"Bayern-Spieler lachen schon wieder"

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Ilkay Gündogan berichtete: Die Bayern-Stars lachen wieder.

Stuttgart - Die Vorfreude auf den Fußball-Hit gegen die Ballkünstler aus Brasilien hat bei Bastian Schweinsteiger, Manuel Neuer und Co. alle dunklen Wolken schnell vertrieben.

Trotz der heftigen Bundesliga-Kritik an dem Länderspiel-Termin, trotz der Watsch'n für die Bayern zum Punktspiel-Auftakt und trotz aller Diskussionen um den jüngsten Patzer von Neuer fiebern die deutschen Nationalspieler schon dem Klassiker gegen den fünfmaligen Weltmeister von der Copacabana entgegen. “Bei allen herrscht Vorfreude. Die Bayern-Spieler konnten auch schon wieder lachen“, berichtete Neuling Ilkay Gündogan aus dem DFB-Quartier am Stuttgarter Schlosspark.

Bundestrainer Joachim Löw eröffnete am Montag dort die EM-Saison mit einer kurzen Teamsitzung. Am 1. Juli 2012 soll diese Spielzeit mit dem ersten deutschen Titelgewinn seit dann 16 Jahren beendet werden. Öffentlich sprachen nur der Dortmunder Gündogan und der Gladbacher Marco Reus, die sich beide für den Mittwoch (20.45 Uhr/ARD) Hoffnungen auf ihre Nationalmannschafts-Debüts machen, und der Wahl-Stuttgarter Cacau über Ziele und Wünsche vor der ersten Saisonpartie. “Das ist eine großartige Nation, gegen die wir spielen“, meinte der 21 Jahre junge Reus. “Für mich ist es erst recht etwas Besonderes“, sagte Gündogan (20), der erst im Sommer zu Meister Dortmund gekommen war.

Ganz speziell ist das Duell natürlich für den gebürtigen Brasilianer Cacau. Gleich 60 Tickets hat der Stürmer für die Partie gegen sein Heimatland geordert, Schwiegerpapa und Schwager sind aus Brasilien angereist: “Ein Traum geht in Erfüllung, gegen mein Geburtsland zu spielen“, sagte Cacau, dem die Vorfreude auf sein Auswahl-Comeback nach neunmonatiger Pause anzusehen war. Auch der Neu-Münchner Jérôme Boateng darf mit einem Einsatz gegen Brasilien rechnen. Die leichte Bänderzerrung im rechten Sprunggelenk sehen die DFB-Mediziner nicht als Hinderungsgrund.

Für Löw sind Tests gegen die Großen des Weltfußballs wie jetzt in der mit 54 767 Zuschauern ausverkauften, neu gestalteten Stuttgarter Arena gegen Brasilien Hauptbestandteile der Vorbereitungsstrategie auf die Europameisterschaft 2012 und sogar schon auf die Weltmeisterschaft 2014. Die Niederlande, Frankreich, Argentinien und Italien sind als Testspiel-Gegner schon fest gebucht.

Deshalb sind alle Diskussionen um Sinn und Unsinn der Länderspiel-Termine für den 51-jährigen Löw kein Thema. Finanziell sind solche Partien für den DFB, der am Dienstag den Vertrag mit Hauptsponsor Mercedes-Benz vorzeitig verlängern wird, mit rund sieben Millionen Euro Einnahmen zudem höchst lukrativ.

“Das Länderspiel zum Saisonstart stört nicht. Es ist ein Unterschied, ob es den Termin nach einer WM oder EM gibt. Jetzt ist er sinnvoll. Das ist ein guter Gegner, ein guter Test“, betonte auch Kapitän Philipp Lahm. Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), hatte den Termin nochmals als “Blödsinn, Teil zwei“ abgestempelt. Für Cacau völlig unberechtigt: “Es geht auch um die Vorbereitung für die EM. Ich denke nicht, dass es einen schlechten Zeitpunkt für die Nationalmannschaft gibt.“

Löws Ansprüche sind nach dem Vizetitel bei der EURO 2008 und dem WM-Halbfinal-Aus im vergangenen Jahr in Südafrika längst formuliert: “Wir wollen zunächst einem hohen fußballerischen Anspruch gerecht werden. Mit dem nötigen Quäntchen Glück in einem engen Spiel gewinnst du am Ende den Titel, und mit einem Fehler in einer wichtigen Situation kann das Turnier beendet sein“, betonte der Bundestrainer im verbandseigenen Journal.

Auch für Brasiliens Chefcoach Mano Menezes ist die Partie in Stuttgart ein “wunderbarer Test“. Beim fünfmaligen Weltmeister, der jüngst bei der Copa America mit dem Aus im Viertelfinale enttäuschte, sind mit dem Münchner Luiz Gustavo (erstmals eingeladen) und dem Leverkusener Renato Augusto zwei Bundesliga-Profis dabei.

Nur drei der bisherigen 20 Duelle gegen die Brasilianer konnte Deutschland gewinnen, der letzte Sieg liegt fast 18 Jahre zurück. 1993 in Köln waren noch Lothar Mattäus und Jürgen Klinsmann die Stars, Guido Buchwald und Andreas Möller schossen beim 2:1 die Tore.

Für die große aktuelle Bayern-Fraktion kommt nach dem misslungenen Bundesliga-Start und Neuers Patzer die Vorbereitungsruhe auf Brasilien erst einmal recht. Mit zwei Kleinbussen waren die acht Münchner Nationalspieler plus Reus direkt nach dem Spiel von München nach Stuttgart gereist. “Es war eigentlich alles ganz normal“, berichtete der Gladbacher über die nächtliche Autobahn-Tour.

dpa

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