Bayer zähmt die Wölfe: Ärger um Alibi-Fussballer

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Clubchef Wolfgang Holzhäuser sorgte vor dem Sieg von Bayer Leverkusen gegen den VfL Wolfsburg für viel Ärger.

Leverkusen - Bayer Leverkusen ist wieder obenauf, doch das Klima im Werksclub ist trotz des 3:1 gegen den VfL Wolfsburg nicht nur prima. Schuld daran ist Vereinschef Wolfgang Holzhäuser.

Gute Zeiten, schlechte Zeiten: Wie in der Fernsehserie geht es momentan auch bei Bayer Leverkusen zu. “Wir bewegen uns derzeit in einem Wellental. Uns fehlt die Konstanz“, meinte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler trotz des überzeugenden 3:1 (1:0) am Samstag gegen den VfL Wolfsburg. Nach drei Pflichtspiel-Niederlagen sorgten die Werksprofis mit zwei Erfolgen binnen drei Tagen in der Champions League (2:0 gegen KRC Genk) und in der Bundesliga wieder für Ruhe - die aber trügerisch ist.

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Vereinschef Wolfgang Holzhäuser hatte mit seiner Kritik an Mittelfeldstar Renato Augusto nach der Genk-Partie (“Alibi-Fußballer“) für Empörung bei seinen Angestellten gesorgt. “Ich wollte die Kritik, die er bekommen hat, ein bisschen von ihm abwenden“, erklärte Gonzalo Castro, der nach seinem Führungstor (14. Minute) demonstrativ zu dem auf die Bank verbannten Brasilianer rannte. “Wir müssen ihm als Mannschaft zeigen, dass wir für ihn da sind. Renato ist der letzte Alibi-Fußballer, den es hier im Verein gibt.“ Zugleich missbilligte er die öffentlich geäußerte Kritik von Holzhäuser unverblümt: “So etwas muss man unter vier Augen besprechen.“

Während Holzhäuser nach der Partie darauf beharrte, sich als Clubchef herausnehmen zu können, “die eine oder andere Kritik zu äußern“, empfahl Völler ein Gespräch der beiden Kontrahenten: “Renato ist einer der wichtigsten Spieler bei Leverkusen. So etwas kann man mal sagen, doch die Beiden sollten miteinander sprechen.“

Gute Kritiken erhielt ein Spieler, der seit seiner Rückkehr zu Bayer 04 mehr gescholten als gelobt wurde: Michael Ballack. Der 35-jährige Ex-Nationalmannschaftskapitän trumpfte in seiner 100. Bundesliga-Partie für die Leverkusener zeitweise wie in seinen besten Zeiten auf. “Er hat eine tolle Darbietung gezeigt“, sagte Völler. Sein Tor gegen Genk habe befreiend auf ihn gewirkt. “Du kannst 100 Jahre dabei sein. Ein Erfolgserlebnis ist wichtig, das tut gut.“

Zurückhaltender äußerte sich Bayer-Chefcoach Robin Dutt zum guten Auftritt Ballacks. “Das war eine gute Leistung, die vom Teamgeist und vom Kollektiv gespeist war“, meinte er. Ballack selbst verschwand ohne Kommentar. Dagegen genoss Mitspieler Eren Derdiyok den Augenblick höchsten Stürmerglücks. Mit seinem Fallrückzieher-Traumtor (65.) brachte er den deutschen Vizemeister nach dem Ausgleich durch Mario Mandzukic (59.) wieder auf die Siegerstraße zurück. “Als Junior habe ich mal so einen Treffer gemacht, doch bei den Profis ist er einer meiner schönsten“, freute sich der Schweizer.

Bedient war dagegen Landsmann Diego Benaglio, der im Wolfsburger Tor mit Glanzparaden einen Untergang erster Klasse verhinderte. “Fußball ist ein Mannschaftssport, da zählt die Einzelleistung nicht. Der Frust ist groß“, sagte er. “Man kann gegen die Leverkusener verlieren, das ist kein Beinbruch. Doch wie wir aufgetreten sind, ist enttäuschend“, meinte VfL-Coach Felix Magath, der nach nur drei Siegen mit den Niedersachsen auf Tabellenrang 13 dümpelt.

“Man hat von der ersten Minute an gesehen, wer als Sieger vom Platz gehen will“, resümierte Dutt und kritisierte nur die schlechte Chancenverwertung. “Wir hätten noch fünf, sechs Tore machen müssen“, meinte Kapitän Simon Rolfes. Am Ende gelang nur noch eins zum 3:1 durch Stefan Kießling (85.).

dpa

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