Bruchhagen fordert Bundesliga-Aufstockung

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Heribert Bruchhagen

Frankfurt/Main - Vorstandsboss Heribert Bruchhagen von Eintracht Frankfurt fordert nach der über 50-prozentigen Steigerung aus den TV-Erlösen eine Aufstockung der Bundesliga auf 20 Vereine.

Die Profiklubs befinden sich nach dem Quantensprung bei den TV-Erlösen im Geldrausch, die Fans träumen schon von Stars wie Lionel Messi - doch Vorstandsboss Heribert Bruchhagen vom Fußball-Zweitligisten Eintracht Frankfurt will die frischen Milliarden in eine Aufstockung der Bundesliga auf 20 Vereine investieren.

„Ab 2013 steht der Bundesliga viel mehr Geld zur Verfügung, dem sollten wir im Sinne der Zuschauer auch Rechnung tragen. Denn der Steuerzahler hat in den vergangenen Jahren 30 bis 40 neue Fußball-Stadien mitfinanziert, gleichzeitig steigen möglicherweise aber Mannschaften wie der 1. FC Kaiserslautern, Hertha BSC Berlin und der 1. FC Köln ab, obwohl diese Teams immer ein ausverkauftes Stadion haben. Das ist doch lachhaft. Deshalb bin ich für eine Aufstockung der Bundesliga auf 20 Vereine“, sagte Bruchhagen dem Sport-Informations-Dienst (SID).

Bruchhagen, Mitglied im Vorstand des Ligaverbandes, hatte bereits Anfang des Jahres 2005 einen Antrag gestellt, sowohl die 1. als auch die 2. Bundesliga auf 20 Klubs aufzustocken. Der Antrag des ehemaligen DFL-Geschäftsführers war vor allem bei den kleineren Vereinen auf positive Resonanz stoßen. Die „grauen Mäuse“ der Liga hatten sich so eine größere Planungssicherheit versprochen. Die großen europäischen Ligen Serie A (Italien), Premier League (England), Primera Division (Spanien) und Ligue 1 (Frankreich) spielen bereits jeweils mit 20 Klubs.

Da für eine Änderung der Grundlagenvertrag hätte geändert werden müssen, kam es zu einer spannenden Abstimmung unter den Erstligisten, die Bruchhagen jedoch mit 6:12-Stimmen verlor. „Damals habe ich keine Mehrheit gefunden, die Argumente stehen aber weiterhin im Raum. Die Menschen wollen Bundesliga-Fußball sehen“, sagte der 63-Jährige.

Bruchhagen verwies darauf, dass die Eintracht Frankfurt Fußball AG pflichtbewusst im Abstiegsjahr 2011 rund 14 Millionen Euro in das Leistungszentrum am Riederwald investiert hatte. „Man könnte sicher die Frage stellen, ob wir abgestiegen wären, wenn wir das Geld in die Mannschaft gesteckt hätten“, sagte Bruchhagen.

Auf massiven Widerstand stieß der Plan von Bruchhagen beim deutschen Meister Borussia Dortmund. Denn eine Aufstockung der Bundesliga hätte zur Folge, dass Teams wie Dortmund oder Bayern München, die stets im internationalen Wettbewerb vertreten sind und zudem ein Gros der Nationalspieler stellen, einer noch höheren Belastung ausgesetzt wären.

„Ich halte eine Aufstockung der Bundesliga für völlig falsch. Denn dann hätten wir noch mehr Spiele zu absolvieren. Zudem könnten wir ja dann auch gleich den Abstieg abschaffen. Die Bundesliga ist ein Premium-Produkt. Vor allem auch, weil sie so spannend ist. Und wer nach 34 Spieltagen auf einem der letzten beiden Plätze steht, der steigt aus Leistungsgründen eben ab“, sagte Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dem SID.

Tatsächlich stehen den 36 Erst- und Zweitligisten ab der Saison 2013/2014 weit mehr finanzielle Mittel zur Verfügung als bisher. Der neue TV-Vertrag wird den Profiklubs jährlich Einnahmen von 628 Millionen Euro bescheren, dazu kommen rund 72 Millionen Euro aus der Auslandsvermarktung.

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Aktuell erhält die Liga nur 412 Millionen Euro per annum. Liga-Präsident Reinhard Rauball untermauerte allerdings, dass ein Großteil des Geldes nicht in neue Spieler, sondern in den Abbau der Schulden investiert werden soll: „Wir werden die Klubs mit negativem Eigenkapital noch stärker an die Kandare nehmen.“

Die Liga-Spitze befürchtet, dass das frische Geld der Klubs hauptsächlich in die Taschen durchschnittlicher Spieler sowie deren Berater wandert. Deshalb muss der neu zu verhandelnde Verteilerschlüssel gut durchdacht sein. Auch der Ausgburger Manager Andreas Rettig, als Nachfolger von DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus im Gespräch, teilt die Bedenken von Rauball und Co.

„Jetzt müssen wir aufpassen, dass das Geld nicht schnurstracks in die Taschen der Spielerberater wandert“, sagte Rettig der Frankfurter Rundschau und forderte eine Selbstbeschränkung der Vereine zur Schuldentilgung. Dass sich die Klubs jedoch freiwillig beschränken werden, scheint im harten Verdrängungswettbewerb der Bundesliga derzeit noch ein utopischer Gedanke zu sein.

sid

 

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