FC Bayern muss zurück an Ort des Grauens

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Arjen Robben war nach der Niederlage vom Samstag am Boden zerstört

München - Nur 68 Stunden nach dem Tiefschlag gegen den FC Chelsea müssen Bastian Schweinsteiger und Co. zurück in die Arena - für ein Fußballspiel gegen die Niederlande. Für einige Spieler ist es der Abschied.

“Es wäre ein schönes Spiel geworden, wenn wir das Finale gewonnen hätten. Da wäre das so ein richtig schöner Saisonabschluss“, bemerkte Präsident Uli Hoeneß. Lahm, Schweinsteiger, Neuer und der “Pott“ - noch einmal hätten sich die Bayern-Profis in einer dann vermutlich sogar ausverkauften Allianz Arena abfeiern lassen können als Europas Beste.

Jetzt kann stattdessen nur noch ein Schlussstrich unter den langwierigen und leidigen Streit zwischen den Bayern und dem “Koninklijke Nederlandse Voetbalbond“ wegen der schweren Verletzung von Arjen Robben bei der WM 2010 gezogen werden.

Ein halbes Jahr war Bayerns Flügelflitzer nach dem Südafrika-Trip verletzt ausgefallen. Die Vorstände und medizinischen Abteilungen des deutschen Rekordmeisters und des niederländischen Verbandes überzogen sich mit gegenseitigen Vorwürfen und teilweise auch Beleidigungen.

“Das war eine ganz schwierige Situation, eine ganz schwierige Geschichte“, sagte Robben zu dem Konflikt, bei dem er als Spieler zwischen die Fronten geraten war. Den Bayern bringt das an eine Agentur verkaufte Kompensationsspiel einen “signifikanten Betrag“ im siebenstelligen Bereich “zwischen null und fünf Millionen Euro“, wie es jüngst bei einer Pressekonferenz in München hieß.

Für Hauptdarsteller Robben wird es drei Tage nach seinem folgenschweren Elfmeter-Fehlschuss in der Verlängerung gegen Chelsea auch kein Vergnügen. “Vielleicht spiele ich mit beiden Mannschaften“, hatte er ursprünglich gesagt. Doch Bondscoach Bert van Marwijk, der nie seine Abneigung gegen das Spiel verhehlt hatte, hat mit Robben andere Pläne. “Es ist vertraglich festgelegt, dass er spielen muss. Aber es steht nirgendwo, wie lange“, verkündete van Marwijk im EM-Vorbereitungscamp der Niederländer in Lausanne. “Ich bin der einzige, der bestimmt, wann er reinkommt“, betonte der Bondscoach.

Die Holländer beschränken ihren Aufenthalt in München auf das Nötigste. Erst wenige Stunden vor dem Anpfiff reisen sie aus der Schweiz ein und fliegen am Mittwochmorgen gleich wieder zurück.

Die Bayern sind derweil vor dem Saisonabschluss, bei dem verdiente Profis wie Ersatztorhüter Jörg Butt (wird Jugendchef) verabschiedet werden, auch mit wichtigeren Themen beschäftigt. Die Aufarbeitung der Saison mit drei zweiten Plätzen beschäftigt Trainer und Vereinsführung. “Wir müssen uns hinterfragen“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. Hoeneß begann damit, eine Diskussion auch über seinen Freund Jupp Heynckes im Keim zu ersticken. “Wir sollten nicht anfangen, Fehler beim Trainer zu suchen“, mahnte der Präsident im “Kicker“ (Montag).

Der Spielerkader muss dagegen nach dem zweiten titellosen Jahr nacheinander mindestens angepasst werden. “Unsere Bank muss besser werden“, erklärte Hoeneß. Franz Beckenbauer hält ebenfalls eine “Auffrischung“ für nötig. Fix sind bislang Torwart Tom Starke (Hoffenheim) als neue Nummer zwei hinter Manuel Neuer, der Brasilianer Dante (Mönchengladbach) als Ergänzung für das Abwehrzentrum und Xherdan Shaqiri (FC Basel) für das Mittelfeld.

Neu gehandelt wird Javi Martinez (23) von Athletic Bilbao für das defensive Mittelfeld. Dazu bleibt eine ablösefreie Rückkehr von Claudio Pizarro aus Bremen nach München ein Thema.

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dpa

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