Bayer feiert: Bayern "Schneid abgekauft"

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Bayer Leverkusen feiert den Sieg über den FC Bayern

München - Ausgerechnet gegen den FC Bayern ist bei Bayer Leverkusen der Knoten geplatzt. Nach dem überraschenden Sieg demonstrieren die Spieler der Werkself neue Stärke.

Den FC Bayern geputzt, den Champions-League-Platz wieder im Visier und Frieden mit den Fans geschlossen: Für Bayer Leverkusen wirkte das 2:0 (0:0) gegen den FC Bayern nicht nur wie ein Befreiungsschlag, es hatte den Anschein, als sei beim Vizemeister am 24. Spieltag unter Cheftrainer Robin Dutt endlich der Knoten geplatzt.

„Wir sind erleichtert, die Fans sind erleichtert. Wir müssen auf unsere Leistung schauen und nicht auf die Platzierung, aber so kann es weitergehen“, sagte Nationalspieler Andre Schürrle, der nach seinem im Länderspiel gegen Frankreich erlittenen Nasenbeinbruch mit einer Carbonmaske spielte. Zwar hatte der Ex-Mainzer so seine Probleme mit dem Gesichtsschutz, lieferte aber eine kämpferisch Top-Leistung ab. Vor allem in der zweiten Halbzeit zeigte die Werkself wesentlich mehr Mumm, spielte offensiver und zwang die Bayern am Ende durchaus verdient in die Knie.

Der erste Bundesliga-Sieg gegen die Münchner seit siebeneinhalb Jahren gibt auch Auftrieb für das Achtelfinalrückspiel in der Champions League am Mittwoch (20.45 Uhr/Sky und Sat.1) bei Titelverteidiger FC Barcelona. Der Erfolg nach 14 vergeblichen Anläufen und der dritte Sieg in Folge bedeuteten außerdem, dass der Rückstand auf Pokalsieger Schalke 04 auf Platz vier auf vier Punkte zusammengeschmolzen ist. Die Teilnahme an der Champions-League-Qualifikation scheint für Bayer jetzt wieder möglich.

Das Publikum feierte für Leverkusener Verhältnisse überschwängliche seine Mannschaft und auch Trainer Robin Dutt, die in den letzten Spielen noch teilweise heftige Verunglimpfungen ertragen mussten. „Ein Sieg gegen die Bayern löst Euphorie aus. Wir haben ihnen den Schneid abgekauft“, betonte Daniel Schwaab. Und gerade dieser neue Behauptungswille lässt bei den Rheinländern noch einiges erwarten.

„Über 90 Minuten haben wir verdient gewonnen“, konstatierte Stefan Kießling, der mit dem wichtigen 1:0 (79.) die Weichen auf Sieg gestellt hatte. Karim Bellarabi (90.) mit seinem ersten Bundesliga-Tor schloss einen mustergültigen Konter über Gonzalo Castro zum Endstand vor 30.210 Zuschauern in der ausverkauften BayArena ab.

Gegen die Bayern ging die Dutt'sche Taktik in der zweiten Halbzeit auf, nachdem er Innenverteidiger Manuel Friedrich, der noch in der 40. Minute bei einem Mario-Gomez-Schuss auf der Linie geklärt hatte, durch Angreifer Eren Derdiyok ersetzte. „Eren und ich kennen uns. Es hat funktioniert“, sinnierte Kießling, der von der artistischen Vorarbeit des Schweizer Nationalstürmers beim Führungstor profitierte.

„Das ist ein schönes Gefühl. Unser Aufwärtstrend seit Beginn der Rückrunde hält an, und wir dürfen wieder von der Champions League träumen. Wir fahren jetzt selbstbewusst nach Barcelona und schauen mal, was nach dem 1:3 im Hinspiel noch möglich ist“, äußerte Dutt. Kießling ergänzte: „Wir wollen dort ein gutes Spiel abliefern.“ Vielleicht reicht es ja dazu, Barca noch etwas zu ärgern - getreu dem Motto: Wir haben zwar keine Chance, aber die wollen wir nutzen!

sid

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