Während seiner Laufbahn

Beckenbauer wurde früher von RAF bedroht

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Franz Beckenbauer sieht in Fan-Drohungen wie im Fall Kevin Pezzoni eine Gefahr für den Fußball. Auch er brauchte zu seiner Zeit als aktiver Kicker Polizeischutz.

Köln - Franz Beckenbauer sieht in Fan-Drohungen wie im Fall Kevin Pezzoni eine Gefahr für den Fußball. Aber auch er brauchte als aktiver Kicker Polizeischutz. Seine Sorge wird von der Fußball-Elite geteilt.

Der „Kaiser“ schlägt nach dem Fall Kevin Pezzoni lautstark Alarm: „Das sind keine Fans, das sind Zerstörer. DFB, Liga, die echten Fans und der Staat müssen verhindern, dass diese Typen den Fußball kaputtmachen. Ich sehe eine echte Bedrohung“, sagte Franz Beckenbauer im Interview mit der Bild-Zeitung zu den immer zahlreicheren Auswüchsen der Gewalt im deutschen Fußball.

Attacken und Bedrohungen wie jüngst gegen den beim Zweitligisten 1. FC Köln angefeindeten Profi Pezzoni sind aus Beckenbauers Sicht neben der grundsätzlichen Problematik eine Schattenseite des technischen Fortschritts: „Dank Internet können sich Täter heute innerhalb von fünf Minuten zusammenrotten. Dafür hätten sie früher eine Woche gebraucht.“

Drohungen habe es auch zu seiner Profi-Zeit gegeben, diese seien aber nicht von Fans ausgegangen. „Rund um die WM 1974 gab es konkrete Terror-Drohungen - nicht von Fans, sondern von der Baader-Meinhof-Bande. Meine Familie und ich hatten Personenschutz. Was sich jetzt abspielt, ist eine andere Kategorie von Gefahr“, sagte Beckenbauer.

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Beckenbauers Sorgen teilen große Teile der deutschen Fußball-Elite. Auch die Politik sieht sich gefordert: „Wir dürfen den Fußball nicht alleine lassen“, sagte der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach, der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses in einer Sky-Diskussionsrunde.

Konkrete Aktionen für die Eindämmung der Problematik über die öffentlichen Geißelungen der Hooligans hinaus sind zwei Wochen nach dem Angriff auf Pezzoni allerdings kaum in Angriff genommen. Präsident Martin Kind von Bundesligist Hannover 96 jedenfalls, der in Sachen Gewaltverurteilung auch keine Rücksicht auf Teile der eigenen Anhängerschaft nimmt („Arschlöcher“), mahnte denn auch zu Wochenbeginn nochmals Handlungsbedarf an. „Wir dürfen die Konflikte nicht umgehen. Die Bundesliga und die DFL müssen viel konsequenter handeln“, sagte der 96-Boss dem Spiegel.

Kind hatte zur Bekämpfung der gefährlichen Entwicklung, durch die Geschäftsführer Ulf Baranowsky von der Spieler-Gewerkschaft VdV schon bald Verhältnisse befürchtet „wie in Mexiko, wo schon Spieler zu Tode gejagt wurden“, bereits vor Wochenfrist weitgehende Forderungen gestellt. „Androhung körperlicher Gewalt, das ist eine Grenze, die nicht überschritten werden darf. Wehret den Anfängen. Wir lassen die Spielführer einen langen Spruch vorlesen für Fairness, und das ist die Reaktion? Das geht gar nicht. Da müssen gesetzliche Normen geändert werden. Da müssen wir prüfen, inwiefern wir Strafen und Stadionverbote aussprechen können, ohne dass man es im Einzelfall zu 100 Prozent beweisen kann. Wir müssen in der Lage sein, in einer Massenveranstaltung reagieren zu können, wenn sich da so viele Leute derart austoben“, sagte der Unternehmer im SID-Interview.

Eine rechtsstaatliche „Lex Fußball“ schwebt der Deutschen Fußball Liga (DFL) allerdings nicht vor. „Im ersten Schritt werden die Vereine zusammentragen, was bereits umgesetzt ist und welche zusätzlichen Maßnahmen weiterhelfen - etwa modernste Videotechnologie oder die Ausbildung spezieller Ordnungshüter“, sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball dem Nachrichtenmagazin Focus. Das Auge des Gesetzes soll sich nach Baranowskys Ansicht künftig auch viel stärker auf das Geschehen im Internet richten. „Bei sozialen Netzwerken muss die Staatsgewalt genauer hinschauen“, sagte Ulf Baranowsky, Geschäftsführer der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV): „Hier muss mehr gefiltert werden, was erlaubt ist und was kriminell.“

In der virtuellen Welt bewegen sich zunehmend auch Mitglieder jener Altersgruppe, die Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser vorbeugend für eine friedlichere Bundesliga-Realität gewinnen möchte. Seiner Einschätzung zufolge müsse man zu den Fans schon „im Teenageralter“ Kontakt herstellen: „Wir müssen versuchen, die Leute aufzufangen, bevor sie das Stadion betreten“, sagte Holzhäuser der Welt.

Aus Sicht des Bayer-Managers ist die Hoffnung auf Einsicht bei den Hooligans von heute weniger als gering: „Mit einigen Zuschauern kannst Du nicht reden. Die verhalten sich gesetzeswidrig, da gibt es keine Basis für einen Dialog. Die Leute, die da jetzt über die Stränge schlagen - das ist schon fast eine verlorene Generation.“

SID

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