Bayern zeigen sich selbstkritisch

"Spiel wurde nicht von Feen entschieden"

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Thomas Müller sucht die Schuld an der Heimniederlage nicht bei irgendwelchen Feen.

München - Trendwende? Ausrutscher! Der FC Bayern versucht, die erste Saisonniederlage kleinzureden. Nach der Heimpleite gegen Leverkusen zeigen sich die Profis dennoch selbstkritisch.

Uli Hoeneß hatte es die Sprache verschlagen, Karl-Heinz Rummenigge war sichtlich geladen, und Arjen Robben war auch tags darauf noch stinksauer: Das völlig unerwartete 1:2 (0:1) gegen Bayer Leverkusen, die erste Niederlage nach dem Traumstart mit acht Siegen, hat Bayern München bis ins Mark erschüttert.

„Die Bundesliga freut sich“, sagte Rummenigge am Sonntagabend mit zerknirschter Miene. In München, das machte der Vorstandschef klar, ist erstmal Schluss mit lustig. „Die Mannschaft wird Druck kriegen. Und sie muss zeigen, dass sie damit besser umgehen kann als das im vergangenen Jahr der Fall war.“

Der Herbst 2011 mit den Niederlagen gegen Hannover, Dortmund und Mainz - plötzlich war er wieder präsent in den Köpfen.„Wir müssen aus dem letzten Jahr lernen“, sagte Robbenam Montag: „Es kann nicht sein, dass wir jetzt wieder so viele Punkte verlieren und die Gegner wieder rankommen.“ Schalke 04 ist immerhin schon auf vier Punkte am Tabellenführer dran - und die Münchner sind selbst schuld.

„Es ist nicht so, dass der Fußballgott oder irgendwelche Feen das Spiel entschieden hätten“, sagte Thomas Müller. Nein, dem FC Bayern fehlten „die richtigen Spielzüge“, wie Torhüter Manuel Neuer sagte. Zu langsam, zu umständlich - phasenweise erinnerte es an dunkelste van-Gaal-Zeiten. Man habe „einen Unterschied gesehen“ im Vergleich zu den starken Auftritten zuvor, sagte Rückkehrer Robben, der ab der 59. Minute einigen Schwung brachte: „Da waren wir nach vorne viel aggressiver. Einige Spieler waren nicht auf ihrem Niveau. `

Dabei waren sich die Bayern doch so sicher, dass es nicht wieder so kommen würde wie vor einem Jahr. Die Mannschaft mache auf ihn einen `konzentrierteren Eindruck“ als in der Vorsaison, in der sie mit Beginn der „heißen Phase“ schwächelte, hatte Rummenigge vor dem Spiel gesagt. Und die Bayern hatten ja selbst einiges getan, um sich nicht wieder „einlullen zu lassen“, wie Rummenigge meinte. Das Lob für die teilweise begeisternden Auftritte hatten sie zurückgewiesen, Sportvorstand Matthias Sammer übte sogar nach einem Sieg Kritik.

Und dann: 1:2 gegen Leverkusen - ausgerechnet. Seit 23 Jahren und in den letzten 25 Pflichtspielen hatte Bayer an der Isar keinen Sieg mehr geholt. Kapitän Philipp Lahm nannte das 0:1 von Stefan Kießling (42.) ein „saublödes Gegentor“, weil er selbst das Knie des Stürmers angeschossen hatte. „Das geht auf meine Kappe“, sagte Lahm. Doch das 1:2, betonte er, „war genauso blöd“.

Nach dem 1:1 durch Mario Mandzukic (77.) warteten 71.000 Fans in der Arena auf das nächste Bayern-Tor, als Sidney Sam Bayern-Spieler Jerome Boateng ins Gesicht köpfte und der Ball von da ins Tor flog (83.). „Es tut mir leid für die Mannschaft, das war einfach Pech“, sagte Boateng. Blöd, Pech - ein Ausrutscher. „Es ging schon besser“, sagte Müller am Montagmittag, „aber wir leben noch. Ich denke nicht, dass das große Unsicherheit reinbringt.“

Einen Rückschlag, oder gar eine Trendwende wollten auch Trainer Jupp Heynckes und Spielführer Lahm nicht erkennen. „Warum sollte uns das zurückwerfen? Wir haben ein Spiel verloren“, sagte Lahm. Nur ein Spiel - mehr nicht. Schon am Mittwoch, im DFB-Pokal gegen den 1. FC Kaiserslautern, könne „die Welt ganz anders aussehen“.

Dann müsse der FC Bayern wieder „aggressiv spielen“, forderte Robben: „Jetzt müssen wir hellwach sein, reagieren. Alle zusammen müssen es auf dem Platz zeigen.“ Alle? Franck Ribery, gegen Bayer schmerzlich vermisst, muss wohl noch passen. Und Holger Badstuber fällt wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel mehrere Wochen aus. Es gab schon bessere Tage für den FC Bayern.

SID

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