Wie der Bundestrainer den Sieg beurteilt

Boateng-Ersatz: Löw denkt laut nach

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Joachim Löw muss gegen Dänemark umbauen

Charkow/Danzig - Jerome Boateng fehlt im dritten Gruppenspiel gesperrt. Über mögliche Ersatz-Optionen denkt Joachim Löw laut nach. Zudem erklärt er, wie er den Sieg beurteilt: die wichtigsten Äußerungen der Pressekonferenz.

Herr Löw, wie sehen Sie die Lage nach dem Sieg gegen die Niederlande?

Joachim Löw (Bundestrainer): Wir wollten unbedingt den zweiten Schritt machen. Es war wichtig nachzulegen. Das Tor zum Viertelfinale ist jetzt weit aufgestoßen. Wir haben es selbst in der Hand, alles klar zu machen. Der Gruppensieg wäre wichtig, weil wir dann in Danzig bleiben können. Das wäre wahrscheinlich ein Vorteil im Viertelfinale. Aber wir brauchen erst noch einen Punkt gegen die Dänen.

Wie bewerten Sie die Leistung Ihrer Mannschaft?

Löw: In der so genannten Todesgruppe sechs Punkte zu haben, das ist mal eine gute Leistung. Wir haben ein kompaktes und gutes Spiel gemacht. Wir haben es klasse verstanden, in der Defensive gut zu arbeiten. Wir haben die starke Offensive der Holländer mit den vier, fünf Topleuten weitgehend aus dem Spiel genommen. Denen ist wenig eingefallen.

Gomez stößt Tor zum Viertelfinale weit auf - Bilder und Noten zum Spiel

Gomez stößt Tor zum Viertelfinale weit auf - Bilder und Noten zum Spiel 

Haben die Temperaturen eine Rolle gespielt?

Löw: Die waren extrem, da war es schwierig, ein hohes Tempo zu gehen. Die Führung war deshalb ein Vorteil für uns, das zweite Tor schon ein Riesenschritt. Ich hatte das Gefühl, Holland war ab der 60. Minute körperlich tot, wir haben sie müde gespielt.

Hat Ihnen vielleicht etwas nicht so gut gefallen?

Löw: Natürlich hätten wir einige Angriffe besser zum Abschluss bringen können. Wir hätten den Sack früher zumachen müssen. So ist es nach dem Anschlusstor noch einmal spannend geworden. Aber wir sind trotzdem klar der verdiente Sieger.

Und erneut war Mario Gomez der Matchwinner...

Löw: Mario lag ab und zu am Boden, auch in der Nationalmannschaft. 2008 etwa hat er bei der EM eine Riesenchance versemmelt, da ist er aus dem Rhythmus gekommen. Aber er hat sich immer wieder rangekämpft. Man muss ihn nicht lange aufrichten, er findet seinen Weg immer selbst. Wieder hat er aus zwei Chancen zwei Tore gemacht. Das ist schon klasse, wie er die Tore macht. Mario ist sehr, sehr wichtig für die Mannschaft. Diese beiden Tore tun ihm natürlich gut.

Haben Sie auch bei Bastian Schweinsteiger eine erneute Steigerung gesehen?

Löw: Bastian hat noch ein bisschen Steigerungspotenzial, aber er hat ein Klassespiel gemacht. Er wird mit jedem Spiel besser und hat eine sehr gute Präsenz auf dem Platz. Er ist körperlich stark und gewinnt viele Zweikämpfe. Mit Sami Khedira zusammen hat er einen überragenden Spieler wie Sneijder weitgehend aus dem Spiel genommen und viel nach vorne gemacht. Ich bin mit beiden sehr zufrieden.

Jerome Boateng ist gegen die Dänen gesperrt. Haben Sie schon im Kopf, wen sie für ihn bringen?

Löw: So viele Möglichkeiten gibt es ja nicht. Philipp Lahm könnte nach rechts, dafür Marcel Schmelzer links spielen. Oder Lars Bender spielt rechts. Auch eine Dreierkette und eine andere offensive Anordnung wäre möglich, weil Dänemark sehr defensiv spielt. Mal sehen.

Werden Sie eventuell den einen oder anderen schonen?

Löw: Das weiß ich jetzt noch nicht. Das ist immer die Frage bei so einem Spiel. Viel Wechsel werde ich aber sicher nicht vornehmen. Vielleicht gönne ich dem einen oder anderen eine Pause, damit die Frische im Viertelfinale wieder da ist. Aber wie gesagt: Wir brauchen noch einen Punkt.

Wie haben Sie Ihren Spielmacher Mesut Özil gesehen?

Löw: Mesut macht unglaublich viele Wege. Seine Läufe haben eine hohe Intensität. Er bietet sich viel an. Auch wenn einige Aktionen etwas unglücklich waren, spielt er gut. Wir werden ihn in den nächsten Spielen in Weltklasseform sehen.

Inwieweit müssen sich auch Thomas Müller und vor allem Lukas Podolski auf den Außenbahnen noch steigern?

Löw: Beide haben wahnsinning gut nach hinten gearbeitet. Poldi war defensiv sehr stabil. Offensiv hätte das eine oder andere besser laufen können. Es würde ihnen gut tun, wenn sie ein Tor machen.

Aufgezeichnet von Thomas Niklaus (SID) während der Pressekonferenz in Charkow

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