Brasilien tanzt Samba

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Marta hat sich die Symphatien des Publikums erstmal verspielt.

Wolfsburg - Mitfavorit Brasilien tanzte erstmals Samba, für Außenseiter Äquatorial-Guinea ist der Traum vom Viertelfinale bei der Frauenfußball-WM geplatzt.

Während sich Vize-Weltmeister Brasilien durch einen überzeugenden 3:0 (1: 0)-Erfolg gegen Norwegen das Ticket für die Runde der letzten Acht sicherte, unterlagen die Afrikanerinnen Australien mit 2:3 (1:1). Marta mit einem Doppelpack (22. und 48.) und Rosana (46.) trafen vor 26.067 in der ausverkauften Wolfsburger WM-Arena für Brasilien. Weltfußballerin Marta zeigte zwar einen Gala-Vorstellung, doch ihre Sympathien hat die Ausnahmekönnerin erst einmal verspielt. Das umstrittene Tor der Stürmerin zum 1:0 hinterließ einen faden Beigeschmack und sorgte auf den Rängen für große Empörung. Dem Führungstreffer Martas war ein klares Foulspiel vorangegangen, in dessen Folge die vor dem Anpfiff noch mit Sprechchören gefeierte und frenetisch beklatschte Vorzeigespielerin vom Wolfsburger Publikum ausgepfiffen wurde.

Marta gewann ein Laufduell gegen die norwegische Verteidigerin Nora Holstad Berge nur mit unfairen Mitteln und vollendete danach ihr Solo aus kurzer Distanz zum 1:0.

Nach der Halbzeit zeigten die Brasilianerinnen dann mit einem Doppelschlag ihre ganze Klasse. Nach einem schönen Solo von Marta und perfekter Vorarbeit musste Rosana aus kurzer Distanz nur noch vollenden. Während die Norwegerinnen noch dem 0:2 hinterher trauerten, besorgte Marta nach einiger Konfusion um norwegischen Strafraum selbst das 3:0.

In der Folge fanden die weiterhin vom Publikum unterstützten Norwegerinnen nicht mehr zu ihrem Spiel, während Brasilien die Begegnung kontrollierte. Marta vergab in der 68. Minute sogar noch eine Großchance zu ihrem dritten Tor, als sie einen Konter zu spät abschloss.

Im Kampf um das zweite Viertelfinalticket in der Gruppe D treffen Norwegen und Australien (beide drei Punkte) am Mittwoch im direkten Duell aufeinander. Asienmeister Australien genügt dabei ein Unentschieden.

Dank der Treffer von Leena Khamis (8.), Youngster Emily Van Egmond (48.) und Lisa De Vanna (51.) kamen die überlegenen „Matildas“ bei zwei Gegentreffern von Anonma (21./83.) zum verdienten Erfolg gegen Äquatorial-Guinea. Die Afrikanerinnen haben damit keine Chance mehr, in die Runde der letzten Acht einzuziehen.

Anonma tanzte zuvor wie einst Roger Milla, erzielte zwei Zuckertore - und hatte am Ende doch Tränen in den Augen. „Die letzte Partie gegen Brasilien, da ist es egal, ob wir gewinnen oder verlieren“, sagte Anonma dem SID. „Ich bin zufrieden mit den Toren, aber vor allem traurig über das Ergebnis. Alle Teams hier sind so stark und haben viel mehr Erfahrung als wir.“

In der 21. Minute erlebte sie den größten Moment ihrer Karriere. Sie startete in die Gasse, bekam den Ball, spielte Lydia Williams, die australische Torhüterin, mit einem Wackler aus - und schwang dann auch beim Jubel die Hüften. Das 2:3 krönte die Leistung und war doch zu wenig.

Ansonsten war das Hauptthema eine kuriose Schiedsrichter-Fehlentscheidung. Nach einem Pfostentreffer von Khamis fing Äquatorial-Guineas Abwehrspielerin Bruna den Ball mit beiden Händen im eigenen Fünfmeterraum, hielt ihn einen Augenblick lang fest und ließ ihn dann wieder fallen. Ein Raunen ging durchs Stadion, aber die Pfeife der schwachen ungarischen Schiedsrichterin Gyoengyi Gaal blieb stumm - nicht der erste Pfiff, der die Qualität der WM-Referees in einem diffusen Licht erscheinen lässt.

Der Weltverband FIFA sah sich gezwungen, vor der Pressekonferenz ein Statement verlesen zu lassen. „Wir wissen alle, dass es eine Episode gab. Wir haben mit der Schiedsrichterin gesprochen. Sie sagt, dass es ihr sehr leid tut, dass sie das klare Handspiel nicht gesehen hat“, teilte Karen Espelund, die für das Spiel zuständige FIFA-Offizielle, zerknirscht mit.

Den Australierinnen konnte es egal sein. Die Matildas nutzten die Schwächen der Gegnerinnen aus und wurden von ihren Fans in Bochum, die mit aufblasbaren Kängurus gekommen waren, stürmisch gefeiert. „Wir wissen nun, dass wir gegen Norwegen beste Chancen haben“, sagte Trainer Tom Sermanni nach dem Sieg vor 15.640 Zuschauern.

sid

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