"Bastarde!" - Polen und Russland heftig kritisiert

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Russlands Dzagoev erzielte drei Tore bei der EM - und ist dennoch einer der Buhmänner in der Heimat.

Warschau/Moskau - In Polen und Russland werden die Reaktionen der Presse auf das Ausscheiden der Nationalteams bei der Fußball-EM immer heftiger.

„Bastarde!!!“, schrieb das russische Boulevard-Blatt Moskovsky Komsomolets anlässlich der Rückkehr der „Versager“ in die Heimat. Die Sbornaja war durch ein 0:1 gegen Griechenland am letzten Vorrundenspieltag überraschend in der Vorrunde gescheitert.

„Ihr habt unsere Herzen gebrochen“, schrieb Tvoi Den und druckte eine Karikatur, auf der zwei Teufel das ganze Team und Trainer Dick Advocaat in einem Kessel schmoren lassen. Dazu lieferte das Blatt die passende Schlagzeile: „Scher Dich zum Teufel, Advocaat!“

Die Komsomolskaja Prawda gab der Nationalelf den neuen Spitznamen „Buranovskiye Opas“, ein Bezug auf die Buranovskiye Babuschkas, jene älteren Damen, die Russland beim diesjährigen Eurovision Contest vertreten haben.

In Polen konzentriert sich der Unmut der Medien immer mehr auf den Verbandspräsidenten Grzegorz Lato. „Es ist Zeit für Lato zu gehen“, schrieb die Rzeczpospolita. Das Boulevardblatt Super Express druckte große Fotos von Lato und Trainer Franciszek Smuda und schrieb darunter: „Schämt ihr euch nicht, den Polen in die Augen zu schauen?“

Smuda nahm dagegen Lato in Schutz. „Ich würde niemals etwas gegen den Verband sagen. Er hat uns zweieinhalb Jahre mit allem unterstützt, was wir brauchten“, sagte Smuda, der nach dem EM-Aus seinen Abschied verkündet hatte. Lato, Torschützenkönig der WM 1974 in Deutschland, steht seit langer Zeit wegen seiner undurchsichtigen Amtsführung in der Kritik. Vor der Endrunde hatte er mit Smuda festgelegt, dessen Vertrag im Falle eines Vorrunden-Ausscheidens nicht zu verlängern.

Nach dem Aus hatte bereits Kapitän Jakub Blaszczykowski mit Lato abgerechnet. „Der Präsident sagt, er habe ein gutes Verhältnis zum Team, davon merke ich aber nichts“, hatte Kuba gesagt: „Jedesmal, wenn wir etwas mit ihm aufbauen, hat es keinen Bestand. Viele Dinge werden nicht so gemacht, wie sie gemacht werden sollten.“ Zusätzlich bezeichnete es der Dortmunder Profi als „skandalös“, dass Spieler „den Herrn Präsidenten“ um EM-Eintrittskarten für ihre Familienmitglieder bitten mussten.

sid

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