Bayern genervt: "Extrem besch..."

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Thomas Müller blieb ebenfalls beim Spiel in Mönchengladbach glücklos.

Mönchengladbach - Ernüchterung statt Euphorie: Herbstmeister Bayern München hat zum Rückrundenauftakt der Bundesliga einen Fehlstart hingelegt. Besonders genervt ist Thomas Müller.

Thomas Müller war so richtig bedient, als er den völlig verkorksten Rückrundenstart des FC Bayern in Worte fasste. „Wir sind extrem beschissen gestartet, zwischendrin war's okay, dann war's wieder beschissen, dann war's wieder bemüht, und dann war's nochmal beschissen“, sagte der Nationalspieler über die hochverdiente 1:3 (0:2)-Niederlage des Rekordmeisters bei Verfolger Borussia Mönchengladbach. Tabellenführer sind sie noch - und trotzdem fühlen sich die Münchner „beschissen“ (nochmal Müller).

„Wir sind noch nicht da, wo wir sein müssen“, musste auch Superstar Arjen Robben selbstkritisch eingestehen. Die große Euphorie der vermeintlich besten Vorbereitung im sonnigen Doha/Katar war da längst der Ernüchterung des grauen Liga-Alltags gewichen. Ohne Tempo und Ideen, dafür mit vielen Ballverlusten - der Motor des Favoriten stockte zum Start der Jagd nach dem Triple gewaltig.

„Wir haben gesehen, dass wir noch etwas tun müssen. Wir müssen den Schalter schnell umlegen. Uns sind einfach zu viele Fehler im Aufbauspiel unterlaufen“, sagte Bastian Schweinsteiger. Der Nationalspieler gab nach überstandenem Schlüsselbeinbruch und elf Wochen Pause ein durchwachsenes Comeback, erzielte den Ehrentreffer (76.).

Verantwortlich für den „beschissenen Start“ war Nationaltorhüter Manuel Neuer, dessen Fehlpass zum 1:0 durch Marco Reus (11.) geführt hatte. „Er versucht, den Ball schnell wieder ins Spiel zu bringen. Dann passieren solche Aktionen. Er müsste etwas das Tempo rausnehmen, ruhiger, etwas bedächtiger, etwas konzentrierter sein. Das ist sein Problem“, tadelte Trainer Jupp Heynckes.

Neuer gab sich einsichtig. „Das war eine Einladung. Ich wollte den Ball lang nach rechts vorne schlagen, Richtung Robben und Müller. Durch meinen Fehlpass habe ich die Niederlage eingeleitet. Das ist bitter“, sagte er.

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Heynckes wollte Neuers Aussetzer aber nicht als Grund für die Niederlage gelten lassen. „Ich mache meiner Mannschaft den Vorwurf, dass sie es nicht verstanden hat, weniger Ballverluste zu haben“, sagte er. Vor dem zweiten Gegentreffer durch Patrick Herrmann (41.) verlor Robben in der gegnerischen Hälfte den Ball. Gladbach bestrafte nicht nur diesen Fehler eiskalt und zeigte sehenswerten Konterfußball gegen teils hilflose Münchner, die auch beim 0:3 durch den starken Herrmann (71.) schlecht aussahen.

Heynckes räumte ein, dass man die Durchschlagskraft habe vermissen lassen, die Tempodribblings des gesperrten Franck Ribery wurden schmerzlich vermisst. Dennoch soll es schon gegen den VfL Wolfsburg besser werden. „Wir lassen uns nicht aus der Bahn werfen“, sagte Toni Kroos nach der fünften Niederlage: „Und wenn wir am Ende mit zehn Niederlagen Meister sind, ist mir das auch egal.“

Auf dem Weg dahin fehlt vorerst Daniel van Buyten. Der Innenverteidiger hat einen Mittelfußbruch erlitten und fällt bis zu acht Wochen aus. Im Sommer wollen die Bayern einen Spieler für diese Position holen, dass sie das vorziehen, gilt als unwahrscheinlich. „Wir haben mit Jerome Boateng einen Spieler, der in erster Linie für diese Position verpflichtet worden ist. Zudem können Luiz Gustavo und Anatolij Timoschtschuk die Position spielen. Ich gehe deshalb nicht von Transfers aus“, sagte Sportdirektor Christian Nerlinger.

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Das Überraschungsteam aus Gladbach hat sich derweil auch durch die in der Winterpause angekündigten Wechsel von Reus (Dortmund) und Roman Neustädter (Schalke) nicht aus der Erfolgsspur bringen lassen und liegt nur noch einen Zähler hinter den Bayern. „Wir haben gezeigt, dass wir dem Druck standhalten. Das beweist unsere Klasse. Wir halten einiges aus. Unsere große Stärke ist der Zusammenhalt“, sagte Stürmer Mike Hanke.

Seit mehr als zehn Monaten sind die Gladbacher zu Hause ungeschlagen, doch Herrmann warnte vor zu hohen Erwartungen: „Es ist noch ein bisschen früh, um über Titelkampf zu reden.“ Heynckes ist allerdings überzeugt davon, dass seine alte Liebe in der kommenden Saison „mit Sicherheit europäisch spielt“.

Reus wird dann nicht mehr dabei sein. Dennoch wurde er von den Fans herzlich empfangen. „Nachdem ich den Wechsel bekannt gegeben habe, habe ich mich wieder voll auf die Rückrunde konzentriert und nur das Spiel gegen Bayern im Kopf gehabt. Ich war fokussiert und wollte unbedingt gewinnen“, meinte Reus. Das ist eindrucksvoll gelungen.

sid

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