Bayern "extrem gefordert" - Schweinsteiger als Bank-Trumpf

München - Der Druck ist riesig: 67 Tage vor dem Heimfinale in München darf das Achtelfinal-Rückspiel gegen Basel für die Bayern nicht schon zum Endspiel in der Champions League werden.

Das 0:1 des Hinspiels ist ein “gefährliches Ergebnis“. Schweinsteiger ist Trumpf auf der Bank.

Ausscheiden? Gegen Basel? Nach der befreienden Tor-Explosion gegen Hoffenheim ist beim FC Bayern München ein den gesamten Verein erschütternder Champions-League-K.o. gegen die beste Fußball-Mannschaft der Schweiz nahezu unvorstellbar geworden. “Das 7:1 kam zum richtigen Zeitpunkt“, erklärte Trainer Jupp Heynckes vor dem Achtelfinal-Rückspiel gegen den Champions-League-Emporkömmling FC Basel am Dienstag (20.45 Uhr/Sky) in der ausverkauften Allianz Arena.

Das Erweckungserlebnis in der Bundesliga hat in München die Selbstzweifel schlagartig beseitigt und einen Stimmungsumschwung herbeigeführt. Und das Bundesliga-Schützenfest hat der Mannschaft klar vor Augen geführt, wie Ziele gemeinsam zu erreichen sind. “Wir haben gegen Hoffenheim eine sehr homogene Leistung gezeigt, das ist wichtig“, hob Heynckes am Montag die Bedeutung des Kollektivs hervor. Der 66-Jährige sieht sein Team “extrem gefordert“ gegen Basel: “Wir wollen ins Viertelfinale, deshalb brauchen wir eine Top-Leistung.“

67 Tage vor dem Heimfinale am 19. Mai darf das große Ziel nicht verbaselt werden, wie Uli Hoeneß seinen Stars einschärfte. “Wenn wir ausscheiden, ist es schwierig, diese Saison noch gut zu machen“, sagte der Präsident. Dieser Erfolgszwang erzeuge einen “immensen Druck auf den Schultern der Bayern-Spieler“, kommentierte Basels Trainer Heiko Vogel, der als ehemaliger Münchner Jugend-Coach das Innenklima bei seinem früheren Arbeitgeber bestens kennt: “Mut wird in dem Spiel ein entscheidender Faktor sein - auf beiden Seiten.“

Das späte Siegtor von Valentin Stocker im Hinspiel hat den Bayern “ein gefährliches Ergebnis“ beschert, wie Nationaltorhüter Manuel Neuer warnte: “Es wird wichtig sein, dass wir die Null halten.“ Eine “gute Balance“ aus der Angriffswucht mit Robben und Ribéry sowie der Defensivarbeit verlangt Heynckes. “Wir wissen, dass wir gewinnen müssen - aber nicht mit Hauruck-Fußball“, mahnte Toni Kroos.

Dem Nationalspieler kommt im zentralen Mittelfeld eine Schlüsselrolle zu, da Heynckes das Risiko mit Bastian Schweinsteiger in der Startelf nach dessen Fußverletzung scheut. Der Vize-Kapitän könne als Trumpf in der Hinterhand auch von außen “Impulse“ geben, bemerkte der Coach. “Natürlich bin ich heiß und will spielen“, sagte Schweinsteiger selbst. Aber er werde nicht “sauer“ reagieren, wenn Heynckes ihn nicht von Beginn an bringe. “Wichtig ist, dass die Mannschaft gewinnt und der Verein seine Ziele erreicht. Ob ich spiele, ist sekundär“, erklärte Schweinsteiger ohne jeden Egoismus.

Auf die Zähne beißen muss Torjäger Mario Gomez, um dessen Fitness sich Heynckes wegen einer schmerzhaften Fleischwunde am Schienbein am Montag noch sorgte. Auch Gomez erklärte die Hoffenheim-Darbietung zur Marschroute gegen Basel: “Wir müssen mit dieser Entschlossenheit, diesem Willen und diesem Engagement in das Spiel und die Zweikämpfe gehen, dann werden wir in die nächste Runde einziehen.“

So unterwürfig wie vor einem Jahr bei ihrer 0:3-Niederlage im Gruppenspiel werden sich die Basler in der Allianz Arena wohl kaum noch einmal präsentierten. “Ich werde meiner Mannschaft nicht sagen, stellt euch hinten rein und mauert!“, kündigte Cheftrainer Vogel an.

Gemeinsam mit den früheren Bundesligaprofis Marco Streller und Alexander Frei präsentierte sich der junge Chefcoach bei der Pressekonferenz im Stadion locker und zu Großem entschlossen. “Der ersten Druckwelle des FC Bayern gilt es Stand zu halten. Dann haben wir in unseren Reihen genug 'lucky puncher', die ein Tor erzielen können“, erklärte der Nachfolger von HSV-Coach Thorsten Fink.

Seit 13 Pflichtspielen ist der FC Basel ungeschlagen. Auch Manchester United haben der künftige Bayern-Profi Xherdan Shaqiri und seine Kollegen schon ausgeschaltet. “Das Spiel ist für uns ein Jahrhundertspiel - wir können nur gewinnen“, erklärte Kapitän Streller. Sturmpartner Frei hofft auf eine weitere Schweizer Sternstunde: “Es braucht ganz viel Schwein und ein nächstes Wunder.“

dpa

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