Bayer nach 1:7: "Jetzt trinken wir ein Glas"

Barcelona - Gegen den FC Barcelona kann man verlieren, aber doch nicht so! Bayer Leverkusens Vereinschef Wolfgang Holzhäuser flüchtete sich nach dem 1:7-Desaster beim FC Barcelona in Galgenhumor.

“Jetzt trinken wir ein Glas und lachen. Man muss auch vergessen können“, appellierte er in seiner Ansprache nach dem peinlichen Achtelfinal-Rauswurf erster Klasse aus der Champions League beim Bankett an seine Spieler. “Man kann mal hinfallen, auf sich rumtrampeln lassen, aber man muss wieder aufstehen können.“

Den Bayer-Profis fiel es nach der bittersten und zugleich höchsten Europacup-Pleite in der Clubgeschichte am Mittwochabend schwer, wieder in die Realität zurückzufinden. “Ein Alptraum! Barcelona spielt in einer anderen Liga“, befand Kapitän Simon Rolfes nach dem Untergang im Estadio Camp Nou. “Wir wollten uns nicht abschlachten lassen“, sagte Stürmer Stefan Kießling. “Für uns alle ist es bitter. Wir hatten uns den Tag anders vorgestellt.“

Angespornt durch den 2:0-Sieg gegen Bayern München wollte die Werkself mutig auftreten statt zu mauern und nur Schadensbegrenzung zu betreiben. “Das ging in der zweiten Halbzeit in die Hose. Wenn man 0:3, 0:4 zurückliegt, ist es schwer sich aufzubäumen“, berichtete Kießling. Trotz des Debakels hat Bayer in dieser Champions League-Saison Kasse gemacht und mindestens 21 Millionen Euro eingenommen.

“Für diese Art von Fußball gibt es keine Worte“, meinte Bayer-Cheftrainer Robin Dutt nach dem ungleichen Duell mit der katalanischen Übermannschaft. “Es wird einfach sein, das Spiel zu vergessen.“ Deshalb gebe es keinen Grund, den ganzen deutschen Fußball infrage zu stellen. “Barcelona kann so gegen jedes Team aus jeder Liga spielen.“ Der 47-Jährige glaubt, dass das Debakel keine psychologische Last für die Bundesligapartie am Samstag beim VfL Wolfsburg wird. “Ich bin überzeugt, dass wir eine hervorragende Leistung bringen werden. Denn die Kräfteverhältnisse sind anders.“

Schließlich will der Tabellenfünfte nach drei Liga-Siegen in Folge und bei nur vier Punkten Rückstand auf Rang vier die Rückkehr in die europäische Premium-Klasse noch in dieser Saison schaffen. “Wir haben wieder Anschluss an die Champions-League-Plätze und wollen uns das nicht kaputt machen lassen“, sagte Bayer-Sportchef Rudi Völler. “Wir wollen nächstes Jahr wieder gegen Barcelona spielen. Diese Niederlage ist keine Schmach.“

Schließlich sei sie ja nicht so schlimm, wie es den Anschein habe. Denn gegen Barcelona habe man nur 1:2 verloren und gegen Lionel Messi 0:5, hieß es scherzhaft auf dem nicht so lustigen Gala-Abend im Mannschaftshotel. Das 24-jährige Fußball-Naturereignis hatte der Partie eine neue historische Dimension gegeben. Mit fünf Treffern in der 25., 43., 49., 58. und 84. Minute stellte er einen Champions-League-Rekord auf. Zwei weitere Tor für Barça schoss Tello (55./62.), das 1:7 markierte Karim Bellarabi (90.) für Bayer.

“Es ist fantastisch, wenn so etwas wie in dieser Nacht für einen herauskommt, aber es wird schwer werden, das zu wiederholen“, meinte der dreimalige Weltfußballer und Ball-Messias. “Das Händchen Gottes“, lobte die spanische Sportzeitung “Marca“ am Donnerstag auf der Titelseite den Nachfolger von Diego Maradona .

Auch bei Messis Trainer entfachte dessen Tore-Festival Begeisterung. “Wir waren Zeugen einer sehr besonderen Nacht mit Messi. Es war ein Geschenk“, sagte Josep Guardiola, der die Katalanen zum fünften Mal in Serie ins Viertelfinale der “Königsklasse“ führte, und fügte an: “Wenn er gewollt hätte, hätte er noch ein sechstes Tor schießen können.“ Bayer-Sportdirektor Rudi Völler, selbst einst ein Weltklassestürmer, war beeindruckt: “Er ist schon jetzt ein Großer wie Pelé, Eusébio oder Franz Beckenbauer.“

dpa

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