"Vaterfigur" gesperrt

Hertha - Schalke: Boatengs Wiedersehen fällt aus

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Kevin-Prince Boateng sah im Revierderby gegen dortmund seine fünfte Gelbe Karte und muss in Berlin nun zuschauen.

Gelsenkirchen - Kevin-Prince Boateng ist gebürtiger Berliner, fehlt aber gegen Hertha BSC Gelb-gesperrt. Der ghanaische Nationalspieler ist am Aufschwung der Königsblauen in dieser Saison maßgeblich mitbeteiligt.

Natürlich hatte sich Kevin-Prince Boateng das Wiedersehen mit seiner Hertha anders vorgestellt. „Ich wollte unbedingt die Gelbe Karte vermeiden“, sagte der Mittelfeldstar von Schalke 04, „aber es ging nicht anders.“ Beim 0:0 im 144. Revierderby bei Borussia Dortmund hatte sich der 27-Jährige die fünfte Verwarnung der Saison eingehandelt - Zwangspause ausgerechnet im Heimspiel am Freitagabend gegen seinen Berliner Ex-Klub.

So schaute Boateng auf der Tribüne zu, wie Schalker jungen Wilden versuchten, den nächsten Schritt auf dem Weg zurück in die Champions League zu machen. Der Gelsenkirchener Jugendstil, wegen der vielen Verletzten auch aus der Not geboren, gefällt dem gebürtigen Berliner: „Wir nehmen die vielen Ausfälle nicht als Ausrede, sondern setzen auf die Jungen. Und sie machen es überragend.“

Für Talente wie Max Meyer (18), Leon Goretzka (19), Kaan Ayhan (19) oder Sead Kolasinac (20) ist Boateng nicht nur ein erfahrener Mitspieler, sondern auch ein wichtiger Ratgeber. Er werde oft gefragt, sagte er, „das mache ich gerne. Ich habe mir früher auch viele Tipps von erfahrenen Spielern geholt. Das hat mir für meinen weiteren Weg sehr geholfen“.

Vom Halbstarken zur Führungspersönlichkeit

Seine eigene Zeit als junger Wilder in Berlin, wo er im Problemviertel Wedding aufwuchs, liegt weit zurück. Aus dem Halbstarken von einst, der auch mal über die Stränge schlug, ist eine Führungspersönlichkeit geworden. Einer, zu dem die anderen aufblicken. „Ich will die Mannschaft führen“, sagte der ghanaische Nationalspieler, als er Ende August für geschätzte zehn Millionen Euro Ablöse vom AC Mailand zu den Königsblauen gewechselt war.

Das Image des „Bad Boy“, das ihn auch noch bei seinem Engagement in England verfolgte, hat er längst abgelegt. „So jung, so viel Geld - es war eine schwierige Zeit“, sagte er zuletzt über seine Zeit in Tottenham und Portsmouth.

Seinen Wandel verdankt er vor allem seiner Verlobten Melissa Satta, wie er im Interview mit dem Vereinsmagazin Schalker Kreisel berichtete. Sie habe gesagt: „Sei nicht immer so grimmig. Lach und genieß dein Leben.“ Und nachdenklich fügte er an: „Kann sein, dass dieses Grimmige ein Überbleibsel aus Berlin oder eine Art Selbstschutz war.“

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In Kürze wird Boateng zum zweiten Mal Vater. Beim ersten Mal, mit 21, sei er noch überfordert gewesen, gab er zu. Es habe etwas gedauert, bis er gemerkt habe, „ich bin und ich will eine Vaterfigur sein“.

Auch auf Schalke hat es ein wenig gedauert, bis der in Italien zum Weltstar gereifte Berliner die unumstrittene Führungsrolle einnahm. Probleme mit dem Knie behinderten ihn in der Hinrunde, immer wieder musste er als Stürmer aushelfen, weil Torjäger Klaas-Jan Huntelaar verletzt fehlte.

Seit dem Trainingslager im Winter in Katar sind die Aufgaben jedoch neu verteilt. Boateng ist die Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld und die klare Nummer eins in der teaminternen Hierarchie. Sein Wort hat Gewicht. Nicht nur bei den jungen Wilden von heute, die ihn um Rat fragen.

sid

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