Buli-Start: Bayern will Wiedergutmachung

Köln - Nach dem enttäuschenden dritten Platz in der Vorsaison will der Rekordmeister Bayern München unter seinem neuen und alten Trainer Jupp Heynckes die Vorherrschaft im deutschen Fußball zurückerobern.

Der Rekordmeister als Topfavorit, der Titelverteidiger als Herausforderer, der Vize-Meister als Geheimtipp: Im Vorfeld der 49. Bundesligasaison, die am Freitagabend mit dem Duell zwischen Meister Borussia Dortmund und dem Hamburger SV (20.30/Sky, Liga total! und ARD) startet, deutet einiges darauf hin, dass wieder Normalität einkehren wird.

So herrlich verrückt wie in der abgelaufenen Spielzeit, als sogenannte Topteams wie Schalke 04, Werder Bremen, der VfL Wolfsburg oder auch der VfB Stuttgart gegen den Abstieg kämpften und Underdogs wie Hannover 96 und Mainz 05 in den Europacup einzogen, wird es nach Meinung der Protagonisten nicht wieder laufen.

Nur der Mainzer Trainer Thomas Tuchel erwartet im Kampf um den Titel „ein Überraschungsteam“ neben den großen Drei Bayern, Dortmund und Leverkusen. 12 von 18 Bundesligatrainern legten sich eindeutig auf die Bayern als neuen Meister fest, nicht zuletzt, weil die Münchner nach dem enttäuschenden dritten Platz in der Vorsaison unter ihrem neuen, alten Trainer Jupp Heynckes mit aller Macht die Verhältnisse wieder zurechtrücken wollen.

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Dafür spricht nicht nur die Rückholaktion. Heynckes wechselte aus Leverkusen zurück an die Isar, aber außerdem machte der FC Bayern gut 40 Millionen Euro für Neuzugänge locker. Den größten Batzen verschlang die Verpflichtung des Nationaltorhüters Manuel Neuer von Schalke 04, die sich der 22-malige Meister 25 Millionen Euro kosten ließ. Rafinha und Nationalspieler Jerome Boateng sollen die Abwehr verstärken, die vergangene Spielzeit für ein Spitzenteam indiskutable 40 Gegentore kassierte.

Einzig und allein der VfL Wolfsburg erlaubte sich ebenfalls einen großen Griff in die Kasse (16,5), aus der sich Trainer Felix Magath nach der Pokalblamage beim Viertligisten RB Leipzig möglicherweise noch einmal bedienen wird. Mit knapp 140 Millionen Euro Gesamtinvestition hat sich die Liga in diesem Sommer auf dem Transfermarkt vergleichsweise zurückgehalten, nachdem vor vier Jahren noch fast 60 Millionen mehr investiert worden waren. Für ein solides Wirtschaften steht auch die Summe von rund 110 Millionen Euro, die die Vereine durch Spielerverkäufe einnahmen.

Nachdem Dortmund sich in der vergangenen Spielzeit vor allem bei Shinji Kagawa (350.000 Euro) als erfolgreicher Schnäppchenjäger ausgewiesen hatte, folgten viele Klubs dem Sparkurs des BVB in der Hoffnung, aus der wirtschaftlichen Not ebenfalls eine Tugend zu machen. Dortmund selbst, das seinen Spielmacher Nuri Sahin zu Real Madrid ziehen lassen musste, setzte ebenfalls erneut auf junge Leute.

Die Fans honorieren anscheinend die seriöse Finanzpolitik der Klubs, auch wenn dadurch bislang keine weiteren großen Namen der Kategorie Raul oder Ruud van Nistelrooy nach Deutschland gelockt werden konnten. Mit fast 500.000 verkauften Tickets bei den 18 Klubs wurde der Dauerkarten-Rekord aus dem vergangenen Jahr (458. 950) weit übertroffen, was für die Attraktivität der Marke Bundesliga spricht. Zuschauer-Krösus ist wieder Dortmund, das 53. 000 Jahreskarten absetzte (Vorsaison: 50.675). Zur neuen Bestmarke trugen auch die Aufsteiger Berlin (20.000) und Augsburg (17 500) bei.

Dass Deutschland in der vergangenen Saison erstmals Italien in der Fünfjahreswertung der UEFA vom dritten Platz verdrängte, sorgt für einen zusätzlichen Kick: In der neuen Saison ist der Bundesliga-Dritte automatisch für die Champions League qualifiziert, der Vierte erreicht die Vorausscheidung der Königsklasse.

Der Wettkampf der Trainergenerationen mit Heynckes, Magath oder auch Schaaf auf der Seite der Routiniers und Klopp, Dutt, Tuchel, Babbel oder Sorg aufseiten der jungen Wilden ist ebenso interessant wie die Entwicklung der vielen Talente. Mario Götze, Julian Draxer, Lewis Holtby, Andre Schürrle oder Ilkay Gündogan stehen nicht nur bei Bundestrainer Joachim Löw im Fokus.

sid

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