Bundesliga und Japan: So läuft die Spielersuche

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Shinji Kagawa kam zum Schnäppchenpreis nach Dortmund - inzwischen spielt er in Japan

München - Klein, quirlig, torgefährlich: Japanische Fußballer sorgen derzeit für Wirbel in der Bundesliga. Die Clubs haben den Fernen Osten als Talentschmiede entdeckt.

Der Durchbruch kam mit Kagawa. Spätestens seit der torgefährliche Japaner bei Borussia Dortmund zum Publikumsliebling und Leistungsträger avancierte, strecken auch andere Bundesligaclubs ihre Fühler nach Spielern aus Fernost aus. Jeder will seinen eigenen Japaner haben.

„Man schaut sich vermehrt auf dem Markt in Japan um“, bestätigt auch Eintracht Frankfurts Trainer Armin Veh. Die Hessen haben sich in dieser Saison mit Takashi Inui Verstärkung für das Mittelfeld eingekauft. Der hatte zwar schon in Bochum gespielt, kam aber ursprünglich vom japanischen Erstligisten Cerezo Osaka nach Deutschland.

Frankfurts Trainer ist bereits entzückt vom schmächtigen 24-Jährigen: Japanische Spieler seien technisch hervorragend ausgebildet und sehr diszipliniert, erklärt Veh und lobt seinen Neuzugang: „Was das Taktische anbelangt, hat er unheimlich viel dazugelernt.“ Er arbeite jetzt mehr nach hinten mit und habe gelernt, richtig Druck auf den Gegner zu machen.

Der ehemalige Nationalspieler und Japan-Kenner Guido Buchwald ist schon lange begeistert von den Spielern aus Fernost. „Die Japaner haben einen großen Vorteil: Sie brauchen keine lange Eingewöhnungszeit. Bei Brasilianern oder Argentiniern dominiert die eigene Mentalität, Japaner sind in der Regel sehr anpassungsfreudig“, erläutert Buchwald. Außerdem seien sie nicht gleich beleidigt, wenn sie am Anfang ein paar Mal auf der Bank sitzen.

Buchwald kennt die japanische J-League wie kaum ein anderer Europäer. Der heutige Sportliche Leiter der Stuttgarter Kickers arbeitete als Trainer und Berater über mehrere Jahre in Japan. Über den Japan-Hype in der Bundesliga freut er sich und glaubt, dass künftig noch mehr Vereine das Land für sich entdecken.

Auch beim 1. FC Nürnberg dreht ein Japaner derzeit mächtig auf: Der 22 Jahre alte Hiroshi Kiyotake begeistert die fränkischen Fans. „Wir konnten nicht erwarten, dass er gleich so einschlägt“, staunte „Club“-Coach Dieter Hecking nach dem Auftritt des Japaners in Gladbach. Dort wurde „Kiyo“ mit zwei Torvorlagen und dem 3:2-Siegtreffer zum Matchwinner.

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Das Spiel des technisch versierten Kiyotake erinnert stark an das des inzwischen für rund 16 Millionen Euro zu Manchester United gewechselten Offensiv-Allrounders Shinji Kagawa. Beide sind den meisten Abwehrspielern zwar körperlich unterlegen, aber dafür extrem wendig und variabel im Angriff.

Kagawa und Kiyotake kamen, wie auch der Frankfurter Inui, vom japanischen Erstligisten Cerezo Osaka nach Deutschland. Kiyotake kostete die Franken eine Million Euro Ablöse, für Kagawa musste der BVB 2010 gar nur 350 000 Euro Ausbildungsentschädigung an den Club überweisen. Für europäische Verhältnisse sind das Schleuderpreise.

Eine reine Schnäppchenjagd sind Einkaufstouren im japanischen Fußball für die deutschen Vereine aber längst nicht mehr, sagt Buchwald. „Früher hatten die japanischen Clubs fast immer nur Jahresverträge mit ihren Spielern“, erklärt der Experte. Es habe zwar eine Art Kodex zwischen den japanischen Vereinen gegeben, dass immer der aktuelle Verein einem Spieler das erste Angebot machen darf, aber das habe natürlich nicht für die europäischen Clubs gegolten. „Japanische Spieler sind zwar im Verhältnis zu ihren Eigenschaften und ihrem Talent immer noch günstig zu bekommen, aber die Preise werden jetzt sukzessive in die Höhe gehen“, prophezeit Buchwald.

dpa

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