Bayer macht aus Siegen ein Geschenk

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Artistisch versucht hier, Torschütze Stefan Kießling (l.) an den Ball zu kommen.

Trondheim - Bayer Leverkusen hat mit dem Sieg bei Rosenborg Trondheim einen wichtigen Schritt zum Überwintern in der Europa League gemacht. Der Trainer sieht aber einigen Verbesserungsbedarf.

Für das Tor des Tages sorgte „Joker“ Stefan Kießling. Am Sonntag trifft die Werkself nun auf den VfB Stuttgart mit Ex-Coach Bruno Labbadia. Bei Geschenken kommt es nicht nur auf den Inhalt an, sondern auch auf die Verpackung. Bevor Rudi Völler auf dem Heimflug vom Europa-League-Spiel bei Rosenborg Trondheim über das Bordmikrofon das „Happy Birthday“ zum 41. Geburtstag von Cheftrainer Sascha Lewandowski anstimmte, versuchte er aus dem mühsamen 1:0 eine kleine Mogelverpackung zu machen. „Das sind Auswärtspartien, die sich nicht von alleine lösen“, urteilte der Bayer-Sportdirektor. „Wir sollten nicht so kritisch sein. Es ist nicht selbstverständlich, dass man einen Pflichtsieg einfährt.“

Das Geburtstagskind - schon im Flieger am Laptop mit der Spielanalyse und Vorbereitung auf das Bundesliga-Sonntagspiel beim VfB Stuttgart beschäftigt - wollte dagegen von Schönfärberei nichts wissen. „Die ersten 20 Minuten waren zu passiv und langsam“, kritisierte Lewandowski. „Danach wurde es besser, ohne richtig gut zu werden.“

Wie schon in der Partie vier Tage zuvor gegen Greuther Fürth wachten die Leverkusener gegen den 22-maligen norwegischen Fußball-Meister erst nach dem Wiederanpfiff auf. „Wir wollen und müssen uns mit dem Thema beschäftigen“, kündigte Lewandowski an, die Ursachen für den Trend zur „Teilzeitarbeit“ bei der Werkself zu ergründen. Nach der Nullnummer gegen Metalist Charkow, das 2:0 gegen den nächsten Bayer-Gegner Rapid Wien gewann, war Lewandoswki aber auch erleichtert: „Wenn wir aufgrund der besseren zweiten Halbzeit ein Europa-League-Spiel gewinnen, ist das auch in Ordnung.“

Allerdings hatte der starke Bayer-Keeper Bernd Leno alle Hände voll zu tun, das zu Null zu halten. „Wenn Trondheim in Führung gegangen wäre, hätten wir uns nicht beschweren dürfen“, meinte Stürmer Stefan Kießling, der als „Joker“ Sekunden nach seiner Einwechslung für die 1:0-Erlösung (76. Minute) sorgte. Ein Schuss des ebenfalls eingewechselten Sidney Sam lenkte er ohne großes Dazutun über die Torlinie. „Ich konnte nicht viel machen, aber das ist mir auch Wurst“, meinte er. „Morgen wird keiner mehr drüber sprechen. Wir haben die drei Punkte.“

Das Trainer-Gespann Lewandowski und Sami Hyypiä wollte zunächst ausprobieren, wie es ohne den einzigen echten Mittelstürmer funktioniert und beorderte Neueinkauf Junior Fernandes erstmals in die Startelf. Obwohl dem Chilenen die Kraft fehlte, über die volle Distanz zu gehen, deutete er mit einem „Raketenschuss“ (Völler) ans rechte Lattenkreuz an, was er mal wert sein könnte. „Er war in der ersten Hälfte eine positive Erscheinung“, lobte Lewandowski. „Für das erste Spiel von Anfang an war es gut, auf Strecke muss mehr kommen.“

Die Leverkusener müssen insgesamt einen Zahn zulegen, wenn sie es ihrem Ex-Trainer Bruno Labbadia - der einst bei Bayer mit seiner Klage über „Komfortzone“ aneckte - in Stuttgart zeigen wollen. „Nun haben wir die Chance, die tollen 14 Tage in Stuttgart zu vergolden“, sagte Völler, dessen Team in den vergangenen drei Erstliga-Partien sieben Punkte holte. Die Bayer-Spieler könnten zudem einen Sieg erneut zum Geschenk umwidmen: Am Sonntag feiert nämlich Teamchef Sami Hyypiä seinen 39. Geburtstag.

dpa

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