"Bayern ist der große Verlierer"

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Franz Beckenbauer

München - In der Bundesliga bahnt sich der spannendste Meisterschaftskrimi seit 20 Jahren an - und ausgerechnet Top-Favorit Bayern München hat mit dem 1:3-Patzer in Mönchengladbach die Steilvorlage gegeben.

 “Der FC Bayern ist der große Verlierer“, sagte Fußball-Kaiser Franz Beckenbauer am Sonntagabend in Sky 90 beim Blick auf die Tabelle. Titelverteidiger Borussia Dortmund war gerade durch die beeindruckende 5:1-Gala beim Hamburger SV bis auf vier Tore an den punktgleichen Spitzenreiter aus München herangestürmt. Dritter mit ebenfalls 37 Zählern ist der FC Schalke 04, und nur einen Zähler dahinter lauert schon Bayern-Bezwinger Borussia Mönchengladbach (36).

“Das ist kein Alleingang der Bayern, sondern eine Viererbande. Aber es bleibt spannend - und das ist gut“, ergänzte Beckenbauer. Zuletzt war es in der Saison 1991/92 so eng an der Spitze: Eintracht Frankfurt, der VfB Stuttgart und Borussia Dortmund gingen damals in dieser Reihenfolge gleichauf in den letzten Spieltag. Frankfurt verlor in Rostock, Dortmund gewann in Duisburg, wurde aber sieben Minuten vor Schluss noch abgefangen, als Guido Buchwald seinen VfB in Leverkusen noch zum Sieg und damit zum Titelgewinn köpfte.

Nun sind sogar drei Bayern-Jäger auf Schlagdistanz - und sagen dem Starensemble mehr oder weniger offen den Kampf an. “Bayern ist und bleibt der Favorit“, meinte BVB-Nationalspieler Kevin Großkreutz nach dem zwölften Spiel in Serie ohne Niederlage. Um fast im selben Moment zu ergänzen: “Damit haben wir ein deutliches Zeichen für uns selbst gesetzt. Wir müssen nur weiter unser Ding durchziehen. Und wenn wir so weitermachen, wird es sehr schwer sein, uns zu schlagen.“

Trainer Jürgen Klopp lobte lieber die Gladbacher Borussia für ihre taktische Meisterleistung gegen die Bayern. “Das war der Beweis, dass eine Mannschaft, die ihren Plan komplett durchzieht, erfolgreich sein wird“, betonte er. Und fügte auf seine Borussia gemünzt hinzu: “Gehen wir unseren Weg weiter, werden wir am Ende auch dafür belohnt.“

Auf Schalke, das beim 3:1 gegen Stuttgart ebenfalls überzeugen konnte, hatte Torjäger Klaas Jan Huntelaar in der Winterpause mit der Aussage “Natürlich können wir Meister werden!“ für Aufsehen gesorgt. Sportchef Horst Heldt hält den Ball nun verbal aber lieber flach. “Wir bleiben dabei, dass wir uns nicht als Meisterschaftskandidaten sehen“, sagte er dem “Kicker“ (Montag). Sein Gladbacher Kollege Max Eberl will gar erst die im Normalfall den Klassenverbleib bedeutende 40-Punkte-Marke erreichen. “Dann können wir über andere Ziele reden.“

Nur keine Panik lautet indes das Motto in München. “Wir lassen uns von der Niederlage nicht aus der Bahn werfen. Wir sind nach wie vor Erster“, meinte Nationalspieler Toni Kroos. Coach Jupp Heynckes (“Wir haben nie von einem Alleingang gesprochen“) blieb gelassen und gab seinen Profis übers Wochenende bis Montagnachmittag trainingsfrei.

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“Wir werden die sportliche Antwort genauso wie in der Vorrunde geben“, verkündete Sportdirektor Christian Nerlinger. Zur Erinnerung: Auf das 0:1 an Spieltag 1 folgten sechs Siege mit 21:0 Toren, während die schon beim starken 3:1-Hinspielsieg über den HSV hochgelobten Dortmunder am zweiten Spieltag 0:1 in Hoffenheim verloren. Und genau dieser “Angstgegner“, gegen den zuletzt in sieben Duellen nur ein Sieg gelang, gibt am Samstag in Dortmund seine Visitenkarte ab.

dpa

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