Wie geht's bei den Katalanen weiter?

Barca am Boden! "Sind nicht mehr die Besten"

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Am Boden: Dani Alves und Barca

Barcelona - Der FC Barcelona ist auf demütigende Weise als führende Weltmacht des Fußballs abgelöst worden - und muss sich nun neu sortieren.

Lionel Messi zippelte am Klettverschluss seiner Trainingsjacke herum und zerkaute den einen oder anderen Fingernagel. Doch irgendwann an diesem für den FC Barcelona ernüchternden Abend wich auch beim Fußball-Heiligen aus Argentinien die Nervosität der bitteren Erkenntnis: Es ist vorbei. Was nach dem schlimmen 0:4 im Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Bayern München viele ahnten, wuchs sich nach dem demütigenden 0:3 am Mittwoch zur Gewissheit aus: Dieses Barcelona, der Hegemon des Weltfußballs über die vergangenen fünf Jahre, steht am Ende einer Ära.

„Wir sind nicht mehr die Besten“, stammelte Abwehrspieler Piqué nach der zweiten albtraumhaften Begegnung mit diesen übermächtigen Bayern. Die Madrider Sportzeitung Marca, die Barcelona traditionell nicht besonders wohlgesinnt ist, fragte „Was ist nur vom Pep-Team übrig geblieben?“, und konstatierte: „Diese Demütigung eröffnet eine neue Ära.“ Es ist die Ära des FC Bayern, von Borussia Dortmund, vom deutschen Klubfußball. Es ist eine Wachablösung.

„Moment mal“, erhob Kapitän Xavi Hernandez empört Einspruch. Er gab zu, dass „Bayern viel besser“ war. Aber eine Wachablösung? „Das ist nicht gerecht. Dafür braucht es mehr als nur ein Spiel.“ Nun ja, es waren zwei. Und diese Begegnungen hat Barcelona nicht einfach nur verloren, nein, Barca hat sich „lächerlich gemacht“, wie das Blatt El Mundo treffend schrieb, ja, „das Gesicht verloren“.

Die Fans im Camp Nou hatten an den Stolz („Orgull“) ihres Teams appelliert, doch das war ohne den angeschlagenen Messi nicht in der Lage, sich noch einmal zu erheben. Stattdessen setzte es addiert die schlimmste Tracht Prügel in Europa, die der FC Barcelona je bezog. 3:7 (2:6, 1:1) hatte sich der ruhmreiche Klub 1961/62 in den Finals des Messepokals dem FC Valencia geschlagen geben müssen. Aber 0:7? Barcelona sei verspottet worden, jammerte El Pais.

Und das lag nicht nur an der Absenz von Messi. Xavi, mit 33 Jahren der älteste Barca-Spieler auf dem Platz, wirkte weit über seinem Zenit. Sein einst kongenialer Partner, Andres Iniesta (bald 29), war ebenfalls ein Schatten seiner selbst. Gut, Barca fehlte der verletzte Kapitän Carles Puyol, aber der ist auch schon 35. Und wie stark er zurückkommt, ist offen.

Barcelona wird nichts anderes übrig bleiben, als einen Neuaufbau zu beginnen - in allen Mannschaftsteilen. Dieser Meinung waren auch fast 90 Prozent der User, die sich an einer Internet-Abstimmung der Zeitung Sport beteiligten. Mit den eingewechselten Thiago Alcantara und Martin Montoya oder Cristian Tello drängen Talente nach.

Wichtiger als der Einbau neuer Spieler ist aber wohl: Barcelona muss seine Spielidee erneuern. Das einst revolutionäre Tiki-Taka wirkte in dieser Saison allzu oft angestaubt. Mannschaften wie die Bayern oder Dortmund haben den Fußball mit ihrem wilden Ballgehetze längst auf eine höhere Ebene gehoben - und Barca abgehängt.

Viele Fans und Experten stellen in diesem Zusammenhang die Frage, ob Trainer Tito Vilanova diesen Umbruch herbeiführen kann. Präsident Sandro Rosell sagt ja. Vilanova stehe nicht infrage, betonte er am Mittwoch. Doch der 44-Jährige wirkte müde und ausgezehrt - aber wer wollte ihm das nach seiner Krebserkrankung vorwerfen?

Es hatte was von einem Nachruf, dass Barcelona am Donnerstag als erste Meldung auf seinem Twitterkanal ein Video der „legendärsten Tore“ der Klubgeschichte anpries. Zwei Stunden später gab Barca den Fans ein Stück Hoffnung zurück, der Verein annoncierte die jüngsten Heldentaten der Jugendteams. „Ich bin immer Optimist“, sagte Xavi: „Dieses Barca hat eine Zukunft. Wir wissen, was wir tun müssen.“ Na dann: Vamos!

sid

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