DFB bestellt Bundesliga-Referees zum Rapport

+
Dr. Theo Zwanziger.

Frankfurt/Main - Die Schiedsrichter stehen seit Wochen in den Negativ-Schlagzeilen. Der DFB hat nun auf die jüngsten Vorwürfe der Steuerhinterziehung reagiert und die Unparteiischen nach Frankfurt geladen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) will in der jüngsten Schiedsrichter-Affäre endlich Tacheles reden und hat die Bundesliga-Referees zum Rapport bestellt. Bei einem außerordentlichen Treffen an diesem Freitag in der Frankfurter Verbandszentrale will die Verbandsspitze vor allem darauf dringen, dass die in den Verdacht der Steuerhinterziehung geratenen Unparteiischen möglichst schnell und aktiv an der Gesamtaufklärung durch die Steuerbehörden mitwirken.

“Das Gespräch am Freitag dient vor allem dem Zweck, den Bundesliga-Schiedsrichtern zu vermitteln, wie die DFB-Führung die Gesamtsituation aufgrund der aktuellen Vorwürfe und Ermittlungen einschätzt“, sagte DFB-Mediendirektor Ralf Köttker am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa.

DFB-Präsident Theo Zwanziger schließt nicht aus, dass an den Vorwürfen über doppelt abgerechnete Kilometergelder oder Schwarzgeldkonten in Liechtenstein und der Schweiz etwas dran sein könnte. “Leider ist es ja so, dass Steuerdelikte in Deutschland nicht gerade wenig verbreitet sind. Und da Schiedsrichter auch nur Menschen sind, kann man natürlich nicht ausschließen, dass es auch unter ihnen schwarze Schafe gibt. Denn auch Schiedsrichter sind keine Heiligen“, sagte Zwanziger in einem Interview des “kicker“ (Donnerstagausgabe).

Promille-Grenze im Stadion: So handhaben es die 18 Bundesligisten

Promille-Grenze im Stadion: So handhaben es die 18 Bundesligisten

Der DFB möchte mögliche Sünder daher dazu bewegen, sich intern zu offenbaren. Deshalb soll bei dem Treffen die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem DFB-Ombudsmann für die Schiedsrichter thematisiert werden. “Schließlich hat der Verband diese Position auf dem Bundestag vorsorglich auch für solche Vorgänge und Gespräche eingerichtet“, erklärte Köttker.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen rund 20 Schiedsrichter, darunter mindestens drei Bundesliga-Referees, wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. FIFA-Schiedsrichter Felix Brych hat bisher als einziger Unparteiischer die Ermittlungen gegen ihn bestätigt.

Zwanziger verdeutlichte vor dem Treffen nochmals die Haltung des Verbandes. “Zunächst einmal ist ein Steuervergehen ein privates Delikt. Nichtsdestotrotz werden die Gremien des DFB, so sich der Verdacht in dem einen oder anderen Fall bestätigt, genauestens prüfen und bewerten, ob ein solches Vergehen die Eignung zum Spitzenschiedsrichter negativ beeinflusst“, sagte der DFB-Boss.

Die Steueraffäre ist durch eine Anzeige des ehemaligen DFB-Schiedsrichter-Obmanns Manfred Amerell bei der Finanzdirektion in Augsburg ausgelöst worden. “Aus meiner Wahrnehmung führt Herr Amerell einen Rachefeldzug gegen Herrn Kempter und versucht viele zu belasten, von denen er offensichtlich meint, sie hätten ihm Unrecht getan“, sagte Zwanziger. Bisherige und möglicherweise weitere Auswirkungen der Causa Amerell/Kempter sollen daher am Freitag ebenfalls erörtert werden.

dpa

Kommentare