Bayern- und BVB-Stars machen Löw Sorgen

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Joachim Löw mit Philipp Lahm

München - Das Traumfinale im DFB-Pokal zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund bremst Joachim Löw beim Start der deutschen Nationalmannschaft in die EM-Vorbereitung aus.

Joachim Löw muss improvisieren. Das Traumfinale im DFB-Pokal zwischen den Bayern und Borussia Dortmund bremst den Bundestrainer beim Start seiner EM-Mission aus. Löw wird am 11. Mai nur mit einer kleinen Schar von Fußball-Nationalspielern in das erste Trainingslager nach Sardinien aufbrechen können, denn bis zu 16 (!) heiße Kandidaten für das Turnier in Polen und der Ukraine werden ihm bei seinem offiziellen EM-Startschuss nicht zur Verfügung stehen.

“Wir müssen die Vorbereitung sehr flexibel gestalten“, hatte DFB-Teammanager Oliver Bierhoff bereits vor Wochen prophezeit. Allein zwölf potenzielle EM-Teilnehmer - acht von Bayern, vier des BVB - stehen sich am 12. Mai im Berliner Pokalendspiel gegenüber. Auch die im Ausland beschäftigten Fixgrößen Mesut Özil, Sami Khedira (Real Madrid) und Miroslav Klose (Lazio Rom) sowie der derzeit verletzte Abwehrchef Per Mertesacker (FC Arsenal) werden anfangs auf der italienischen Ferieninsel fehlen. Denn die Ligen in Spanien, Italien und England absolvieren erst am 13. Mai den letzten Spieltag.

Schwerwiegender für Löw als das Pokalfinale würde allerdings wiegen, wenn die Bayern auch noch ins Champions-League-Heimfinale am 19. Mai in München einziehen. Dann würden die acht Münchner Akteure (Neuer, Lahm, Badstuber, Boateng, Schweinsteiger, Kroos, Müller, Gomez), die den Stamm in Löws EM-Wunschelf stellen, Sardinien ganz verpassen und darüber hinaus auch die erste Phase des zweiten Trainingslagers in Südfrankreich (18. bis 30. Mai) versäumen.

“Wenn Spieler von uns in der Champions League möglichst lange dabei sind, ist das gut“, hatte Löw jedoch bislang stets betont. “Man hofft, dass die Bayern ins Champions-League-Finale kommen, auch wenn es für uns eine verkürzte Vorbereitung bedeuten würde“, erklärte auch Bierhoff. Löw hat 2010 bewiesen, dass er improvisieren kann. Vor der WM in Südafrika standen die Bayern ebenfalls im DFB-Pokalfinale und im Champions-League-Endspiel.

Auf dem Weg ins Heimfinale der Königsklasse könnten die Bayern im Halbfinale auf Real Madrid treffen. Für Löw hieße die Alternative dann: Längerer Verzicht auf seine acht Bayern-Akteure oder auf die zwei Real-Stars Özil und Khedira. Ein besonderes Ärgernis für den Bundestrainer in der Vorbereitung stellt noch ein Freundschaftsspiel des FC Bayern gegen die niederländische Nationalmannschaft am 22. Mai in München dar. Die Partie dient zur finanziellen Kompensation der Bayern für den langen Ausfall von Arjen Robben nach der WM 2010.

Löw würden größere Komplikationen in der Vorbereitung auf jeden Fall stören. Denn die gezielte Arbeit mit seiner Mannschaft über mehrere Wochen war für den akribischen Chefcoach bislang stets eine zentrale Grundlage für eine erfolgreiche EM oder WM. “Wir werden uns gut vorbereiten und ein gutes Turnier spielen“, versprach Löw trotz der möglichen Komplikationen selbstbewusst.

Angesichts des Rumpfaufgebotes zum Start der EM-Vorbereitung dürfte der 52-Jährige seine Ankündigung wahr machen, Anfang Mai zunächst wieder mehr als 23 Akteure für den vorläufigen EM-Kader zu nominieren. Denn die Finalspiele der Vereine am Saisonende bergen immer auch ein hohes Ausfallrisiko: Vor der WM 2010 verletzte sich der damalige DFB-Kapitän Michael Ballack im englischen Pokalfinale schwer am Fuß und fiel für Südafrika aus - Joachim Löw ereilte die Schreckensnachricht damals im EM-Trainingslager auf Sizilien.

dpa

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