"Feiern, bis wir den Morgen nicht mehr erleben"

Erstklassig! XXL-Party bei Eintracht

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Torsten Lieberknecht wurde auf Händen getragen.

Braunschweig - Nach fast drei Jahrzehnten kehrt Braunschweig in die Beletage zurück. „Das grenzt fast an ein Weltwunder“, bewertete Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht den umjubelten Aufstieg.

Im Überschwang der Gefühle verkleidete sich Trainer Torsten Lieberknecht mit Löwenkopf als Eintracht-Maskottchen und gab kaspernd Fernseh-Interviews. Torjäger Domi Kumbela wollte so lange feiern, dass „wir den Morgen nicht mehr erleben“. Die Bundesliga-Rückkehr nach 28 Jahren hat beim Noch-Zweitligisten Eintracht Braunschweig alle Dämme brechen lassen und eine Stadt in kollektiven Jubel versetzt. „Wer jetzt nicht feiert in Braunschweig, der soll ins betreute Wohnen gehen“, sagte Lieberknecht.

Mit dem 1:0 (0:0) beim FC Ingolstadt hatten die Niedersachsen am Freitagabend auch die letzten Zweifel ausgeräumt und eine Bilderbuchsaison mit dem dritten Erstliga-Aufstieg nach 1974 und 1981 gekrönt. Für den Coach war damit „ein Riesentraum in Erfüllung gegangen. Es ist unfassbar, es ist ein unglaublicher Tag“, sagte er und schämte sich auch seiner Freudentränen nicht. „Das gehört dazu, es werden nicht die letzten sein.“ Am Samstagnachmittag feierte das Team dann endlich auch im eigenen Stadion mit den Fans.

Über 11.000 Anhänger nahmen ihre Helden in Braunschweig in Empfang. Nachdem alle Spieler, Betreuer sowie das Trainerteam auf einer Bühne den Fans ein Ständchen gebracht hatten, ließ der Coach keine Zweifel aufkommen, was er von den Braunschweigern bei der großen Aufstiegsparty am 20. Mai vor dem Schloss erwartet: „Das heute ist schon super. Aber am Pfingstmontag will ich eine Wahnsinnsparty. Ich will alle Braunschweiger auf den Beinen sehen.“

Die Löwen hatten bestimmt nicht zu den Aufstiegskandidaten gezählt, als die Saison begann. Eher war ein Kampf um den Ligaverbleib erwartet worden. Doch nach einer Weile zeichnete sich ab, dass die Eintracht mit dem Tabellenkeller nichts zu tun haben würde. Nach der Hinrunde stand Braunschweig überlegen auf Rang eins. Doch einen Gedanken an die erste Liga habe Lieberknecht bis zum Freitag nie zugelassen, beteuerte er.

Das Saisonziel sei eigentlich gewesen, sich in der 2. Bundesliga zu etablieren. „Das haben wir mehr als verfehlt“, sagte der 39-Jährige schelmisch grinsend. Der Schlüssel für die Sensation sei gewesen, „vor jedem Gegner Respekt zu haben“. Daran hielt er sich sogar, als seine Spieler die Pressekonferenz freudetrunken sabotierten, grölend das Podium stürmten und mit Sekt um sich spritzten. „Wir können noch genug feiern“, mahnte Lieberknecht, und die Spieler gehorchten.

Zum Aufstiegshelden avancierte in Ingolstadt Damir Vrancic, der in der Nachspielzeit mit einem brillanten Freistoßtor den Ausnahmezustand auslöste. „Ich kriege Gänsehaut beim Gedanken, dass Damir nun in einem Atemzug mit den ganz großen Braunschweigern genannt wird“, sagte Lieberknecht. „Ich habe vollendet, was Kumbela angefangen hat“, meinte Vrancic mit Blick auf die 19 Tore des deutsch-kongolesischen Torjägers.

Kumbela steht beispielhaft für die Entwicklung des Traditionsvereins. Daneben benommen, fast vergessen und dann plötzlich ein märchenhafter Aufstieg. Kumbela galt nach schwerwiegenden außersportlichen Fehltritten als nahezu unvermittelbar. Braunschweig war 2008 nach einer Reihe von gravierenden Fehlentscheidungen beinahe in der Bedeutungslosigkeit verschwunden und hoch verschuldet.

Dann kam Lieberknecht, sicherte mit seiner Mannschaft erst die Qualifikation für die 3. Liga, stieg 2011 in die 2. Liga auf und machte nun sein Meisterstück. Kumbela formte er nebenbei zu einem brandgefährlichen Stürmer, der gelernt hat, sich zu benehmen.

In die Bundesliga will Braunschweig nun die Euphorie mitnehmen. Präsident Sebastian Ebel betonte stolz, der Aufstieg werde der Stadt „Selbstvertrauen und Lebensgefühl“ wiedergeben. Die große Herausforderung gegen Bayern München, Borussia Dortmund und Co. werde „brutal hart, aber auch das werden wir hinkriegen“, sagte Ebel. „Wir wissen, dass wir Absteiger Nummer eins sind. Das wird keine Wellness-Tour“, sagte Lieberknecht, „aber bei uns ist immer mit irgendwas zu rechnen“.

sid

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