Berlusconi: Milan statt Bunga Bunga

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Berlusconi neben Milan-Urgestein Clarence Seedorf.

Mailand - Silvio Berlusconi plant sein Comeback als Präsident beim AC Mailand: Der Medienzar, der am Samstag vom Posten des italienischen Ministerpräsidenten zurückgetreten war, will sich offenbar wieder verstärkt seiner großen Liebe Fußball widmen.

 Der 75-Jährige möchte nach Ende seiner Amtszeit als Regierungschef nicht in Pension gehen, sondern sich wieder persönlich um Milan kümmern, den Klub, den er seit 1985 besitzt.

„Ich werde wieder die Führung des AC Mailand übernehmen“, kündigte Berlusconi an. Wild spekulieren die Sportgazetten bereits über die Stars, die der fußballverrückte Medienmoguel mit millionenschweren Verträgen möglicherweise verpflichten wird.

„In diesen 26 Jahren war ich der erfolgreichste Klubchef in Italien, wir hätten nicht mehr gewinnen können. Unser Ziel war von Anfang an, mit schönem Spiel zu gewinnen. Wir haben dieses Ziel erreicht, ich bin sofort zu weiteren 20 solchen Jahren bereit“, sagte Berlusconi.

Wegen seiner politischen Verpflichtungen hatte Berlusconi in den letzten Jahren lediglich das Amt des Ehrenpräsidenten im Klub bewahrt, das Tagesgeschäft hatte er seinem Manager Adriano Galliani überlassen.

2004 musste Berlusconi, formell den Bestimmungen eines neuen Gesetzes folgend, das Regierungsmitgliedern die Übernahme von Führungsämtern in Wirtschaftsunternehmen verbietet, auf das Amt des Präsidenten verzichten. Als Mehrheitsaktionär des Klubs hatte Berlusconi allerdings immer noch das letzte Wort im Verein. Seit Jahresbeginn ist auch seine 26-jährige Tochter Barbara in den Aufsichtsrat des Klubs eingestiegen, was die enge Bande zwischen dem Verein und der Familie des Großunternehmers bezeugt.

Ist Berlusconi als Regierungschef an der von der ausufernden Verschuldung Italiens ausgelösten Finanzkrise gescheitert, so wird sich der TV-Tycoon jetzt um die Sanierung der Bilanzen seines Klubs Milan kümmern müssen. „Der Verein kostet die Hälfte des Geldes, das meine Mediengruppe in einem Jahr verdient. Kein Klubchef der Welt leistet die Opfer, die ich aufbringe“, hatte Berlusconi kürzlich geklagt.

Das vergangene Jahr hat der Verein mit einem Minus von 60 Millionen Euro abgeschlossen. Spekulationen, Berlusconi könnte Milan wegen seiner hohen Kosten verkaufen, wies der Mailänder immer wieder zurück.

Neben Galliani gilt Berlusconi als Architekt des Erfolgs der Rossoneri, die in der vergangenen Saison ihren 18. Scudetto geholt hatten. Mit Kevin-Prince Boateng, Zlatan Ibrahimovic und Robinho sowie im Winter Mark van Bommel von Bayern München und Antonio Cassano hat Berlusconi Spieler geholt, die großen Anteil am jüngsten Erfolg hatten.

Um in der Königsklasse weiterhin siegreich sein zu können, muss Berlusconi den alten Kader jedoch weiter verjüngen. „Der Präsident hat uns Geschenke angekündigt“, sagte Coach Massimiliano Allegri. Der Trainer ist ein Verfechter des Offensivfußballs, dazu ist er bei Milan auch verpflichtet. 'Vincere e convincere' (Siegen und überzeugen) lautet ein Berlusconi-Bonmot.

sid

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