Bayern im Champions-League-Halbfinale

Hoeneß: "Sensationelle Leistung"

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Turin - Garganalli in Muschelsoße, Beef Stroganoff und Anti Pasti auf dem Speiseplan, Lobeshymnen aus den Kehlen der Verantwortlichen: Das Bayern-Bankett nach dem Triumph von Turin war ein voller Erfolg.

Der Einzug ins Halbfinale in der Champions League ist geschafft, und ihren Wunschgegner haben die Bayern-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge bei einem Gläschen Rotwein auch schon gefunden. „Dortmund wäre jetzt schön“, berichtete der stolze Präsident Hoeneß von den nächtlichen Experten-Gesprächen beim Bankett im Salone delle Feste im noblen Mannschaftshotel in Turin. „Wir wollen ins Endspiel. Und wenn Sie mich fragen, ich glaube, Dortmund wäre der Gegner, bei dem wir am meisten Chancen haben. Meinen Sie, dass Dortmund besser ist als Real oder Barcelona? Ich glaube nicht.“

FC Bayern München, Borussia Dortmund, Real Madrid und FC Barcelona lautet die erlesene Auswahl für das Halbfinale der Champions League, das an diesem Freitag in Nyon ausgelost wird. So souverän wie der deutsche Fußball-Rekordmeister, der dem 2:0 zu Hause auch ein 2:0 bei Juventus Turin folgen ließ, schaffte es kein anderes Team in diese Vorschlussrunde. „Es ist eine fantastische Woche. Am Samstag sind wir deutscher Meister geworden. Und vier Tage später, was ja nicht so ganz einfach ist, haben wir die Spannung hochgehalten und wieder diese Gier gezeigt. Die Mannschaft spielt eine großartige Saison“, lobte Vorstandschef Rummenigge in seiner Bankettrede kurz nach Mitternacht.

Die über 300 Bankettgäste durften sich zur Feier des „wunderbaren Moments“ (Rummenigge) Garganelli in Muschelsoße, Beef Stroganoff oder Antipasti schmecken lassen. In Spielerkreisen gab es hier und da ein Glas Bier, Arjen Robben verabschiedete sich mit einem Glas Rotwein in der Hand in die Nacht. „Lassen wir uns abwarten, was am Freitag das Los bringt“, erklärte der Niederländer und nippte kurz an seinem Glas. Bevor er den Hotellift bestieg, prognostizierte er aber schon einmal große Semifinal-Duelle. „Jetzt wird es Feuerwerk geben. Die zwei Halbfinale werden super.“

Der Champions-League-Sieger, so viel ist schon jetzt klar, kommt aus einer der beiden zuletzt dominierenden Fußball-Nationen. Erstmals stehen zwei deutsche Teams im Halbfinale - und praktisch die kompletten Nationalteams der beiden Länder. „Im Moment sind der deutsche und der spanische Fußball eindeutig die Nummer 1 in Europa und es ist kein Zufall, dass die vier Mannschaften im Halbfinale sind“, betonte Hoeneß und war „total“ stolz auf seine Bayern.

„Ich finde es für den deutschen Fußball natürlich schön, wenn zwei Mannschaften im Halbfinale sind“, führte der Präsident aus. Ein Glückslos sind die Münchner dabei sicher für keinen. „Ich kann mir schon vorstellen, dass wir nicht gerade ein Wunschgegner für andere Mannschaften sind“, erklärte Trainer Jupp Heynckes und hofft auf einen anderen Gegner als Hoeneß: „Wenn wir im Halbfinale auf Dortmund treffen würde, wäre auf jeden Fall eine deutsche Mannschaft im Finale. Aber es wäre schön, wenn wir später aufeinandertreffen würden.“ Heynckes blickt der Auslosung „ganz locker und gelöst“ entgegen.

Alles ist möglich für den frisch gekürten deutschen Meister FC Bayern: Der große Triple-Triumph, aber auch eine neuerliche Demütigung durch die Dortmunder Borussia, die den Münchnern in den vergangenen zwei Jahren schon jede Menge Schmerzen zugefügt hatte. Dass Hoeneß sich nun den BVB als liebsten Halbfinalgegner wünschte, war ein Zeichen des weiter gestiegenen großen Selbstvertrauens. Die Fallhöhe wäre hoch: Denn wie viel zählt der Meistertitel oder das Double, wenn der FC Bayern in der Königsklasse ausgerechnet gegen Jürgen Klopp & Co. ausscheidet?

Aber an ein solches Szenario glaubt beim FC Bayern dieser Tage niemand. Vielmehr ist selbst der FC Barcelona mit Superstar Lionel Messi keine unerreichbare Übertruppe mehr, die nur an einem Sahnetag zu besiegen ist. „Sie haben ein bisschen von ihrem Nimbus verloren“, befand Hoeneß nach dem 1:1 der Katalanen gegen Paris St. Germain. Stattdessen könnten die Münchner nun wie 2001 die Champions League gewinnen - findet zumindest der italienische Rekordmeister.

„Wir sind gegen eine Mannschaft ausgeschieden, die alles mitbringt, um den Titel zu gewinnen“, sagte Italiens Torwartlegende Gianluigi Buffon. Sein Trainer Antonio Conte prophezeite den Bayern glorreiche Zeiten. „Bayern wird über die kommenden Jahre eine der besten Mannschaften in Europa sein“, sagte Conte, dessen Team durch Treffer von Mario Mandzukic (63. Minute) und Claudio Pizarro (90.+1) ausschied. Pizarro wünschte sich wie sein Präsident danach schnell den BVB als Gegner auf dem Weg ins Endspiel am 25. Mai im Londoner Wembleystadion. Und erst dort könnte dann das Final-Trauma vom Elfmeterdrama im Vorjahr gegen den FC Chelsea verdrängt werden.

„Wir sollten versuchen, in den nächsten Wochen alles in die Waagschale zu werfen, dass wir diesen 19. Mai, der uns allen noch ein bisschen in den Gliedern steckt, so schnell wie möglich abbauen“, forderte Rummenigge. Viel gelacht wurde trotz des beeindruckend souveränen Weiterkommens aber nicht im Saal mit den golden schimmernden Wänden. Philipp Lahm & Co. treiben weitaus höhere Ziele als nur ein Halbfinale an.

„Wir sind letzte Woche deutscher Meister geworden. Das war unser Ziel. Unser nächstes Ziel ist, im DFB-Pokal ins Finale zu kommen und dann die Wochen darauf ist es unser Ziel, ins Finale der Champions League zu kommen“, meinte Lahm. Man werde „gespannt“, so der starke Torhüter Manuel Neuer, auf die „Lostrommel am Freitag“ schauen. Warum dabei Dortmund ein gutes Los sei, brachte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer kurz und bündig auf den Punkt: „Weil Bayern dann weiterkommt.“

dpa

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