Messi schießt Barca zum Sieg

Geniestreich: Trochowski schießt Real in die Krise

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Piotr Trochowski beim akrobatischen Torjubel

Getafe - Mit dem vielleicht größten Geistesblitz seiner Karriere hat Piotr Trochowski dem taumelnden Giganten Real Madrid den nächsten Nackenschlag verpasst.

Nach einem Bilderbuch-Tor des früheren Fußball-Nationalspielers verlor Spaniens Meister und Rekordchampion am späten Samstagabend 0:1 beim FC Sevilla. Und während sich die ersten Madrististas angesichts von acht Punkten Rückstand auf den Erzrivalen FC Barcelona von der erfolgreichen Titelverteidigung verabschieden, entdeckt Andalusien seine Liebe zum lange verschmähten Deutschen.

„Das Ramon Sanchez Pizjuan hat vor Freude gequietscht“, schrieb die Zeitung Diario de Sevilla über die Stimmung im Stadion nach jener 69. Sekunde, in der Trochowski all das widerlegen wollte, was ihm in seiner Karriere vorgeworfen worden war: Phlegma, mangelnde Torgefahr, Versagen gegen große Gegner. Nach dem ersten Eckball der Partie nahm er Anlauf, zimmerte den Ball in den Winkel, und während Reals Torwart-Ikone Iker Casillas fassungslos wie selten drein schaute, war Trochowski schon per Flickflack auf dem Weg in Richtung Eckfahne.

„Das Wichtigste ist der Sieg gewesen“, gab Trochowski bescheiden zu Protokoll, „ich will nie verlieren, vor allem nicht vor unseren fantastischen Fans.“ Die hatten bislang nicht wirklich viel vom ehemaligen Hamburger gehalten. Spielzeit hatte Trochowski seit seinem Wechsel im Sommer 2011 reichlich bekommen, das Real-Match war sein 39. Liga-Einsatz von 42 möglichen, die meisten in der Startelf. Der Treffer am Samstag indes war erst sein zweiter, zu oft gab Trochowski den Mitläufer. Doch seit er sich zumindest öffentlich nicht mehr mit dem Thema Nationalmannschaft beschäftigt, blüht er im Klub auf.

Die größte Krise der jüngeren Vereinsgeschichte blüht indes Meister Madrid. Wie sehr es rund ums Bernabeu qualmt, machte Jose Mourinho nach der Pleite deutlich: „Im Moment habe ich keine Mannschaft“, teilte der allmächtige Coach mit und wirkte dabei ratlos. Vor allem spielerisch mangelte es überall.

Bereits zur Pause nahm Mourinho Mesut Özil vom Feld, dessen Nachfolger Luka Modric ging unter. Und Superstar Cristiano Ronaldo wirkte wie eine Karikatur seiner selbst. In Sachen Meisterschaft darf sich Madrid vorerst ganz weit hinten anstellen, das Augenmerk gilt nun der Champions League. Da geht es am Dienstag daheim gegen Manchester City - bei einer Niederlage dürfte es rund um die Avenida de Concha Espina richtig ungemütlich werden.

Erzrivale Barca walzt derweil förmlich durch die Liga. Kurz vor Reals Sevilla-Desaster setzten sich die Katalanen höchst souverän 4: 1 beim Madrider Vorort-Klub FC Getafe durch, wo Real unlängst noch 1:2 unterlag. Weltfußballer Leo Messi traf doppelt, hat nun sechs Tore aus vier Spielen auf seinem Konto. Und der neue Coach Tito Vilanova erscheint immer mehr als Glücksgriff.

„Diskussionen über meine Person interessieren mich nicht. Wir haben zwölf von zwölf Punkten, hatten in Getafe Geduld und die Fähigkeit, viele Tore zu schießen“, verwies Vilanova auf das Kerngeschäft - das ist in Madrid derzeit ein wenig aus dem Blickfeld geraten.

Allerdings muss Barça erneut den verletzungsbedingten Ausfall von Kapitän Carles Puyol verkraften. Der 34-Jährige zog sich eine Blessur am linken Knie zu und muss mindestens sechs Wochen pausieren. Nach ersten Informationen muss der Verteidiger aber nicht operiert werden, für Sonntag wurden weitere Untersuchungen angekündigt.

Puyol hatte bereits die EM in Polen und der Ukraine verpasst und sich gerade erst einen Bruch des Wangenknochens zugezogen. Gegen Getafe spielte er bis zu seiner Auswechslung in der 57. Minute mit einer speziell angefertigten Gesichtsmaske.

dpa/sid

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