Nach dem historischen Spiel

Bierhoff: Schweden-Spiel eine "Lehre"

+
Oliver Bierhoff sieht in dem historischen 4:4 gegen Schweden auch eine Chance. Der verspielte 4:0-Vorsprung sei „eine „Lehre für die Spieler“. Franz Beckenbauer stimmt zu.

Berlin - Oliver Bierhoff sieht in dem historischen 4:4 gegen Schweden auch eine Chance. Der verspielte 4:0-Vorsprung sei „eine Lehre für die Spieler“. Franz Beckenbauer stimmt zu.

Teammanager Oliver Bierhoff gewinnt dem historischen 4:4 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden im Nachhinein auch positive Seiten ab. „Es ist mit Sicherheit eine Lehre für die Spieler, dass so etwas nicht mehr passiert“, sagte Bierhoff am Freitagabend in der Talkshow „3 nach 9“ von Radio Bremen. „Ich war fassungslos“, beschrieb der ehemalige DFB-Kapitän seine Gemütslage nach dem in den letzten 30 Minuten verspielten 4:0-Vorsprung. Die sportlich Verantwortlichen um Bundestrainer Joachim Löw und ihn könnten nun aber „noch mal ganz klar aufzeigen, wo die Probleme liegen“, betonte der Manager.

Die Pressestimmen zum 4:4 gegen Schweden

"Das Comeback aller Comebacks" - Die Pressestimmen zum 4:4 gegen Schweden

„Wenn wir jetzt 4:2 oder 4:3 gewonnen hätten, dann hätte man vielleicht einige Fehler, die aufgetreten sind, wieder irgendwie verschwiegen, und es wäre dann als noch mal gut gegangen durchgegangen“, bemerkte Bierhoff. Der Manager hatte bereits direkt nach der Partie am vergangenen Dienstag im Berliner Olympiastadion, bei der die deutsche Mannschaft nach einer brillanten Stunde seiner Ansicht nach „kollektiv nicht reagieren“ konnte, eine schonungslose Aufarbeitung gefordert. Bierhoff beklagte bereits zum wiederholten Male Nachlässigkeiten und Disziplinlosigkeiten im deutschen Spiel.

„In den ersten 60 Minuten waren wir berauscht und haben dann den Fehler gemacht, nicht frühzeitig wieder zur Disziplin überzugehen, was uns Deutsche auszeichnet und auch die deutschen Mannschaften“, meinte Bierhoff. „Wir haben dann wirklich als Mannschaft in dem Moment versagt.“ Jetzt hätten die Verantwortlichen wieder Druck. Sie gehen dabei aber in die Offensive: Bundestrainer Joachim Löw war für Samstagabend als Gast im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF angekündigt, um dort zur Lage des DFB-Teams Stellung zu beziehen.

Bierhoff gab sich bei seinem Fernsehauftritt kämpferisch: „Ich habe schon einige Krisen als Sportler und auch mit der Nationalmannschaft durchgestanden“, sagte er: „Nach der kurzen Enttäuschung und Wut habe ich immer versucht, auf das Positive zu schauen, Kraft zu schöpfen und das Ganze anzugehen. Ich kann mich als Verantwortlicher nicht drei Tage einbuddeln und auch mitheulen. Also schaut man, was man besser machen kann.“

Franz Beckenbauer vertraut bei der Aufarbeitung des Spiels auf Löw. Der Coach „wird sie wieder auf Kurs bringen“, schrieb der Ehrenspielführer im Magazin „Focus“ und meinte ebenfalls: „Die Mannschaft wird von sich aus ihre Lehren daraus ziehen.“ Den Spielverlauf bezeichnete Beckenbauer als „beinahe etwas Surreales“. Dass eine hitzige Diskussion um fehlende Führungsspieler im Nationalteam entbrannte, überraschte ihn offenbar nicht. Die Mannschaft sei „in der entscheidenden Phase regelrecht zerfallen. Und da fand sich auch niemand, der das Zepter in die Hand nahm und die anderen aufrüttelte“, erklärte Beckenbauer.

Die deutsche Nationalmannschaft führt nach vier Spielen ihre WM-Qualifikationsgruppe mit 10 Punkten vor den Schweden (7) an, die aber erst drei Partien ausgetragen haben. Nur der Gruppenerste löst direkt das Ticket für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Zum Abschluss des Jahres bestreitet Löw mit seinem Team am 14. November noch ein Freundschaftsspiel in Amsterdam gegen die Niederlande.

dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare