Vogts: "Alles Spekulatius"

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Berti Vogts

Warschau - Berti Vogts wird als neuer Nationaltrainer Polens gehandelt. Der Ex-DFB-Coach nimmt's mit Humor und findet eine lapidare Antwort.

Berti Vogts weiß noch von nichts. „Ich bin gerade in der Schweiz und von der Information überrascht worden. Ich habe mit keinem Menschen gesprochen. Das ist Fakt“, sagte der ehemalige Bundestrainer dem Sport-Informations-Dienst (SID) am Freitag und kommentierte die heißen Gerüchte aus Polen, er stehe kurz vor einem Engagement als Nationaltrainer des gescheiterten EM-Gastgebers, noch zurückhaltend. Alles sei „Spekulatius, aber die isst man in der Vorweihnachtszeit - nicht jetzt.“

Der umstrittene polnische Verbandspräsident Grzegorz Lato hatte am Donnerstag das Interesse an Vogts bestätigt und dessen Namen auch konkret genannt. Man habe Angebote von zwölf Trainern vorliegen, aber „für uns kommen nur zwei infrage, und das sind Berti Vogts und Waldemar Fornalik.“

„Das Präsidium trifft sich am 27. Juni. Dann werden wir über die beiden Kandidaten diskutieren, und wir werden sehen, in welche Richtung wir gehen“, sagte Lato dem Radiosender RMF FM. Der andere Kandidat soll der Pole Waldemar Fornalik sein. Für den Coach von Ruch Chorzow sprechen sich in einer Online-Befragung der großen Boulevardzeitung Fakt allerdings nur ein Drittel der Leser aus. „Einige sind für den Polen, andere für den Coach aus dem Ausland. Der gesunde Menschenverstand wird siegen“, sagte Lato.

Vogts, der derzeit als EM-Experte für das Schweizer Fernsehen SF im Einsatz ist, sieht ein mögliches Interesse derzeit noch zurückhaltend. „Ich habe einen Vertrag als Nationaltrainer Aserbaidschans, mehr kann ich dazu nicht sagen. Im Fußball ist vieles möglich, aber man weiß ja: Ich erfülle meine Verträge, und an diesem Zweijahresvertrag gibt es nichts zu deuteln“, sagte der 65-Jährige.

Vogts' Kontrakt in Aserbaidschan läuft noch bis Dezember 2013. Der „Terrier“ hatte ihn Ende vergangenen Jahres etwas überraschend verlängert. Als „Entwicklungshelfer“ wolle er in Baku bleiben, sagte er, obwohl er einige Monate zuvor noch von einigen hirnlosen Kritikern beschimpft und tätlich angegriffen worden war. Aber die Arbeit in dem durch die Ölindustrie boomenden Staat am Kaspischen Meer wird glänzend bezahlt, und Vogts muss nur für die Spiele sein Heim in Kleinenbroich am Niederrhein verlassen.

Am 30. Juni jährt sich der größte Erfolg des Trainers Berti Vogts zum 16. Mal. Der EM-Titel von Wembley ist noch immer der bislang letzte große Triumph der Nationalmannschaft. Erich Ribbeck, Rudi Völler und Jürgen Klinsmann blieb das, was dem „Terrier“ gelang, verwehrt. Joachim Löw arbeitet noch daran. Die Polen zur WM 2014 in Brasilien zu führen, wäre für Vogts garantiert eine größere Herausforderung als die Entwicklungshilfe in Aserbaidschan. Mit dem Fußball-Zwerg die WM-Qualifikation zu meistern, ist ausgeschlossen.

Dass Vogts noch voller Enthusiasmus ist, steht für seinen EM-Kapitän von 1996 völlig außer Zweifel. „Berti Vogts ist auch heute noch ein Mann voller Pläne, Visionen und Umtriebigkeit“, sagte Jürgen Klinsmann anlässlich des 65. Geburtstags von Vogts am 30. Dezember 2011: „Er gehört zu den Trainern, die trotz des immensen Tagesgeschäftes auch immer den wichtigen Weitblick haben für die Zukunft.“ Und diesen Weitblick könnte der klar gescheiterte EM-Gastgeber Polen gerade gut gebrauchen.

sid

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