"Barca hat Messi, Bayern hat Schweini, wir haben Poldi"

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Lukas Podolski schießt das 1:0 durch einen Elfmeter.

Köln - Über die Bedeutung von Lukas Podolski für den 1. FC Köln gibt es keine zwei Meinungen. Erst recht nicht bei den Kollegen. Bei einem hat er es in eine illustre Aufzählung geschafft.

„Barca hat Messi, Bayern hat Schweini, wir haben Poldi“, sagte Torhüter Michael Rensing nach dem 2:2 (1:2) der Rheinländer beim VfB Stuttgart über den Kölner Alleinunterhalter.

Podolski ist der Unverzichtbare. Er hat seinen FC mit einem Doppelpack mal wieder vor einer Pleite bewahrt und inzwischen elf Saisontore auf dem Konto. Viermal traf der 26-Jährige doppelt, an 13 der letzten 15 Treffer war er beteiligt. Dennoch droht den Kölnern womöglich bald eine Mannschaft ohne den Liebling der Domstadt.

Denn die Interessenten für Podolski stehen Schlange. Eine Ablöse jenseits der 20 Millionen winkt, wenn der FC seine Lebensversicherung vor Vertragsende ziehen lässt. Der FC Arsenal, Lazio Rom, Lokomotive Moskau und Galatasaray Istanbul sollen sich bereits gemeldet haben. „Die Anfragen gibt es, darüber bin ich informiert. Die wird es auch in den nächsten Monaten geben, darauf bin ich vorbereitet“, sagte Podolski im ZDF, ohne Namen zu bestätigen. „Aber der FC bleibt mein erster Ansprechpartner“, fügte Podolski hinzu.

Im Winter sind Gespräche mit Sportdirektor Volker Finke vereinbart. Ohne spontanen Entschluss, ohne Zeitdruck - zumindest für Podolski. „Ich lasse mich nicht unter Druck setzen. Es wird beim ersten Gespräch keine Entscheidung geben, aber ich höre es mir gerne an“, sagte er. Sein Vertrag läuft bis zum 30. Juni 2013. Köln kann allerdings nicht so lange warten. Verkauf oder Verlängerung - darauf wird es in den nächsten Monaten wohl hinauslaufen. „Mit Geld können wir ihn nicht halten“, sagte Finke dem Kölner Express.

Podolski will Fortschritte sehen beim 1. FC Köln, wenn er denn bleibt. Der Nationalspieler möchte nicht immer nur gegen den Abstieg spielen. Ob Köln ihm das bieten kann, ist die Frage. „Ich muss von meiner Entscheidung überzeugt sein“, sagte Podolski und lächelte dabei gelassen.

Warum auch nicht. In Stuttgart wurde wieder einmal deutlich, dass außer ihm derzeit kein Kölner Offensivspieler zu außergewöhnlichen Momenten imstande ist. Unbeeindruckt von den turbulenten Tagen im Verein nach der Demütigung gegen Mönchengladbach, unbeeindruckt von seinem jüngsten Malheur im Straßenverkehr.

Prinz Poldi verwandelte kühl einen Foulelfmeter zum 1:0 (15.) und bewies in der 88. Minute Instinkt und Cleverness beim Tor zum 2: 2. So wurde auch aus VfB-Doppeltorschütze Christian Gentner lediglich ein wichtiger Nebendarsteller. Gentner hätte mit seinen Treffern in der 29. und 36. Minute der Held des Abends werden können - hätte.

Stattdessen jubelte Köln über einen Punkt für die Moral, und Torhüter Rensing, der nach der Derby-Pleite zu einer kräftigen Kollegenschelte angesetzt hatte, schlug diesmal versöhnliche Töne an. Denn seine Vorderleute hatten seine Forderung nach mehr Gegenwehr beherzigt. „Wir haben uns nicht hängenlassen. Heute wurde der Geist, weiterzumachen, belohnt“, sagte der 27-Jährige, der den FC aber selbst mit einigen Paraden zwischenzeitlich vor einem höheren Rückstand bewahrt hatte.

Auch Podolski sah durchaus eine Steigerung im Vergleich zum 0:3 gegen Gladbach. „Wir haben bis zum Ende gefightet und uns anders präsentiert“, sagte er. Die Mannschaft sei auf einem guten Weg, Wunderdinge dürfe man aber nicht erwarten. Abstiegskampf bleibt daher wohl das zentrale Thema der nächsten Monate. „Zusammen mit zehn anderen Mannschaften“, wie Trainer Stale Solbakken sagte.

Deshalb will sich der FC gerade in den anstehenden beiden Heimspielen gegen Freiburg und Mainz eine gute Ausgangslage für das Frühjahr verschaffen. „Mit einem Sieg hätten wir 20 Punkte und wären im Soll. Sechs Punkte sollten aber unser Ziel sein“, betonte Rensing. Dann könnten sich die Verantwortlichen auch in Ruhe um die Personalie Podolski kümmern. Obwohl: Es ist der 1. FC Köln. Kann es da Ruhe geben?

sid

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