Übeltäter fühlt sich nicht schuldig

Benfica-Star nietet deutschen Schiri um

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Schiedsrichter Christian Fischer ging nach dem Bodycheck von Luisao (l.) zu Boden.

Düsseldorf -  Schon wieder ein Skandal in Düsseldorf: Drei Monate nach dem Relegationsspiel gegen Hertha BSC hat es schon vor dem Bundesliga-Start den nächsten skandalösen Vorfall in Düsseldorf gegeben

Diesmal traf die Fortuna allerdings überhaupt keine Schuld: Im Testspiel gegen Benfica Lissabon, das der Höhepunkt der offiziellen Saisoneröffung sein sollte, sorgte Luisao am Samstag für einen unglaublichen Zwischenfall und verursachte damit sogar einen Spielabbruch: Der brasilianische Nationalverteidiger in Diensten des portugiesischen Rekordmeisters rannte in der 43. Minute wutentbrannt auf Schiedsrichter Christian Fischer zu und rammte diesen mit einem Bodycheck zu Boden. Fischer blieb kurze Zeit benommen liegen und brach die Partie nach einigen Minuten ab. In der Kabine musste der Unparteiische aus Hemer vom Mannschaftsarzt der Düsseldorfer versorgt werden.

Luisao war sich kurioserweise keiner Schuld bewusst. „Ich habe ein ruhiges Gewissen und fürchte keine Strafe“, sagte er: „Ich habe keine aggressive Bewegung gemacht, sondern nur versucht, mich vor meine Mitspieler zu stellen, als ich sah, dass der Schiedsrichter zu Boden gefallen war.“

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Nicht nur Herbert Fandel sah das anders. „Dass ein Schiedsrichter in dieser unsportlichen Weise körperlich attakiert wird, ist beschämend und absolut inakzeptabel“, sagte der Vorsitzende der Schiedsrichterkommission: „Zum Schutz unserer Schiedrichter muss gegen derartige Übergriffe mit aller Konsequenz vorgegangen werden.“ Fandel selbst war beim EM-Qualifikationsspiel zwischen Dänemark und Schweden 2007 selbst schon einmal umgerannt worden, allerdings von einem Zuschauer.

Die rund 30.000 Zuschauer in Düsseldorf pfiffen lautstark, als der Spielabbruch bekannt gegeben wurde. Die Fortuna reagierte aber schnell und setzte die zweite Halbzeit als Trainingsspiel zweier Fortuna-Mannschaften fort. Als Schiedsrichter fungierte Co-Trainer Uwe Klein, als Assistenten ohne Fahne Mentalcoach Axel Zehle und Torwarttrainer Manfred Gloger.

Fischer hatte Luisaos Teamkollegen Javi Garcia nach zwei bösen Fouls innerhalb einer Minute gegen Oliver Fink die Gelb-Rote Karte zeigen wollen. Dies hatte den Kapitän Benficas offenbar so erregt, dass er ausrastete. „Das ist das Schlimmste, was ich persönlich je im Fußball erlebt habe, und ich habe schon einiges erlebt“, sagte Fortuna-Präsident Peter Frymuth der Rheinischen Post: „Auch wenn wir als Fortuna völlig unbeteiligt sind, ist es deprimierend, mit so etwas in Verbindung gebracht zu werden. Ich bin entsetzt, dass ein Champions-League-Teilnehmer so auftritt. Das darf es noch nicht einmal in der Kreisklasse geben.“

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Der Schiedsrichter sei „sichtlich angeschlagen, und wir sind todtraurig“, ergänzte Frymuth bei Sport1: „Nach dem, was wir in den vergangenen Monaten durchmachen mussten, ist das eine frustrierende Situation. Das sollte ein Feiertag sein, und dann entsteht so etwas, da ist man einfach nur fassungslos.“

Trainer Norbert Meier, der selbst vor Jahren mit einem vergleichsweise harmlosen Kopfstoß gegen den Kölner Spieler Albert Streit für Schlagzeilen gesorgt hatte, wusste ebenfalls nicht, wie ihm geschah. „Das ist wieder mal was Neues“, sagte er: „Der Schiedsrichter ist nicht von alleine gefallen, er war sogar kurzzeitig weggetreten.“

Der Zwischenfall war auch wieder ein Schlag für die Saisonvorbereitung der Fortuna, die ohnehin vom Prozess-Marathon nach dem Relegationsspiel behindert war. „Das stört die Vorbereitung extrem. Jetzt ist alles auf den Kopf gestellt,“ sagte Meier: „Aber wir können nichts dafür. Und alles, was wir machen konnten, war dieses Spiel mit zwei Fortuna-Teams fortzusetzen, damit die Fans wenigstens ansatzweise das Gefühl bekommen, nicht umsonst gekommen zu sein.“

Präsident Frymuth kündigte aber an, über die Europäische Fußball-Union eine Möglichkeit zur Entschädigung der Zuschauer zu suchen. „Wir werden an die UEFA rantreten und eine Lösung für unsere Fans suchen“, meinte er: „Dafür brauchen wir aber erst einmal Zeit.“

Auch die Spieler waren geschockt. „Ich stand zwei, drei Meter weg. Und dann rennt so ein Schrank auf den Schiedsrichter zu und checkt ihn, da ist ja klar, was passiert“, sagte Kapitän Andreas Lambertz. Axel Bellinghausen meinte: „Bis dahin war es ein normales, faires Spiel, plötzlich habe ich nur gesehen, dass der Schiedsrichter mehr oder weniger ohnmächtig auf dem Boden liegt. Gut, dass er sich wenigstens wieder berappelt hat.“

Im Relegations-Rückspiel am 15. Mai waren in der Nachspielzeit Hunderte von Düsseldorfer Zuschauern auf das Spielfeld gestürmt, sodass Schiedsrichter Wolfgang Stark (Ergolding) die Partie für gut zwanzig Minuten unterbrechen musste, ehe er das Spiel noch einmal für rund 90 Sekunden fortsetzte. Die Fortuna war zunächst zu einem Geisterspiel und 100.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Am Freitag wurde das Urteil in zwei „halbe“ Geisterspiele und 150.000 Euro Geldbuße umgewandelt.

sid

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