Borussen-Jagd: Hoeneß ist noch "ganz ruhig" 

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Die Bayern sind momentan auf dem dritten Platz, hinter Dortmund und Gladbach.

München - Der Kampf an der Spitze ist hart: Gleich vier Mannschaften kämpfen um Meisterschaft und Champions-League Plätze. Uli Hoeneß lässt sich dennoch nicht aus der Fassung bringen.

Uli Hoeneß schien genervt. Als der Präsident des FC Bayern München vergangene Woche im “Aktuellen Sportstudio“ zur Lage der Liga gefragt wurde, adelte er Borussia Mönchengladbach zum Titelkandidaten und sprach davon, dass die Mannschaft von Lucien Favre eine “dieser Überraschungsmannschaften“ werden könnte. “Diese Überraschungsmannschaften“, das klang despektierlicher, als es gemeint war.

Nicht nur, dass sich die Bayern seit Jahren immer wieder im Wechsel mit Bremen, Leverkusen und jüngst Dortmund herumschlagen müssen, nein, immer wieder brechen Mannschaften in die Phalanx derer ein, die den Rekordmeister in dessen Selbstverständnis ärgern: Kaiserslautern 1998, Wolfsburg 2009, jetzt also auch Mönchengladbach.

“Eine Katastrophe“

Läuft es schlecht an diesem Wochenende, dürfte sich Hoeneß' Laune weiter verschlechtern. Denn die ersten Vier der Tabelle stehen sich am Samstag in direkten Duellen gegenüber. Gladbach empfängt Meister Dortmund, der FC Bayern den alten Rivalen aus Bremen. Ein ähnlich brisantes Topspiel-Wochenende gab es bereits vor zwei Wochen - und aus Sicht von Karl-Heinz Rummenigge endete es “sehr schlecht“ für die Bayern. Jürgen Klopp und seine Meistermannschaft gewannen in München (1:0), Gladbach schoß Bremen 5:0 aus dem Stadion. Statt acht Punkten Vorsprung nach dem Spieltag schmolz der Vorsprung der bis zu diesem Zeitpunkt als “unschlagbar“ geltenden Münchner auf zwei. Nach der Niederlage in Mainz (2:3) gehen die Bayern nun gar als Verfolger ins Wochenende, auf Platz drei liegend mit einem Punkt Rückstand. “Eine Katastrophe“, wie Thomas Müller das Seelenleben an der Säbener Straße plakativ umschrieb.

Aus dem einen Punkt könnten am späten Samstagnachmittag sogar vier werden, sollte die Negativserie der Bayern mit zuletzt zwei Niederlagen in Folge weiter anhalten und das Borussen-Duell in Mönchengladbach einen Sieger hervorbringen. “Wir haben Respekt vor Dortmund, aber keine Angst“, sagt Gladbachs Erfolgstrainer Lucien Favre, der wie alle Fans des Tabellenzweiten auf einen Einsatz von Marco Reus hofft. Der zuletzt in bestechender Form agierende Nationalspieler erlitt beim souveränen Derbysieg in Köln (3:0) vergangene Woche einen Zehenbruch, sein Einsatz bleibt fraglich und wird wohl erst kurz vor dem Anpfiff entschieden. “Vielleicht trete ich ihm vor dem Spiel auf den Fuß“, kommentierte Jürgen Klopp lachend mit der Lockerheit von sieben Siegen aus den letzten acht Saisonspielen.

Pizarro kann spielen

Möglicherweise wählt Bayerns Trainer Jupp Heynckes eine ähnliche Taktik und sucht vor Anpfiff den Kontakt zu Claudio Pizarro. Bremens Topstürmer und bester Torschütze (elf Tore), zuletzt ausgefallen, gab vor dem Duell in München grünes Licht für einen Einsatz (“Ich habe keine Schmerzen mehr“). Heynckes plagen im Gegensatz zu den Bremern Personalsorgen. Aufgrund von Sperren (Timoschtschuk), Verletzungen (Schweinsteiger) und Formschwächen (Robben) muss er seine Startelf wohl erneut umkrempeln. So könnte Kapitän Philipp Lahm eine Gelegenheit erhalten, den weiter schmerzlich vermissten Mittelfeldstrategen Bastian Schweinsteiger im defensiven Mittelfeld zu vertreten.

“Sie sind in Sichtweite“, sagt Bremens Manager Klaus Allofs in Richtung des Rekordmeisters vor der Partie keck. Selbst der FC Schalke könnte mit einem Heimsieg gegen den FC Augsburg (Sonntag, 17.30 Uhr) bei entsprechenden Resultaten am Samstag zum Spitzenquartett aufschließen. Immerhin wäre Schalke dann keine “dieser Überraschungsmannschaften“ im Hoeneß'schen Sinne. “Ich bin ganz ruhig“, sagte Hoeneß am Freitag. Er hat wohl das “noch“ vergessen.

AP

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