FCK bestätigt antisemitische Parolen

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Itay Shechter ist am Sonntag Opfer antisemitischer Parolen geworden

Kaiserslautern - Entsetzt und empört hat sich der 1. FC Kaiserslautern über antisemitische Schmähungen gegen seinen israelischen Profi Itay Shechter gezeigt. Die Hooligans sind offenbar vorbestraft.

Abstiegsangst, Trainerdiskussion, Fanproteste - und nun auch noch Rassismus-Vorwürfe: Fußball-Bundesligist 1. FC Kaiserslautern hat derzeit mit der schwersten Krise seit dem existenzbedrohenden Fast-Abstieg in die 3. Liga vor vier Jahren zu kämpfen. Den bisherigen Tiefpunkt der jüngsten Entwicklung markierten rassistische und antisemitische Vorfälle beim Training. Dagegen will die Klubführung um Stefan Kuntz, der aufgrund der sportlichen Entwicklung in der Kritik steht, mit aller Entschiedenheit vorgehen.

„Rassismus und Diskriminierung haben beim FCK keinen Platz“, kommentierte Kuntz die Vorfälle vom Sonntag. Nach dem 0:4 (0:3) der Pfälzer am Samstag im rheinland-pfälzischen Derby beim FSV Mainz 05 war die Regenerationseinheit der Profis von rechtsradikalen Gesten und antisemitischen Beleidigungen gegen den israelischen FCK-Profi Itay Shechter überschattet worden. Eine Gruppe von knapp zehn Personen, die laut FCK-Sprecher Christian Gruber seit Jahren Stadionverbot hat und einer alten Hooliganszene angehört, war offenbar dafür verantwortlich.

Die vor Ort befindlichen Polizisten hatten nach Angaben Grubers aus „deeskalierenden Gründen“ auf eine Entfernung der Personen vom Stadiongelände verzichtet. Trainer Marco Kurz zeigte sich bestürzt. „Solche Szenen sind beängstigend und in höchstem Maße zu verurteilen. Von so etwas distanzieren wir uns ganz, ganz kräftig“, äußerte der Coach. Der Klub sieht den Straftatbestand der Volksverhetzung möglicherweise erfüllt und hat laut Gruber die Behörden gebeten, den Vorfällen „mit aller Schärfe nachzugehen und sie strafrechtlich auszuwerten“.

Der Klub teilte zudem mit, dass er die Strafverfolgungsbehörden dabei unterstützt, Video- und Tonmaterial der anwesenden Rundfunkanstalten auszuwerten, um so den oder die Täter zu identifizieren. Zudem ruft der FCK dazu auf, dass sich Zeugen des Vorfalls mit der Polizei in Verbindung setzen.

Diese Vorkommnisse belasten Kuntz, ohne dessen akribische Arbeit seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren wahrscheinlich schon lange kein Profifußball mehr in der Pfalz zu bestaunen wäre, zum schlechtmöglichsten Zeitpunkt. Schließlich haben die Roten Teufel nach dem desolaten Auftritt im Derby, 13 Spielen in Folge ohne Sieg und dem Absturz auf einen Abstiegsplatz ganz andere Sorgen.

Um den Verein im Kampf um den Klassenerhalt vor einer drohenden Zerreißprobe zu bewahren, stand als erste Maßnahme die Beruhigung der aufgebrachten Fans auf dem Programm. Dazu wurde kurzfristig eine Diskussion zwischen 300 Anhängern und den Profis im Fritz-Walter-Stadion anberaumt. „Die Spieler haben die Meinungen und Gefühle, die Ängste der Fans wahrgenommen“, sagte Kuntz: „Als Fazit sollte nun das Positive des Treffens von über 300 FCK-Fans im Fokus bleiben und nicht das unentschuldbare Auftreten einer Handvoll Radikaler.“

Bei der Diskussion ging es auch um die Zukunft von Kurz, dessen Vertrag erst im Oktober des vergangenen Jahres bis 2013 verlängert worden war. Was dieser Vertrag wert ist, entscheidet sich wahrscheinlich nach dem kommenden Punktspiel am Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky und Liga total!). Kurz, der als Reaktion auf die Pleite in Mainz den trainingsfreien Montag gestrichen hat, dürfte seinen Job bei einer weiteren Niederlage los sein.

Das lässt die Reihenfolge der Aussagen von Kuntz, dem in seiner Eigenschaft als Sportchef eine falsche Zusammensetzung des Kaders und Fehleinkäufte zur Last gelegt werden, vermuten. Zunächst sagte der Europameister von 1996, dass er nicht über den Trainer nachdenke. Dann erklärte der Klubchef: „Es ist und bleibt ein Ergebnissport. Daran müssen wir uns messen lassen und unsere Entscheidungen entsprechend treffen.“ Und zuletzt schob Kuntz im kicker nach: „Mal sehen, wie sich die Mannschaft gegen Wolfsburg präsentiert.“

Bis zu dieser Partie hat Kuntz allerdings noch alle Hände voll zu tun. So kündigte der Klubchef eine Klage gegen die Drahtzieher an, die Kurz auf einem Plakat eine Affäre mit der Frau eines Ex-Spielers unterstellt haben. Für Kuntz war das Spruchband in der Mainzer Arena das „Asozialste“, was er jemals in einem Bundesligastadion gesehen habe. Auch der frühere FCK-Profi behält sich Schritte dagegen vor.

sid

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