Von Weltmeister zu Weltmeister

Del Bosques Rat an Löw: "Nach vorne blicken"

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Vicente del Bosque hat bei den Spaniern einen Umbruch eingeleitet.

Madrid - Ratschläge von der Konkurrenz sind im Profi-Fußball ungewöhnlich. Spaniens Erfolgscoach Vicente del Bosque und Joachim Löw pflegen aber einen kollegialen Umgang. Der Iberer gibt dem Bundestrainer nun Tipps.

Spaniens Weltmeister-Coach Vicente del Bosque hat Bundestrainer Joachim Löw geraten, den Triumph von Rio de Janeiro so schnell wie möglich abzuhaken. „Genau wie er emotional stark war, als er verloren hatte, muss er nun vergessen, dass er den Titel gewonnen hat und nach vorne blicken. Siege in der Vergangenheit helfen dir nicht, das nächste Spiel zu gewinnen. Man sollte sich nichts einbilden und immer hinterfragen, was man macht, denn Zweifel sind immer positiv“, sagte del Bosque.

Del Bosque: Ein Freundschaftsspiel, das keines ist

Vor dem Testspiel am kommenden Dienstag in Vigo lobte del Bosque die DFB-Elf als eine der stabilsten Mannschaften in Europa. Der 63-Jährige hat geschafft, was Löw selbst noch anstrebt: Zwei große Titel in Serie. Del Bosque hatte Spanien 2010 zum WM-Titel in Südafrika geführt und dabei das Halbfinale gegen die Löw-Auswahl mit 1:0 gewonnen. Zwei Jahre später holte er auch den EM-Sieg in Polen und der Ukraine. In diesem Jahr schied „La Roja“ in Brasilien allerdings schon in der WM-Vorrunde aus. Del Bosque hat seinen Abschied nach der EM 2016 in Frankreich angekündigt.

Die Partie am Dienstag ist für del Bosque weit mehr als ein normales Testspiel. „Gegen Deutschland haben wir die Schwierigkeit, dass wir gegen den Weltmeister spielen. Es ist ein Freundschaftsspiel, aber man kann es nicht als ein solches einordnen“, sagte er. Den langfristigen Ausfall der Bayern-Profis Javí Martinez und Thiago wegen Knieverletzungen bedauert der Spanien-Coach. „Das ist ein Problem für uns. Sie sind zwei junge Spieler, die seit Jahren bei uns sind und großes Potenzial haben.“

Spanier mit großem Respekt vor Deutschland

Obwohl Deutschland seit dem Amtsantritt des damaligen Teamchefs Rudi Völler vor mehr als 14 Jahren auf einen Sieg gegen den großen Rivalen wartet, sieht sich del Bosque offenbar nun nicht in einer Position der Stärke. „Wir haben großen Respekt davor, was die Deutschen geschafft haben. Sie haben keine großen Revolutionen gebraucht, denn sie waren in den Turnieren, die gespielt wurden, immer dabei und sie sind wahrscheinlich das beständigste Team in Europa. Die Spieler haben gut gespielt und nach 2010 gab es keine Umwälzung, sondern man hat praktisch mit den gleichen Spielern, und natürlich dem gleichen Trainer, weitergemacht“, sagte er.

Del Bosque hat nach der WM einen Umbruch vorgenommen und bringt vermehrt junge Spieler wie Bayern-Profi Juan Bernat zum Einsatz. Wie Deutschland hat man in der laufenden EM-Qualifikation aber schon einen Rückschlag hinnehmen müssen. In der Slowakei gab es eine überraschende 1:2-Niederlage. Auch ein Test gegen Frankreich ging im September mit 0:1 verloren. In der Gruppe C treffen die EM-Titelverteidiger am Samstag drei Tage vor der Deutschland-Partie im nächsten Qualifikationsspiel auf Weißrussland. Die DFB-Auswahl tritt am Freitag in der Gruppe D noch in Nürnberg gegen Außenseiter Gibraltar an.

dpa

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