Breitner wird 60 - und hat nur einen Wunsch

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Paul Breitner macht sich nicht viel aus Geburtstagen.

München - Paul Breitner feiert am Montag seinen 60. Geburtstag. Er galt als unbequemer Profi und Revoluzzer, heute gibt er zu, dass Vieles aus Kalkül geschah. Zum Jubiläum hat er nur einen Wunsch.

Paul Breitner hat keine ruhige Minute in diesen Tagen. Termine über Termine, ständig klingelt sein Telefon: “Da bist Du jetzt zu spät dran, tut mir leid. Dann machen wir halt was zum 61.“, sagt er, legt auf und lacht. Er macht sich nicht viel aus Geburtstagen, aus seinem 60. schon gar nicht. “ Ich halte nichts davon, sich auf einen Punkt hin etwas zu wünschen“, erklärt Breitner, und freut sich aus einem ganz anderen Grund auf sein rundes Jubiläum: “Es bedeutet ja nichts anderes, als dass ich 60 Jahre schon ein sehr, sehr schönes Leben führen durfte“. Ein abwechslungsreiches, teilweise wildes, aber vor allem erfolgreiches Leben.

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Breitner war Europameister 1972, schoss im WM-Finale 1974 per Elfmeter den wichtigen Ausgleich, als eines der emotionalsten Spiele seiner Karriere bezeichnet er aber den Sieg mit Bayern München im Europapokal der Landesmeister. “4:0 gegen Atletico Madrid. Rein vom Spektakel her war das unvorstellbar“, sagt Breitner. Der gebürtige Kolbermoorer trug das rote Münchner Trikot in der ersten Blütezeit des heutigen Rekordmeisters, spielte zusammen mit Uli Hoeneß, Franz Beckenbauer, Sepp Maier, Gerd Müller und Co. - und hatte den Bayern von heute schon als 22-Jähriger genau diesen einen Titel voraus.

“Ich habe nichts versäumt“

“Wir sind auf einem guten Weg, in ein, zwei, drei Jahren zum FC Barcelona aufzuschließen“, sagt Breitner über die Bayern-Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes, ein Sieg am 19. Mai 2012 im eigenen Stadion sei aber nur möglich, “wenn wir auf einen FC Barcelona treffen, der nicht 80 oder 85 Prozent seiner Leistungsfähigkeit erreicht. Das ist Realität.“ Den Weg dorthin hat Breitner seinen Bayern nicht unbedingt leicht gemacht: Bei der Champions-League-Auslosung in Monte Carlo loste er Manchester City, FC Villareal und den SSC Neapel in die “Hammergruppe A“.

Sein ratloser Blick sprach Bände, auch jetzt glaubt er, dass die Bayern ihn nur noch als Glücksfee einsetzen, “wenn sie wieder interessante Reisen haben und nicht irgendwo in den Osten fliegen wollen“, sagt Breitner schmunzelnd.

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So positiv gestimmt war der Allrounder - ursprünglich Stürmer, dann Abwehr-, dann Mittelfeldspieler - zu seiner aktiven Zeit nicht immer. Breitner galt als unbequemer Profi und Revoluzzer, er verzichtete aufgrund eines Streits sieben Jahre lang auf Spiele mit der Nationalmannschaft. “Es war einfach so interessant, gegen etwas zu sein“, sagt er heute, und beschreibt manche seiner Fehltritte sogar als Kalkül. “Ich habe viel Blödsinn gemacht, was mir wiederum geholfen hat, dass sich die Leute mit mir selber nicht mehr beschäftigt haben. Die haben Stoff gekriegt, ich hab Schlagzeilen geliefert, und hab dann meine Ruhe gehabt“. Den legendären Afro bereut der dreifache Familienvater genauso wenig wie das Posieren mit der Mao-Bibel: “Ich möchte nichts missen. Denn dann hätte ich viel versäumt. Und ich habe nichts versäumt.“

Breitner rüffelt Buchautor Lahm

Auf dem Platz galt Breitner bei all seinen Stationen in München, bei Real Madrid und Eintracht Braunschweig stets als der Leitwolf, der Kritikern wie Oliver Kahn im heutigen Fußball fehlt - Breitner aber nicht. “Im heutigen Fußball ist kein Platz mehr für Typen wie mich“, sagt er. Prototypen des heutigen “Lenkungsspielers“ seien Xavi und Iniesta, und auch “Lahm und Schweinsteiger machen es wunderbar, genauso, wie es der heutigen Generation entspricht“, sagt Breitner. Mahnende Worte findet der ehemalige Chefkritiker allerdings für Lahms Autobiographie: “Philipp hat schlicht und ergreifend gegen einen ungeschriebenen Kodex in diesem Geschäft verstoßen.“

Breitner hat zu seiner aktiven Zeit gegen Vieles verstoßen, sich gestritten, “dass die Fetzen geflogen sind“, hat letztendlich aber immer auf sein Herz gehört. 23 Jahre nach seinem Karriereende heuerte er als “Markenbotschafter“ wieder beim Verein an und liebt sein “Zigeunerleben“.

Seinen Geburtstag feiert er trotzdem lieber zuhause, ohne Kollegen, aber “mit der Familie, wie jeden Geburtstag“ - und wünscht sich nur Eines: “Bitte nicht diese dümmliche, ausgelutschte Überschrift: Paul Breitner jetzt auch ein Sechzger...“

dapd

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