BVB-Aus: Einer stürmte wütend in die Kabine

Dortmund - Die Vorfreude wich dem großen Frust. Unerfreulicher hätte die langersehnte Rückkehr von Dortmund in die Champions League kaum verlaufen können. Einer stürmte gleich nach Abpfiff in die Kabine.

Als Erster verließ Roman Weidenfeller Europas große Fußball-Bühne. Frustriert, wutentbrannt und schnurstracks verschwand der Torhüter von Borussia Dortmund in den Katakomben, während sich seine Kollegen von den verbliebenen enttäuschten Fans verabschiedeten. Nichts war's mit dem Fußball-Wunder, nicht einmal mit einem versöhnlichen Sieg zum Abschluss einer Serie von unnötigen Pleiten, Pech und ungewohnten Pannen des deutschen Meisters in der Champions League.

„Es hätte zwar für die Tabellensituation nichts genutzt, aber wir hätten uns gern mit einem Sieg verabschiedet. Insgesamt war das Spiel ein Spiegelbild unserer gesamten Champions-League-Saison. Wir haben viel, viel Lehrgeld bezahlt wie auch heute wieder. Das war einfach symbolisch“, resümierte BVB-Sportdirektor Michael Zorc nach dem 2:3 (2:1) gegen den französischen Vizemeister Olympique Marseille.

Nur vier von 18 möglichen Punkten bei nur einem Sieg lautet die ernüchternde Bilanz der Westfalen nach ihrer Europa-Tournee. Nur der VfB Stuttgart (2007/08) beendete die Vorrunde als Meister in der Geschichte der Königsklasse noch schlechter mit einem Zähler weniger. Am Ende reichte es für die Schwarz-Gelben nicht einmal zum „Abstieg“ in die Europa League.

Dazu hätte die Borussia einen Sieg mit vier Toren Differenz benötigt und schien nach einer starken Vorstellung in der ersten Halbzeit und Toren von Jakub Blaszczykowski (23.) und Mats Hummels (31.) auf einem guten Weg, ehe ihr der Gegentreffer von Loic Remy (45.+4) den Glauben raubte. Was folgte, waren Fehler in der Defensive, die den Franzosen zu Treffern durch Andre Ayew (85.) und Mathieu Valbuena (87.) und schließlich ins Achtelfinale verhalfen.

„Das Gegentor hat uns ein wenig aus der Bahn geworfen“, gab Nationalspieler Mario Götze zu. Die beiden bitteren Auswärtsniederlagen in Frankreich (0:3) und bei Olympiakos Piräus (1:3) sehen die Borussen als Knackpunkte der verkorksten Gruppenphase, in der sie in sechs Begegnungen 12 Gegentreffer kassierten und damit mehr als in den bisherigen 15 Ligaspielen (10).

„Wir haben uns in der einen oder anderen Situation blöd angestellt“, ergänzte der 19-Jährige. Dass Marseille mit vier Torschüssen drei Treffer erzielt habe, spreche für die Qualität des Gegners. Man habe für die Zukunft viel gelernt und werde ein anderes Gesicht zeigen, sollte man sich noch einmal für die Königsklasse qualifizieren, ergänzte Hummels.

So sexy ist die Champions League

So sexy ist die Champions League

„Vom Gefühl her hätten wir den einen oder anderen Sieg verdient gehabt, aber wir haben ihn uns nicht abgeholt, den Schuh müssen wir uns anziehen“, meinte Trainer Jürgen Klopp. Fehlende Erfahrung oder Naivität als Argumente für die Ergebnisse seine jungen Truppe ließ der 43-Jährige nicht gelten. „Es gab auch in diesem Spiel viele Momente, in denen Erfahrung keine Rolle spielte.“

Auch den Vorwurf, der BVB habe den deutschen Fußball in der Champions League nicht würdig vertreten, wollte Klopp nicht im Raum stehen lassen: „Wir haben das Problem, dass wir den Verein nicht so vertreten haben wie es auch den Fans gegenüber angemessen gewesen wäre. Darüber sind wir sehr enttäuscht. Darüber hinaus sind wir uns keiner Schuld bewusst.“

Mentale Folgeschäden mit Blick auf den Titelkampf in der Bundesliga befürchtet Klopp nicht. „Denn wie die Ergebnisse in der Saison gezeigt haben, verstehen wir es, die Wettbewerbe zu trennen. Wir haben noch drei unglaublich wichtige Spiele bis zur Winterpause, und die wollen wir erfolgreich gestalten - unabhängig von der Champions League.“

Und das auch ohne Sven Bender (doppelter Kieferbruch) als Langzeitverletzter aus der Champions League und eventuell auch ohne Sebastian Kehl, der gegen Marseille ebenfalls schwer am Kopf getroffen wurde.

Dortmund zahlte sportlich viel Lehrgeld, kann sich aber mit einer Einnahme von 25 Millionen Euro trösten. Am Ende hinterließen die BVB-Fans als hochgelobte Stimmungsgaranten in den Stadien in England, Frankreich und Griechenland noch den nachhaltigsten Eindruck - zumindest in dieser Champions-League-Saison.

sid

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