Den Fußball-Fans gefällt's

Café Masoch: Hier tut die EM weh!

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So sieht es im Café Masoch aus

Lwiw - Die Peitsche knallt, die Ketten rasseln, auf dem Fernseher läuft ein Sex-Film: Das Cafe Masoch in der EM-Stadt Lwiw ist kein gewöhnliches Lokal - sehr zur Freude der Fußball-Fans.

„Was darf es sein?“, fragt die junge Frau im schwarzen Korsett, eine Peitsche baumelt an ihrem Hals. Ein Cappuccino und ein Eis, lautet die vorsichtige Antwort. Die Kellnerin nickt und verschwindet. Glück gehabt. Aus dem Raum nebenan schallen ein Peitschenknall und ein Schrei herüber. Dann lautes Gelächter. Willkommen im Cafe Masoch, dem etwas anderen Lokal in der EM-Stadt Lwiw.

Wenig später kommen der Kaffee und das Eis. Die Bedienung grinst. Vanilleeis in Form des männlichen Geschlechtsteils, dazu zwei Kugeln Stracciatella, obendrauf eine Portion Sahne. Ein Blick in die Speisekarte mit rotem Plüsch und schwarzer Kette verrät: Man hätte auch Bullenhoden, das Dessert „Orgasmus“ oder die Cocktails „Fellatio“ und „Masochito“ bestellen können. Zwei Tische weiter kommt die Peitsche wieder zum Einsatz, ein deutscher Fan beugt sich über die Stuhllehne, zieht sein Trikot hoch, lautes Gejohle begleitet jeden Knall. Von der Wand schaut Leopold von Sacher-Masoch schweigend zu.

Der Herr auf dem Schwarz-Weiß-Porträt, der ein wenig verstört dreinblickt, ist der Namensgeber des Cafes in der Altstadt. Der Schrifsteller, 1836 im damals österreichischen Lemberg geboren, ist der Vater des Masochismus. Berühmt machte ihn seine Novelle „Venus im Pelz“, in der der Protagonist Severin mit der schönen Witwe Wanda sexuelle Lust durch Schmerz und Unterwerfung erfährt. Was Sacher-Masoch sich darunter vorstellte, flimmert über die Fernseher im Cafe.

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Am Nebentisch probieren die Gäste die Praktiken gleich selbst aus. Die Peitsche knallt, der Gepeinigte schreit auf. Blitzlicht, Kameras klicken, Gelächter. „So ist das nicht richtig“, sagt Oxana, die Kellnerin im schwarzen Korsett und grauen Liebestöter, und greift nach der Peitsche. Schnell holt sie ein anderes Modell, das aussieht wie ein Gürtel. Auf die Knie, T-Shirt hoch, der Rücken färbt sich rot. „Ich bin noch nicht fertig“, sagt sie, als ihr „Kunde“ aufstehen will. Noch ein Schlag, dann ist er erlöst.

Der Eisteller ist mittlerweile leer. Die Rechnung kommt - stilecht im Stöckelschuh. Schnell zahlen, noch einen Blick in den Keller hinter dem roten Vorhang riskieren. Rote Eisenbetten mit Ketten und Handschellen, an den Wänden Brüste und Penisse. Zu spät. Es knallt, es schmerzt. Oxana hat doch noch zugeschlagen. Auf die Toilette, ganz in schwarz, der Spiegel in Leder eingefasst. Die Tür lässt sich abschließen, doch allein ist man nicht - das Schlüsselloch ist übergroß. Draußen vor der Tür posiert ein portugiesischer Fan neben dem lebensgroßen Sacher-Masoch in Bronze für ein Foto. Plötzlich zuckt er zusammen, auch ihn hat's erwischt. Noch eine schmerzhafte EM-Erfahrung...

sid

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