Bayern-Stars vor Pokal-Duell angespannt

Robben: "Wir haben alles zu verlieren"

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Arjen Robben erwartet gegen den FCK ein schwieriges Spiel.

München - Jupp Heynckes war nicht gerade gereizt, aber die erste Saison-Niederlage hat doch Spuren hinterlassen beim Trainer von Fußball-Rekordmeister Bayern München.

„Es ist nicht die Zeit im Moment, um zu flachsen“, zischte er am Dienstag einen Reporter an, der eine nicht ganz ernst gemeinte Frage zu „Stürmer“ Manuel Neuer stellte. Scherzen, meinte Heynckes, „das können wir machen, wenn wir bei einem Bier oder einem Glas Wein sitzen“. Aber doch bitte nicht vor einem so wichtigen Spiel wie dem am Mittwoch (20.30 Uhr/Sky) in der 2. Runde des DFB-Pokals gegen den 1. FC Kaiserslautern.

„Die haben nichts zu verlieren, wir haben alles zu verlieren. Es wird ein schwieriges Spiel“, sagte Star Arjen Robben. Pokal-Aus? Zu Hause? Gegen einen Zweitligisten? Nicht auszudenken! „Verlieren verboten“, heißt das Motto für die Bayern gegen den Tabellen-Dritten der 2. Liga - und zwar strengstens verboten.

Vor allem, um das 1:2 gegen Bayer Leverkusen als den Ausrutscher erscheinen zu lassen, der es nach Darstellung der Bayern gewesen sein soll. Einen Vergleich zu den dürftigen Leistungen im Herbst 2011 mit drei Niederlagen allein in der Liga dürfe man „nicht anstellen“, sagte Heynckes.

Die DFB-Pokal-Sieger seit 1985

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Überhaupt hatte er keine Lust auf kritische Fragen. Vor dem Spiel gegen Leverkusen „waren wir die Schalen-Bayern und unschlagbar, da haben wir die Liga dominiert. Jetzt wird alles kontrovers diskutiert und dargestellt“, beschrieb er die Lage: „Wir müssen gelassen damit umgehen. Denn eins ist klar: Meine Mannschaft ist gefestigt.“ Nein, er habe „überhaupt keine Bedenken“ - auch, weil weiterhin Harmonie herrsche im Kader und er viel mehr Optionen habe als im Vorjahr.

Von diesen personellen Möglichkeiten will Heynckes gegen den FCK Gebrauch machen. „Mein Credo insgesamt ist es, dass ich Leistungen auch von Spielern berücksichtige, die hinten dran sind“, sagte er - und nahm damit eine umfassende Rotation vorweg. Tom Starke dürfte anstelle von Torwart Manuel Neuer sein erstes Pflichtspiel für die Bayern bestreiten. Weitere Optionen sind die Dauer-Reservisten Rafinha, Anatoli Timoschtschuk und Edeljoker Claudio Pizarro.

Verzichten müssen die Bayern auf Holger Badstuber. Dafür steht Javi Martinez wieder zur Verfügung, Arjen Robben hat seinen ersten, 31-minütigen Einsatz nach überstandener Verletzung gegen Leverkusen gut überstanden. Auch Luiz Gustavo (Pferdekuss) ist wohl dabei. Ob Franck Ribery auflaufen kann, konnte und wollte Heynckes erst nach dem Abschlusstraining entscheiden.

Egal, wer spielt, seine Mannschaft habe „eine Verpflichtung“, motiviert aufzutreten, sagte Heynckes - schließlich werden 71.000 Zuschauer in der Münchner Arena erwartet. Die Bayern-Fans unter ihnen beruhigte Heynckes mit seiner Einschätzung, es seien nur „Kleinigkeiten, wo wir uns verbessern müssen“. Welche das sind, präzisierte Bastian Schweinsteiger. Kompaktheit, Standards - „da müssen wir auf jeden Fall noch besser werden“. Speziell die Ecken seien „zu ungefährlich“, kritisierte der Vize-Kapitän.

DFB-Pokal-Sensationen seit 1990

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Dass der FC Bayern gegen die „Roten Teufel“, die in der 2. Liga noch unbesiegt sind, stolpert, wagt sich an der Isar aber niemand vorzustellen. Zumal dem FCK in Kapitän Albert Bunjaku (Knie) einer seiner wichtigsten Stützen fehlt. „Kaiserslautern spielt mit großem Einsatz und Leidenschaft Fußball“, hat Heynckes am Freitag vor dem Fernseher beim 3:3 der Pfälzer in Köln beobachtet, das ihn „sehr beeindruckt“ habe. „Wir haben ein großes Stück Arbeit vor uns.“

Lautern reist als krasser Außenseiter und mit großer Demut nach München. Die Devise lautet, sich achtbar zu schlagen. 15 Jahre nach dem letzten Sieg in München - zu Beginn der Meistersaison 1997 unter Otto Rehhagel - wollen die Lauterer keinesfalls als Spielbälle der bayerischen Stars wieder in die so stolze Pfalz heimkehren. „Wir klopfen keine großen Sprüche. Von zehn Spielen gegen die Bayern verlieren wir vielleicht neun“, befand Trainer Franco Foda. Immerhin mit dem kleinen Nachsatz: „Eventuell ist am Mittwoch das eine Spiel.“

7000 Anhänger begleiten den FCK in die ausverkaufte Allianz Arena. Foda war bereits am Wochenende gegen die Werkself da, als Bayerns Serie von saisonübergreifend elf nacheinander gewonnenen Bundesligapartien jäh endete. „Leverkusen hat aus einer kompakten Abwehr heraus gespielt, war meistens mit zehn Mann in der eigenen Hälfte“, berichtete Foda. Eine Marschroute, die er auch seinem Team mitgeben dürfte.

SID/dpa

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