EM. Der Eklat hat die Konzentration der Azzurri auf das wegweisende Gruppenspiel gegen Angstgegner Kroatien empfindlich gestört. Schwulen-Vertreter fordern den EM-Auschluss des Enfant Terrible, Politiker sprechen von „Schande“, und die Tifosi rätseln, welche Nationalspieler homosexuell sein könnten.

Der liberale Coach Cesare Prandelli rauft sich die Haare und denkt vor dem „entscheidenden Spiel“ am Donnerstag in Posen (18.00 Uhr/ZDF) über einen neuen Sturm rund um Antonio Di Natale nach. Tabellenführer Kroatien wittert seine große Chance. „Treten wir wie gegen Irland auf, gewinnen wir ganz sicher“, sagte Trainer Slaven Bilic.

Cassano bemühte sich, die Wogen zu glätten und entschuldigte sich. „Das tut mir aufrichtig leid. Ich wollte niemanden beleidigen“, erklärte er kleinlaut nach seinem verbalen Eigentor. Er habe nur sagen wollen, dass es ihn nicht betreffe. Schwulenfeindlichkeit aber sei ihm fremd. Im Casa Azzurri klang das zuvor anders: „Ich hoffe, dass keine Schwulen in der Mannschaft sind“, hatte der Milan-Star einem Reporter geantwortet. Der Fußballverband ist peinlich berührt, die Öffentlichkeit empört. „Sturm über Cassano“, titelte die Gazzetta dello Sport (Mittwoch-Ausgabe) vor dem Kroatien-Spiel.

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Dank des 29-Jährigen wurde eine in Italien zuvor nur am Rande geführte Diskussion um Homosexuelle in der Nationalelf zum Riesenthema. Aufgebracht hatte sie der schwule Fernsehmoderator Alessandro Cecchi Paone. „Ich hatte eine Beziehung zu einem der Nationalspieler. Und der hat mir gesagt, dass es noch einen Schwulen in der Mannschaft gibt“, bekräftigte Cecchi Paone am Dienstagabend in einem Radio-Interview.

Der grandiose EM-Auftakt gegen Spanien (1:1) hatte den Wettskandal gerade in den Hintergrund gedrängt, da herrscht schon wieder Trubel. Prandelli passt das gar nicht, schließlich hält er die Kroaten für „gefährlicher, weil unberechenbarer“ als den Weltmeister. „Wir müssen unbedingt gewinnen“, betonte Cassano, der nach seiner Herz-Operation im vergangenen Herbst noch nicht in Top-Form ist. Auf keinen Fall will es der viermalige Weltmeister auf das letzte Spiel gegen Giovanni Trapattonis Iren ankommen lassen.

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Prandelli setzt auf Kontinuität mit seiner Dreier-Abwehrkette rund um den in die Defensive beorderten Mittelfeldstar Daniele De Rossi. Davor wird wieder Andrea Pirlo Regie führen, dessen Juve-Teamkollege Claudio Marchisio soll Kroatiens Spielmacher Luca Modric stoppen. „Das ist ein ganz Großer“, warnte Cassano. Im Angriff könnte Torschütze Antonio Di Natale für Cassano oder den gegen Spanien mit Disziplinlosigkeit, Arroganz und einer vergebenen Riesenchance unangenehm aufgefallenen Mario Balotelli in die Startelf rücken.

Die Kroaten schauen dem Wirbel bei den Azzurri nach ihrem 3:1-Sieg gegen Irland gelassen und selbstbewusst zu. „Jetzt haben wir zwei Matchbälle gegen zwei Topteams“, verkündete Mannschaftskapitän Darijo Srna vor den Duellen gegen Italien und Spanien. Die Bilanz gegen Italien spricht klar für die Kroaten: Seit ihrer Unabhängigkeit holten sie drei Siege und zwei Unentschieden und verloren noch nie.

Für Torwart Stipe Pletikosa ist der Viertelfinaleinzug schon sicher: „Das zweite Gruppenspiel ist traditionell unser stärkstes“, betonte der Routinier. Bei der WM 2002 schlugen die Kroaten im zweiten Spiel die Italiener, bei der EM 2008 Deutschland.

dpa

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